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Wie die Briefe auf dem kürzesten Weg ins Haus flattern

Ein intelligenter Kompass gegen den Weihnachtsstress: Die Briefzustellung wird in der Wädenswiler Zustellzentrale per Computer geplant. Das spart den Pöstlern Zeit und Energie.

Ortskenntnisse haben die Pöstler weiterhin - doch geplant wird ihre Zustellroute am Computer.

Ortskenntnisse haben die Pöstler weiterhin - doch geplant wird ihre Zustellroute am Computer. Bild: Patrick Gutenberg

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Früher mussten der Pöstler und die Pöstlerin die Zustellroute noch von Hand mit Farbstiften im Ortsplan einzeichnen. Das genügt heute nicht mehr. Die Bevölkerung und die Anzahl Haushalte wächst. Gleichzeitige werden heute im Zeitalter der Digitalisierung aber immer weniger Briefe, Zeitschriften und Werbesendungen verschickt. Es gilt daher eine Zustelltour so zu planen, dass die Post am schnellsten und ohne Umweg ausgetragen wird. Das schafft zufriedene Kunden und dient auch dem Umweltschutz.

Bei der Postzustellung ist nämlich der direkte Weg vom Verteilzentrum zum Briefkasten nicht das Patentmittel, wenn hunderte Adressen in derselben Tour beliefert werden müssen. Wenn zehn Briefkästen zwar in einer Reihe bedient werden, für den elften aber ein grosser Umweg gefahren werden muss, taugt die Route nichts.

Die Schweizerische Post löst das Problem mit einer Software für die Tourenplanung, wie sie auch in den Gemeinden am Zürichsee verwendet wird. Sie berechnet die Fahrzeit, den Fussweg und die Zustellzeit. Die Optimierung basiert aber allein auf der Fahrzeit, indem die Software effizientere Wege vorgeschlagen werden. Dies hilft, die Pensen der Mitarbeitenden in der Zustellung besser auszulasten. Durch optimale Wege reduziert sich sowohl die Distanz als auch die für die Zustellung benötigte Zeit und der CO2-Ausstoss. Die Pöstler gehen also auf ihren elektrischen Dreirädern quasi mit einem intelligenten Kompass auf ihre Fahrt.

So sehen die am Computer entworfenen idealen Zustellrouten aus. Diese dienen den Pöstlern als unsichtbarer Kompass.Foto: PD Post.

Alles flitzt in Fächer

Eingestellt wird dieser Kompass im Verteilzentrum Wädenswil. 80 Frauen und Männer sind für die Zustellung von rund 30 Millionen Briefpostsendungen im Jahr verantwortlich (siehe Kasten). Von hier, am oberen Stadtrand nahe der Autobahn, schwirren die Pöstlerinnen und Pöstler kurz vor 8 Uhr auf ihren Elektro-Rollern in ihre 44 Zustellbezirke aus. So werden die Touren benannt, welche die Briefpost in den Gemeinden Richterswil, Wädenswil, Horgen und Oberrieden ausliefern.

Betrieb kommt aber schon zwischen 6 und 6.30 Uhr in die grossen Hallen der Zustellstelle Wädenswil, wie das Zentrum offiziell heisst. Kuverts, Zeitungen, Zeitschriften, Flyers und Werbesendung flitzen in die schmalen Fächer des Metallregals von der Grösse einer grossen Bücherwand. Die Seiten sind leicht abgewinkelt, um den Aktionsradius der Briefträger zu erhöhen, der in der Mitte dieser Koje die Post nach Adressen seines Zustellbezirks einwirft. Die Post am Regal mit der Nummer 323 geht zum Beispiel in ein Horgner Quartier. Tour 313 führt nach Hirzel, 325 nach Oberrieden.

Sortieren für die Tour: Jede Koje ist ein Zustellrevier der Pöstlerinnen und Pöstler, jedes Fach eine Adresse.

Jedes Fach ist mit einer exakten Adresse, aber nie mit Namen beschriftet. Die Anordnung der Fächer ergibt den Ablauf der Tour. Iwan Cadalbert, Leiter der Briefzustellregion Wädenswil, nennt sie die «Laufliste». Sie bestimmt die Reihenfolge der zu beliefernden Briefkästen. Die Laufliste macht ein Bordnavi überflüssig, denn Ortskenntnis haben die Pöstler genug.

Die Theorie folgt der Praxis

Die intelligente Tourenplanung wirkt sich bereits in der Belieferung des Verteilzentrums aus. Ein Teil davon kommt hier in Kisten an, analog der Route in Kisten sortiert. Cadalbert spricht von der «Gangfolgesortierung», kurz GFS. Solche grauen Plastikbehälter werden ebenfalls auf die Tour mitgenommen.

