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Wer gibt wird vielleicht glücklich

Am Samstag eröffnet die Historische Gesellschaft ihre erste grosse Ausstellung in der Kulturgarage. Die Ausstellung befasst sich mit dem Thema Geben.

Die ehemalige Notunterkunft Schärme ist Teil der Ausstellung der Historischen Gesellschaft Wädenswil. In dieser stellen die Kuratoren Christian Winkler und Mariska Beirne Projekte in Wädenswil vor, die durch freiwillige Beiträge entstanden sind.
Die ehemalige Notunterkunft Schärme ist Teil der Ausstellung der Historischen Gesellschaft Wädenswil. In dieser stellen die Kuratoren Christian Winkler und Mariska Beirne Projekte in Wädenswil vor, die durch freiwillige Beiträge entstanden sind.
Moritz Hager

«Guten Tag, möchten Sie etwas für einen guten Zweck spenden?», ertönt es freudig aus einem Kopfhörer. Mit Stimmen von Spendensammlern, die einem beim Bahnhof oder in der Fussgängerzone begegnen, werden die Besucher der Ausstellung «Macht Geben glücklich?» begrüsst.

Es ist die erste grosse Ausstellung der Historischen Gesellschaft Wädenswil in der Kulturgarage an der Florhofstrasse. Das Thema der Ausstellung wählte das Kuratorenteam Mariska Beirne und Christian Winkler anlässlich des Baus der reformierten Kirche vor 250 Jahren. Dieser wurde von Wädenswiler Familien finanziert. Damals wurden die Kirchenstühle versteigert und somit innert kürzester Zeit das für den Kirchenbau notwendige Kapital gesammelt. «Denn wer damals etwas auf sich hielt, zeigte seinen Status mit einem möglichst guten Platz in der Kirche», erklärt Mariska Beirne, Kuratorin und Präsidentin der Historischen Gesellschaft.

Auf der Suche nach Financiers

Einige der mit den Namen versehenen Rückenlehnen der Kirchenbänke sind in der Ausstellung zu sehen. Und auch ein paar wenige Blechtafeln für die Bänke der Frauen sind ausgestellt. Sie zeigen gleichzeitig den Stellenwert der Frau zur damaligen Zeit.

Doch damals veranlasste nicht nur das Prestige- und Zukunftsdenken der Männer die Menschen zum Spenden. Auch die Frauen riefen Projekte ins Leben, jedoch unter dem Aspekt der Fürsorge. Für eine Krankenanstalt suchte Initiantin Elisabeth Rellstab zusammen mit anderen Wädenswiler Frauen im Jahr 1877 Financiers. Auch die Kinderkrippe an der Etzelstrasse gründeten die gleichen Frauen ein paar Jahre später mithilfe von Spenden. Für den Bau der Krippe wurde ­allerdings ein Männerkomitee gewählt. Umgekehrt baten die Gründer des Pestalozzivereins die Frauen um Hilfe, als es darum ging, Kleider zu sammeln.

Wädenswil wird erhellt

Inspiriert von der Weltausstellung in Paris, holten die Brüder Treichler den Strom nach Wädenswil und finanzierten mithilfe von Spenden das Elektrizitätswerk Waldhalden an der Sihl. 1895 erstrahlte Wädenswil zum ersten Mal in elektrischem Licht.

Ein hingegen düsterer Ort wird im Zentrum der Ausstellung ­beschrieben. Umgeben von Stellwänden befindet sich dort ein ­altes gelbes Ledersofa. Hier erfahren die Besucher alles über den nach der Schliessung der Drogenszene am Zürcher Platzspitz gegründeten Schärme in Wädenswil. Diese Notschlafstelle für Randständige wurde im Haus gegenüber der Migros eingerichtet.

«All diese Projekte wären selbstverständlich nicht ohne die Freiwilligenarbeit möglich gewesen», gibt Beirne zu bedenken. Doch auf diese geht die Ausstellung nur indirekt ein. «Wir mussten irgendwo eine Grenze ziehen, denn das Thema Geben ist unerschöpflich.»

Ein alter Beutel für Baugeld

«Spannend war vor allem die Suche nach den Objekten», berichtet Christian Winkler von den Vorbereitungen der Ausstellung. So konnte Mariska Beirne vier ­alte Kinderbetten vom Dachboden der Kinderkrippe an der ­Etzelstrasse retten. Genau die vier Kinderbetten, die auf einem alten Foto abgebildet sind. Auch 100-jährige Glühbirnen und ein Strommesser aus dem Jahr 1902 aus dem Elektrizitätswerk Waldhalden sind in der Ausstellung zu bewundern.

Doch nicht nur Objekte, für die gespendet wurden, sind in der Kulturgarage ausgestellt: Auch der Geldbeutel, in dem Untervogt Hans Caspar Blattmann das Geld für den Kirchenbau sammelte, existiert noch. Die Aufschrift Baugeld ist noch deutlich lesbar. Gespendet wird in Wädenswil heute noch. In jüngster Zeit für die Weihnachtsbeleuchtung. Ob Geben glücklich macht, sollte schliesslich ein Experiment der Historischen Gesellschaft zeigen. Dazu versteckten die beiden Kuratoren 25 Scheine im Wert von 10 Franken mit einem kleinen Zettel an verschiedenen Orten in Wädenswil. Die Finder wurden aufgefordert, mit dem Geld jemandem eine Freude zu machen und die Reaktionen der Historischen Gesellschaft mitzuteilen. «Rückmeldungen erhielten wir von sechs Personen», sagt Beirne. Während ein Mann das Geld sofort in einen Blumenstrauss für seine Frau investierte, war einem anderen die Mühe zu gross, für «nur» 10 Franken jemandem eine Freude zu machen. Die Frage, ob Geben glücklich macht, wird sich wohl jeder nach dem Besuch der Ausstellung selbst beantworten müssen.

«Macht Geben glücklich?», vom14. Januar bis 23. April in derKulturgarage, Florhofstrasse 15, Wädenswil. Öffnungszeiten und weitere Informationen unter www.historische.ch.

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