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Wenn Kinder nach dem Tod fragen

Kinderfragen zum Tod sollen Erwachsene ernst nehmen und beantworten, aber nicht dramatisieren. Das ist das Fazit der ehemaligen Religionspädagogin Dorothea Meili-Lehner.

Die Religionspädagogin Dorothea Meili-Lehner empfiehlt, nüchtern auf Fragen von Kindern nach dem Tod zu antworten.
Die Religionspädagogin Dorothea Meili-Lehner empfiehlt, nüchtern auf Fragen von Kindern nach dem Tod zu antworten.
Sabine Rock

Ein Kindergartenkind kommt mit einer toten Maus mit aufgeschlitztem Bauch, der bereits voller Maden ist, nach Hause und zeigt seinen Fund. Wie reagieren wohl die meisten Eltern? Und was schliessen die Kinder aus deren Verhalten? Diese Fragen stellte Dorothea Meili-Lehner, 77, Religionspädagogin und ehemalige Leiterin des ehemaligen Primarlehrerinnenseminars Zürich, zu Beginn ihres Vortrags «Isch s´Grosi jetzt im Himmel? – Kinder begegnen dem Tod» in Horgen.

Die meisten Eltern würden wohl aufmucken, aus hygienischen Gründen zum sofortigen Händewaschen mahnen und darauf bestehen, dass die tote Maus umgehend entsorgt würde, sagte die Referentin. Das nüchterne Interesse des Kindes an dem toten Tier käme wohl kaum Sprache. Kinder würden daraus schliessen: «Eltern reagieren überreizt und komisch, wenn es um den Tod geht».

Sachwissen einbringen

Zwar nicht bei Kindern, aber bei den allermeisten Erwachsenen sei der Tod ein Tabu, fährt Dorothea Meili-Lehner fort. Das spiegle sich in deren Verhalten - nicht nur bei toten Tieren, sondern vor allem bei Verstorbenen in der Familie.

Um eigene Unsicherheiten zu tarnen, würden sich Mütter und Väter gegenüber ihren Kindern möglichst vor heiklen Fragen abschirmen. Dabei würden die Sprösslinge entsprechend ihrem Alter aber weiterfragen: Wo sind die Toten? Stirbst du nun auch bald? Wer bekommt meinen Teddybär, wenn ich sterbe? Wie wird der Tod eigentlich festgestellt? Wird Grosis künstliches Hüftgelenk nach ihrem Tod auch verbrannt?

Auf die Sprache achten

Die Referentin plädiert für ein sachliches und altersadäquates Gespräch, in dem eine Vertrauensperson dem Kind die Fragen unaufgeregt und ehrlich beantwortet. Das baue Angst ab. Auch eigenes Unwissen sei keine Schande. Auf die Frage: «Isch s´Grosi jetzt im Himmel?» könne etwa gesagt werden: «Ich weiss es auch nicht, aber ich glaube fest daran, dass es dem Grosi nun gut geht, sie war doch eine tolle Person». Auch religiöse Überzeugungen dürften einfliessen, wobei diese nicht als Fakten, sondern als Hoffnungen formuliert werden sollten.

In Sachen Sterben und Tod ist auch sprachlich Fingerspitzengefühl angebracht. Gewisse Formulierungen sind tückisch, weil sie für Kinder missverständlich sind. Ein Kind verstehe etwa die Wendung «Er ist für immer entschlafen» nicht und wolle dann eventuell aus Angst, es schlafe für immer nicht mehr ins Bett gehen.

Auch andere Metaphern seien vielleicht für Erwachsene, nicht aber für Kinder angebracht. Dazu gehören: «Das Gras von unten ansehen», «für immer Abschied nehmen», «heimgehen», «aus dem Leben reissen», «am Leichenmahl dabei sein», «von Gott erlöst werden» etc. Die Referentin empfiehlt, mit Kindern sachlich nur vom «Sterben» zu reden.

An Beerdigung teilnehmen

Rege diskutiert wurde am Vortragsabend, ob Kinder an der Beerdigung eines nahen Angehörigen dabei sein sollten. Dabei gingen die Meinungen auseinander: Während die einen argumentierten, dass Kinder und Jugendliche aus Respekt gegenüber den trauernden Hinterbliebenen einfach teilnehmen müssten, betonten andere deren Selbstbestimmungsrecht: Wenn Kinder die tote Person nicht auf dem letzten Weg begleiten wollten, sollte ihnen dieses Recht zugestanden werden.

Dorothea Meili-Lehner findet es einen Mehrwert, wenn Kinder, die es sich zutrauen, den Verstorbenen nochmals anschauen können. Sie ist überzeugt, dass sie dadurch keinen Schaden nehmen. Vielleicht möchten sie der Grossmutter oder dem Grossvater noch ein letztes Mal Adieu sagen. Als hilfreich für die Verarbeitung seien zudem Grabgaben, etwa eine Zeichnung, ein Plüschtier oder ein Abschiedsbrief.

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