Wie diese Route zuvor in der Theorie entsteht, erklärt Daniela Graf Müller. Sie ist eine von fünf Tourenplanern der Schweizerischen Post. Zürcher Oberländerin Pfäffikon war früher selbst Pöstlerin. «Es ist von Vorteil, wenn man praktisches Hintergrundwissen mitbringt, weiss wie es auf der Zustellung zugeht und Verständnis für die Probleme unterwegs hat», sagt sie. Soll heissen: Die digitale Theorie muss sich immer in der realen Praxis bewähren.

«Es ist von Vorteil, wenn man weiss, wie es auf der Zustellung zugeht.»Daniela Graf Müller, Planerin für Zustellrouten der Schweizerischen Post und früher selbst als Pöstlerin unterwegs

Ausgangspunkt der Planung sei immer die Bestandsaufnahme und die Frage, was geändert werden müsse. Neue Überbauungen, neue Quartiere, neue Strassen können eine solche Anpassung der Tour auslösen. Die Siedlungsdichte und die Distanzen spielen eine wesentliche Rolle bei der Planung wie auch gewisse Verkehrsregeln. Auf starkbefahrenen Hauptstrassen wie der Seestrasse darf der Pöstler aus Sicherheitsgründen nicht im Zick-Zack von einer Strassenseite auf die andere wechseln, sondern muss auf seiner Runde irgendwann wieder in der Gegenrichtung zurückkommen.

Entscheidend sei am Ende, ob die Zustellung in einem achtstündigen Arbeitstag der Angestellten machbar sei und ob die Reihenfolge der Adressen den Vorgaben entspricht. Das Planungsprogramm findet immer den schnellsten Weg ohne unnötige Distanzen zurückzulegen. «Wir arbeiten eng mit den Zustellern zusammen, gehen auf ihr Wissen und ihre Kenntnis der lokalen Verhältnisse ein», erklärt Graf Müller. Mit dem Boten beurteile sie, ob die Route aufgrund ihres Vorschlags und einer Computersimulation funktioniert.

Daniela Graf Müller plant unter anderem auch Touren für die von Iwan Cadalbert geleitete Briefzustellregion Wädenswil. Foto: Patrick Gutenberg.

Universell einsetzbar

Ebenso beantworte die Simulation, wie viele Zusteller in einer Gemeinde benötigt werden. Am Ende brauche es vielleicht zwei oder drei Probefahrten, dann sitzt die Tour. Manchmal müsse sie nachgebessert werden. «Kurzfristige Anpassung gehören zum Alltag», sagt die Planerin.

Noch einen Vorteil hat die intelligente Planung der Zustellrouten. Sie erleichtert die universelle Einsatzfähigkeit des Personals bei Stellvertretungen oder internen Wechseln. Baustellen hingegen gehören nicht ins Programm, so sehr sie auch alle Verkehrsteilnehmer nerven. Hier hilft laut Iwan Cadalbert eine alte Stärke der Briefträger: Flexibilität und Improvisationsvermögen. «Der Anwohner kommt ja durch die Baustelle nach Hause, also findet auch der Pöstler einen Weg zum Briefkasten.»

Erstellt: 13.12.2019, 15:32 Uhr

100 Millionen Sendungen aus einem Zentrum

Die Briefzustellregion Wädenswil ist das Verteilzentrum für Briefpost am linken Zürichsee-Ufer und auch darüber hinaus. Rund 100 Millionen Sendungen liefert sie pro Jahr in die Zustellstellen Thalwil, Adliswil, Affoltern am Albis und Birmensdorf. Zustellstellen nennt die Schweizerische Post die nächstkleineren Verteilzentren, von wo aus die Pöstlerinnen und Pöstler mit ihren elektrisch betriebenen gelben Dreirädern ausschwirren und jeden Briefkasten ihres Rayons anfahren. Die Briefzustellregion Wädenswil ist auch selber eine Zustellstelle. Von hier aus verteilen 80 Mitarbeitende rund 30 Millionen Briefen pro Jahr in folgende Gemeinden und Ortsteile: Oberrieden, Horgen, Horgenberg, Hirzel,Au, Wädenswil, Schönenberg, Hütten, Richterswil und Samstagern.

Adliswil, Langnau und Kilchberg erhalten ihre Briefpost aus der Zustellzentrale in Adliswil, Thalwil und Rüschlikon aus dem Verteilzentrum Thalwil.

Am rechten Ufer ist (mehrheitlich) die Briefzustellregion Uster zuständig, die auch Zustellstellen an verschiedenen Orten betreibt. Im Bezirk Meilen sind dies die Zustellstellen Meilen, Männedorf, Oetwil und Stäfa. Zudem gibt es im Bezirk Meilen auch Zustellstellen in Küsnacht und Zumikon; diese gehören in der postgeografischen Aufteilung aber bereits zur Briefzustellregion Zürich-Ost. (di)

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