Horgen

Wie ein Ukrainer und ein Filipino am Zürichsee jodeln lernen

Im Jodelklub Horgen singen zwei Männer mit fremden Wurzeln: Rex Romero stammt aus den Philippinen, Alex Stepuk aus der Ukraine. Ihr Chor ist am Freitag zusammen mit dem Chor Xang Arn Stocken auf dem Dorfplatz zu hören.

Alex Stepuk (links) und Rex Romero erhalten von den Klubkollegen viel Lob für ihr Engagement und ihren Gesang.

Alex Stepuk (links) und Rex Romero erhalten von den Klubkollegen viel Lob für ihr Engagement und ihren Gesang. Bild: Manuela Matt

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«Bärgkristall» ist das liebste Jodellied von Alex Stepuk. Der 30-jährige Chemiker, geboren in der Ukraine, schwärmt in den höchsten Tönen von dieser Komposition von Edi Gasser. Er rezitiert den Mundarttext fast akzentfrei: «Gwachse uf de herte Steine, gformt i tuusige vo Jahr...».

Er liebe die Seen, die verschiedenen Landschaften und vor allem die Berge, die ihm zur Heimat geworden seien. Gerne fahre er etwa an den prächtigen Klöntalersee oder im Winter ins Bündnerland, um Ski zu fahren.

Youtube für korrekten Gesang

Alex Stepuk kam vor zehn Jahren in die Schweiz, um zu studieren. Seither lebt der Akademiker in Zürich und arbeitet in Horgen. Ein Flair habe er seit jeher für Musik und Lieder gehabt, erzählt er. In Kiew werde etwa der Fluss Dnipro nostalgisch besungen. Als eine Arbeitskollegin ihn auf den Jodelverein in Horgen aufmerksam machte, war für ihn daher klar: Er wollte das Singen im Jodelchor erlernen.

Seit zwei Jahren singt er nun im Horgner Verein. Die Kameradschaft, die Offenheit und die Hilfsbereitschaft mit den durchwegs älteren Sängern schätzt er sehr. Zu Hause repetiere er dann die Worte und Melodien der Lieder über das Videoportal Youtube. Das sei hilfreich. Im Verein engagiert er sich als Aktuar und vertritt diesen auch an der Delegiertenversammlung des Eidgenössischen Jodlerverbandes, wo die Sparten Fahnenschwingen und Alphornblasen auch dazu gehören. Er lobt seinen Gesangskollegen Rex Romero, der ihm behilflich war, mit den gestandenen Männern in guten Kontakt zu kommen, da er ebenfalls jung und vom Ausland kommend, zum Jodelchor stiess.

«S´Wätter isch schlächt»

Der ausgebildete Chemieingenieur Rex Romero lebt seit drei Jahren mit seiner Frau in Wädenswil. Der 40-Jährige stammt von den Philippinen, lebte zwölf Jahre in Tokio und unterrichtet nun in der Schweiz Englisch und die Kampfsportart Aikido. Romero wirkt zurückhaltender als Stepuk und fragt nach, wenn er gewisse Mundartwörter noch nicht versteht.

Als Student war er schon vor vielen Jahren mehrmals für Kurse in der Schweiz. Er erinnert sich: «Von den Schweizern habe ich damals immer wieder gehört: ‹S´Wätter isch schlächt›». Diese Wendung sei ihm in Erinnerung geblieben und eine Zeitlang sei dies sein einziger Satz im schweizerdeutschen Repertoire gewesen.

Interesse an Musik hat Rex Romero auch von Kindsbeinen an. Als er via Internet vom Jodeln hörte, entschied er sich sofort, sich einem Jodelchor anzuschliessen. Er freut sich, dass er in Horgen gut aufgenommen wurde. Dass seine Gesangskollegen ihn und Stepuk als «die Chline» wahrnehmen, stört ihn nicht. Auch Romero engagiert sich im Verein. Er ist in der Musikkommission, welche die Lieder auswählt, und hat auch das neue Logo des Vereins erarbeitet.

Sowohl Rex Romero wie Alex Stepuk hoffen, dass noch weitere junge Leute sich für das Singen in ihrem Verein entschliessen.

Vollauf zufrieden

Die durchaus älteren Gesangskollegen im Jodelklub loben die jungen Männer allesamt. Hansruedi Stern, ehemaliger Präsident, lobt ihren grossen Einsatz für den Verein. Max Peter schätzt es, «dass sich die beiden mit unserem Kulturgut beschäftigen und es in unserer Sprache besingen». Die Jodlerin Margrith Widmer findet Rex Romero und Alex Stepuk «flotte junge Leute».

Werner Scherer, jetziger Präsident des Jodelklubs, gibt zu, dass er zu Beginn gespannt war, «wie sich die beiden sprachlich und kameradschaftlich bei uns einreihen werden». Er sei positiv überrascht worden. Es gebe zwar immer wieder Wörter und Textpassagen, die einer Erklärung bedürfen. Das sei wegen den verschiedenen Dialekten aber auch bei Schweizern der Fall. Scherers Fazit zum Schluss: «Alex und Rex sind aktive und innovative Klubmitglieder und ein gutes Beispiel, wie man sich mit fremden Wurzeln in einem Jodelklub integrieren kann». Und zum Schluss: «Es ist schön, mit ihnen in der Reihe zu stehen.»

Der Jodelklub Horgen wird am kommenden Freitag ab 20 Uhr abwechselnd mit dem Xang Arn Stocken im Rahmen der Anlassreihe «Der Dorfplatz lebt» in Horgen auftreten. Am 7. September wird der Jodelklub Horgen zudem unter dem Motto «Folklore i de Ohre» noch einmal zu hören sein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.07.2018, 16:28 Uhr

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