Richterswil

Sie machen aus Olivenbäumen Kunst

Gübi Luck und Luzi Scherrer sind Bündner Bergbuben – und Künstler. Für ihr neuestes Projekt haben sie sich zusammengetan. Sie fertigen aus Olivenstämmen Skulpturen und zeigen diese in Richterswil.

Sie teilen die Denkweise, obwohl ihr Altersunterschied 30 Jahre beträgt: Die beiden Bildhauer Gübi Luck und Luzi Scherrer.

Sie teilen die Denkweise, obwohl ihr Altersunterschied 30 Jahre beträgt: Die beiden Bildhauer Gübi Luck und Luzi Scherrer. Bild: Hannah Scharnagl

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man findet sie in einer ehemaligen Sägerei am Ende einer Bergstrasse oberhalb von Landquart im Bündnerland. Weiter darf man ohne Bewilligung gar nicht fahren. Von oben sieht man aufs Tal und die Berge. Ein paar Holzscheite brennen in der Feuerstelle. Es riecht nach frischem Holz und Rauch.

Mit einer Pfeife im Mundwinkel und einem alten Lappen in der Hand ölt Luzi Scherrer eine Holzskulptur. Vollbart, Lachfalten, fester Händedruck. Er und Gübi Luck sind Bergbuben. Und sie sind Künstler. Für ihr jüngstes Projekt haben sie sich zusammengetan: Aus mehrere Hundert Jahre alten Olivenbaumstämmen fertigen sie faszinierende Skulpturen.

Luzi Scherrrer arbeitet in der Sägerei in Landquart an einem Olivenbaumstamm.

Vor etwas mehr als zehn Jahren entdeckte Luck einige abgestorbene Olivenbaumstämme im italienischen Montegrotto: «Die besonderen Formen dieser Stämme haben mich motiviert, etwas daraus zu machen.»

Eines führte zum nächsten, und Luck kaufte dem Italiener die Stämme ab. Zweimal fuhr er mit einem 40-Tönner von der Region bei Rom in die Schweiz, um die Stämme zu holen. Und seitdem arbeitet er daran. «Ich bin immer auf der Suche nach der Harmonie in der Form», sagt der Bildhauer. Seine freundlichen Augen leuchten. «Es muss richtig sein.»

Jeder Stamm enthält Geschichte

Scherrer holt seine Motorsäge hervor. Einmal, zweimal an der Schnur ziehen, und das laute Geräusch des Motors dröhnt durch den Wald. Mit konzentriert zusammengezogenen Augenbrauen setzt er die Säge an einem Werk an und macht den ersten Schnitt. «Bei dieser Skulptur dachten wir eigentlich, wir wären fertig», sagt Luck über den Motorenlärm hinweg. Aber man müsse sie immer wieder anschauen, sägen, schleifen, schauen, ob es richtig ist und – wieder von vorne anfangen. «Der Luzi zeichnet mit der Motorsäge», sagt Luck und beobachtet konzentriert, wie die grosse Motorsäge sanfte Schwünge in das Holz macht. «Schau mal, Luzi, da. Hmm nein, das ist noch nicht richtig. Nein, da müssen wir noch mal.»

Dann macht sich Luck an die Arbeit. Er schleift die Formen, Holzspäne fliegen weg und bleiben in seinem weissen Bart hängen. Nach kurzer Zeit ist alles von einer Holzstaubschicht bedeckt.

«So etwas, wie wir gemacht haben, macht sonst niemand. Das kann man schon sagen.»Luzi Scherrer

Die Skulpturen vereinen auf erstaunlich harmonische Art und Weise die Handschrift zweier verschiedener Künstler in sich, ohne die ursprüngliche Form des Baumes zu verleugnen. Sie folgen der verschlungenen Form des Stammes, sie schneiden wo nötig, sie lassen ihn in seiner Naturgestalt wo möglich. Daraus entstehen einzigartige Kunstwerke. Die ältesten Stämme sind 800 Jahre alt. Jeder Stamm enthalte die Energie einer Geschichte, die sich seit Hunderten von Jahren in ihm entwickelt habe, sagt Scherrer. «Das kann man nicht mit einem 3-D-Drucker reproduzieren. Das ist einzigartig.»

Luzi Scherrer tritt ein Erbe an

Die Zusammenarbeit zwischen dem 76-jährigen Gübi Luck dem 43-jährigen Luzi Scherrer ist besonders. Sie merkten den Altersunterschied von fast 30 Jahren schon – vor allem in der Arbeitskraft –, aber «wir haben die gleiche Denkweise». Die Suche nach der Harmonie in der Form treibe sie beide an. Mit der Arbeit an den Olivenstämmen tritt Luzi Scherrer ein besonderes Erbe an. Es sind noch einige Stämme unbearbeitet, und es werde noch viel Zeit brauchen, um sie zu vollenden. «Gübi hat mir die Stämme als sein Erbe überlassen, wenn er irgendwann nicht mehr kann», sagt Scherrer.

Vollbart, Lachfalten, fester Händedruck: Gübi Luck. Hier liegt der Geschmack nach frischem Holz und Rauch in der Luft.

Über sechs Monate haben die beiden Bildhauer an ihren Werken gearbeitet. «In der Schweiz hat noch nie jemand so grosse Olivenstämme bearbeitet und ausgestellt», sagt Scherrer. «Es steckt viel Arbeit drin. Und immer auch ein bisschen Idealismus.» Im November stellen sie ihre Werke in den Räumlichkeiten des Mülenen-Areals in Richterswil aus. Die Vernissage ist am 9. November, danach wird die Verkaufsausstellung für eine Woche laufen. «So etwas, wie wir gemacht haben, macht sonst niemand. Das kann man schon sagen.»

Vernissage: Samstag, 9. November, 16 Uhr, Einlass ab 15 Uhr. Danach bis zum 16. November von 14 bis 19 Uhr. Mülenen-Areal, Seestrasse 72, Richterswil.

Erstellt: 05.11.2019, 09:30 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!