Wädenswil

Wie der Garten zur Wohlfühloase für Igel wird

Was muss man tun, damit sich Igel, Schmetterling und Mauersegler im heimischen Garten wohlfühlen? Das städtische Beratungsangebot «Hallo Igel» zeigt die ersten Schritte und gibt Tipps für mehr Biodiversität.

Igel halten sich gerne im Unterholz auf. Dort finden sie Deckung und Nahrung. Tagsüber sind sie selten anzutreffen.

Igel halten sich gerne im Unterholz auf. Dort finden sie Deckung und Nahrung. Tagsüber sind sie selten anzutreffen. Bild: Keystone

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Es ist ein sommerlicher Nachmittag in Wädenswil. Die Sonne brennt und man ist froh um die schattenspendende Buche im Garten hinter dem Haus der Familie Pfister. «Als die Kinder noch klein waren, haben sie den Garten zum Spielen in Beschlag genommen», sagt Verena Pfister. Nun da der Nachwuchs grösser ist, sei die Zeit für eine Veränderung des Gartens reif.

Verena Pfister hat verschiedene Ideen. Einen weiteren Baum könnte sie sich beispielsweise sehr gut vorstellen, oder einige Platten des Sitzplatzes zu entfernen, um mehr Wiese zu haben. Besonders wichtig ist ihr jedoch, dass sich in ihrem Garten auch Igel, verschiedene Insekten und Vögel wohl fühlen sollen. Deshalb hat sie eine kostenlose Gartenberatung mit «Hallo Igel» vereinbart.

Vielfalt im Garten

«Hallo Igel» wurde vor zwei Jahren von der Stadt Wädenswil ins Leben gerufen. Die Koordination obliegt der Abteilung Planen und Bauen, die Beratungen von Mitarbeitern des Landschaftsentwickungskonzepts (LEK), wie dem Umweltingenieur Marco Bertschinger. «Private Gärten machen den grössten Teil der Grünflächen in Wädenswil aus», sagt Rita Newnam, Leiterin der Abteilung Planen und Bauen und Mitinitiantin von «Hallo Igel». Wenn man also die Artenvielfalt in Wädenswil fördern wolle, sei es sinnvoll, auch bei Privatpersonen anzusetzen. «Jeder kann etwas für mehr Biodiversität tun, sei es im eigenen Garten oder auf dem Balkon.»

In Pfisters Garten findet Bertschinger bereits eine Vielfalt an einheimischen Pflanzen vor. Neben der Hainbuche schmiegen sich Flieder-, Heckenrosen- und Hartriegelsträucher aneinander. Das Gras wurde bereits einige Wochen nicht geschnitten. Die wildwachsenden Gräser und Blumen stehen in Kontrast zum akribisch gestutzten Rasen der Nachbarn. «Für die Natur ist es besser, wenn das Gras nicht zu oft geschnitten wird. Am besten nur ein paar Mal pro Jahr», sagt Bertschinger.

Marco Bertschinger von «Hallo Igel» bespricht mit Verena Pfister, wie sie ihren Garten noch naturnäher gestalten kann. Foto: Sabine Rock

Mit jedem Rasenschnitt verliere eine Vielzahl Insekten ihr Leben.Auf Dünger und giftige Pflanzenschutzmittel solle man verzichten. «In gespritzten Wiesen lebt nichts mehr. Wer einen lebendigen Garten möchte, setzt am besten auf eine natürliche Blumenwiese.» Höheres Gras biete zudem auch kleinen Säugern, wie dem Igel, Deckung. «Deshalb geraten sie hin und wieder in Rasenmäher.»

Besonders schlimm seien aber die selbstfahrenden Mähroboter, vor allem wenn sie nachts laufen gelassen werden. «Igeln und anderen Kleintieren können solche Roboter leicht zum Verhängnis werden», sagt Bertschinger. Am besten schneide man das Gras mit der Sense oder einem möglichst einfachen Mäher, der das geschnittene Gras nicht in einem Beutel sammle.

Auf der Wiese fällt Bertschingers Blick auch auf die nicht heimische Nachtkerze, einen sogenannten Neophyt. «Ich weiss bei denen nie genau ob man sie nun ausreissen muss, oder nicht», sagt Verena Pfister. «Nachtkerzen können Sie stehen lassen», beruhigt Bertschinger. Da diese Blumen, wie der Name verrät, nachts blühen, seien sie eine gute Nahrungsquelle für Nachtfalter, die wiederum auf den Speiseplänen anderer Tiere, wie etwa Fledermaus, stehen.

Laubhaufen und Vogelhaus

Wie die «Hallo Igel»-Beratung zeigt, braucht es nicht viel, um aus dem Garten der Familie Pfister ein kleines Paradies für Igel und andere heimische Tiere zu machen. Sträucher und Hecken am Gartenrand bieten Unterschlupf. Unweit davon liegt gesammeltes Laub vom letzten Herbst zusammen mit einigen Ästen auf einem Haufen. Daneben steht ein Metallbecken an einen Stein gelehnt. «In solchen Ecken verkriechen sich Igel gerne tagsüber oder für ihren Winterschlaf», sagt Bertschinger.

