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Wenn Feuer auf Eis trifft

Die nächste Kunstausstellung im Bärenkeller lässt Feuer und Eis aufeinander treffen. Der Richterswiler Ulf Kottenrodt stellt Eis-Bilder aus, die Wädenswilerin Denise Rota Tonfiguren.

Das Haus zum Bären wird vorübergehend zur Bleibe von Denise Rotas Tonfiguren und Ulf Kottenrodts Eis-Bilder.
Das Haus zum Bären wird vorübergehend zur Bleibe von Denise Rotas Tonfiguren und Ulf Kottenrodts Eis-Bilder.
Manuela Matt

Ulf Kottenrodt scheut keinen Aufwand, um ein gutes Bild zu erhalten. Er ist schon auch mal mit Pickel und Steigeisen unterwegs, um schöne Eisformationen zu fotografieren, sei es am Zürichsee, am Sihlsee oder der Sihl entlang. Am Hüttnersee ist er auch schon auf abgeschnittene Schilfbündel gestiegen, um die gefrorene Wasseroberfläche aus etwas höherer Warte vor die Linse zu bekommen. