Wädenswil

Wie das Leuchtturm-Projekt in der Schublade verschwand

Die Wädenswiler wünschten sich vor gut zehn Jahren eine Aufwertung des Seeplatzes. Mit der futuristischen Idee eines Leuchtturms konnten sie sich jedoch nicht anfreunden.

Der markante Leuchtturm hätte vor gut zehn Jahren auf dem Seeplatz entstehen sollen. Daraus wurde nichts.

Der markante Leuchtturm hätte vor gut zehn Jahren auf dem Seeplatz entstehen sollen. Daraus wurde nichts. Bild: Visualisierung: PD

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Er sollte ein Wahrzeichen für Wädenswil werden: der Leuchtturm. Die Idee für das Projekt mit Bar und Beiz auf dem Seeplatz brachten erstmals an der Stadtplanungs-Ausstellung «Wädensville» Ende 2005 vier Wädenswiler vor. Tom Porro, Jürg Rota, Heinrich D. Uster und Michael Waldvogel stiessen mit ihrem Konzept anfangs auf offene Ohren. Ihre Vision: 30 Plätze in einer Panoramabar mit Ganzjahresbetrieb und einem nur im Sommer betriebenen Gartenrestaurant mit 80 Plätzen.

Zwar wollte sich der Stadtrat damals nicht finanziell beteiligten, sondern überliess die Wettbewerbs-Ausschreibung, den Bau und den Betrieb des neuen Restaurants Privaten. Dennoch sicherte der damalige Stadtpräsident Ernst Stocker (SVP) die Unterstützung der Stadt zu und zog in Erwägung, das Land eine gewisse Zeit gratis zur Verfügung zu stellen.

Vorschlag von Mario Botta

Ein Architekturwettbewerb zum Leuchtturm-Projekt wurde lanciert, um das sich sogar der Schweizer Star-Architekt Mario Botta bemühte. Das Siegerprojekt stammte am Ende jedoch aus der Feder der Bieler Architekten «:mlzd». «Das Siegerprojekt hat einen frechen Ansatz, exakt das vorgegebene Baufeld eingehalten und vom Inhalt her alles überboten», präsentierte Tom Porro im damals das Ergebnis des Wettbewerbs. Die Architekten sahen auf dem Seeplatz einen klaren und schnörkellosen Stahlfachwerkbau mit feinmaschigem Gitterwerk als Hülle vor. In 25 Meter Höhe über dem See war das Obergeschoss vorgesehen. Die beiden ineinander verschränkten Module mit Bar und Restaurant versprachen unterschiedliche Ausblicke auf den Zürichsee. In der Nacht sollte das Gebäude von innen nach aussen strahlen und so seiner Bezeichnung als Leuchtturm gerecht werden.

«Die Idee an und für sich ist sehr schön, nur die Projektion hat mit einem Leuchtturm so viel am Hut wie ein Fisch mit einem Ei.»Reaktion aus der Bevölkerung

Berücksichtigt wurden in der Planung auch die Nutzerbedürfnisse auf dem Seeplatz, wie die Chilbi oder die Eisbahn. Auch durfte der Leuchtturm nicht den ganzen Seeplatz einnehmen, sondern nur wenig mehr Platz als das heutige Schiffwartehäuschen beanspruchen.

Die Reaktionen aus der Bevölkerung kamen prompt. Als «kühne Hochhauskiste, die den Seeplatz verschandelt bezeichnete ein Leserbriefschreiber das Projekt. Ein anderer schreibt: «Die Idee an und für sich ist sehr schön, nur die Projektion hat mit einem Leuchtturm so viel am Hut wie ein Fisch mit einem Ei.» Unterschiedliche Meinungen ergab auch eine ZSZ-Umfrage. Während die Einen das Projekt als «zu gewagt» und «futuristisch» oder «optisch störend» erachteten, wünschten sich andere lieber ein in den See hinausragendes Restaurant. Weitere befürworteten «die moderne und innovative Architektur». Schliesslich war der allgemeine Tenor, dass zwar eine Veränderung der Situation auf dem Seeplatz erwünscht ist, viele konnten sich aber mit der Leuchtturm-Architektur nicht anfreunden.

Investoren sprangen ab

Die vielen verschiedenen Meinungen nahmen schliesslich die Grünen im Januar 2009 zum Anlass, ein Referendum in Erwägung zu ziehen, sobald der öffentliche Gestaltungsplan aufgelegt und vom Gemeinderat abgesegnet wurde. Die Grünen waren der Meinung, dass über das 25 Meter hohe Gebäude auf dem Seeplatz, das zudem so umstritten ist, das Volk abstimmen müsse.

Allerdings kam es nie soweit. Denn bereits im Juli 2009 sprangen die Investoren, die nie bekannt gegeben wurden, für das zwischen vier und sechs Millionen Franken teure Projekt ab. Sie wollten die Finanzierung übernehmen und später das Restaurant betreiben.

Bereits im Juli 2009 sprangen die Investoren, die nie bekannt gegeben wurden, für das zwischen vier und sechs Millionen Franken teure Projekt ab.

Die Initianten des Projekts gaben als Grund des Rückzugs der Investoren die wirtschaftlich angespannte Situation und die entsprechenden innerbetrieblichen Umstrukturierungen an. Die Initianten hielten weiterhin am Leuchtturm fest. Und auch der Stadtrat stand nach wie vor hinter dem Projekt. Doch mache es keinen Sinn, am für das Gebäude notwendigen Gestaltungsplan weiterzuarbeiten, wie der damalige Stadtrat Planen und Bauen, Christian J. Huber (SVP) mitteilte. «Erst wenn die Finanzierung gesichert ist und auch von Seiten der Investoren allfällige Anpassungen des Projekts vorgenommen worden sind, werden wir den Gestaltungsplan ausarbeiten», sagte Huber damals. Die Initianten mussten einsehen, dass ihr Projekt nicht mehrheitsfähig war und auch neue Investoren konnten keine gefunden werden. Die Idee des Leuchtturms auf dem Seeplatz erlosch.

Dort wo einst der Leuchtturm geplant war, hat Jahre später die Stadt Wädenswil das bestehende Wartehäuschen der Schiffstation, das dringend sanierungsbedürftig war, für 600 000 Franken renoviert und erweitert und sorgte so für eine Aufwertung des Seeplatzes. Das Restaurant, das von den Pächtern des Hotels Engel betrieben wird, wurde 2017 neu eröffnet und bietet Platz für 160 Personen. Manchmal sind es eben doch die einfachen Dinge, die einem Ort den gewissen Charme verleihen.

Erstellt: 23.08.2019, 15:55 Uhr

Unvollendete Bauprojekte

Nicht alles, was Architekten planen, wird auch umgesetzt. Die ZSZ gräbt für ihre Serie über unvollendete Bauwerke in Archiven und spricht mit Zeitzeugen über Projekte, die nie umgesetzt worden sind: Sei es, dass sie an einer Gemeindeversammlung, an der Urne oder gar schon früher gescheitert sind. Auch am Zürichsee sind viele Pläne Visionen geblieben.

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