Ein weiteres Mittel um mehr Leben in den eigenen Garten zu bringen sei auch ein Vogelhäuschen für Spatzen und Meisen an einem Baum zu befestigen. Diese würden in der Regel rege genutzt, sagt Bertschinger. Verena Pfister interessiert sich besonders für Nistkästen für Mauersegler. Da sich diese Vögel ausserhalb der Brutzeit primär in der Luft aufhalten, nisten sie an Orten, die sie direkt aus dem Anflug erreichen können. Deshalb muss ein Nistkasten in mindestens drei Metern Höhe angebracht werden. Im Falle der Familie Pfister bietet sich die Nische unter dem Dach an.

Seit der Lancierung der Aktion «Hallo Igel» wurden knapp 30 Gartenberatungen durchgeführt. Allein im letzten Jahr seien es 20 gewesen, sagt Rita Newnam. «Wir freuen uns sehr, dass das Angebot von Anfang an so gut genutzt wurde und hoffen, dass sich der Trend etwas für die Artenvielfalt im Garten zu tun fortsetzt.» Verena Pfister ist zufrieden mit der Beratung. Nun wisse sie, was zu tun sei, damit hoffentlich schon bald ein Igel in ihrem Garten wohne.

Weitere Informationen zum Beratungsangebot «Hallo Igel»

Erstellt: 21.06.2019, 11:26 Uhr

Der Igel

Eines der ältesten Säugetiere

Sie sind klein, haben unzählige, dicht nebeneinander wachsende Stacheln und gehören zu den ältesten Säugetieren der Welt: die Igel. In Westeuropa findet man vorwiegend den Braunbrustigel. Sie werden gut 32 Zentimeter lang und zwischen 450 und 700 Gramm schwer. Laut Pro Igel Schweiz hat sich diese Igelart in den letzten 35 Millionen Jahren kaum verändert. Als Wildtiere stehen Igel in der Schweiz unter Schutz und dürfen nur in Notfällen gefangen werden.

Seine schlechte Sehkraft kompensiert der Igel mit seinem exzellenten Geruchssinn und dem bis in den Ultraschallbereich reichenden Gehör. Das Jacobsonsche Organ im Gaumendach hilft dem Igel zusätzlich bei der Identifikation von unbekannten Geschmäckern. Ist sich der Igel nicht sicher, ob er es mit etwas Essbarem zu tun hat oder nicht, kaut er darauf herum, bis sich schaumiger Speichel bildet. Diesen Speichel befördert der Igel dann zum Jacobsonschen Organ und spuckt die Kauprobe wenn nötig aus.

Insekten stehen ganz oben auf dem Speiseplan

Fühlt sich der Igel bedroht, rollt er sich zu einer stachligen Kugel zusammen. Igel sind nachtaktiv. Ausser im Herbst, wenn es darum geht sich Fett für den Winterschlaf anzufuttern, sieht man sie selten tagsüber. Zwischen Juni und September bringen die Weibchen nach 35 Tagen Tragzeit ihre Jungen zur Welt, die sie alleine aufziehen.

Ganz oben auf dem Speiseplan der stacheligen Insektenfresser stehen naturgemäss Insekten aller Art, aber auch Regenwürmer, Spinnen, Schnecken und Nachtfalter. Früchte und Gemüse können die kleinen Säuger hingegen nicht verdauen. Im November beginnen Igel damit, sich ein Quartier für den Winterschlaf einzurichten. Oft bleiben sie ihren bewährten Unterschlupfen treu. Besonders beliebt sind Laub- und Komposthaufen, Holzstapel oder kleine Höhlen etwa unter Schuppen oder Rabbatten.

Bis der Frühling kommt, bleiben Igel in ihrem Winterquartier. Dabei verlieren sie zwischen 20 und 40 Prozent ihres Körpergewichts. Ihre Körpertemperatur geht zurück auf fünf Grad Celsius, Atem und Herzschlag werden stark verlangsamt.

Tipps für einen naturnahen Garten


  • Das Gras möglichst selten schneiden. Dabei keine Motorsensen, Rasenroboter und Fadenmäher einsetzen.

  • Auf Gifte wie Pflanzenschutzmittel oder Schneckenkörner verzichten.

  • Den Garten nicht zu sehr aufräumen

  • Keine Laubbläser benutzen. Laub dient Igeln dazu ihr Nest auszupolstern.

  • Komposthaufen bieten Igeln nahrungsreiche, warme Verstecke. Zum Umschichten des Komposts keine Stechgabeln verwenden.

  • Mauern aus Steinen oder Steinhaufen dienen Eidechsen, Molchen, Kröten und Blindschleichen als Zufluchtsorte.

  • Totholz liegen lassen. Es bietet Insekten und Pilzen Lebensraum und dient Igeln sowie verschiedenen Vogelarten als Unterschlupf und Nistplatz.

  • Offene Lichtschächte mit feinmaschigen Gittern abdecken, damit Igel, Amphibien und andere Tiere nicht hineinstürzen können.

  • Eine flache Wasserschüssel oder Vogeltränke kann Igel im Sommer vor dem Verdursten retten.

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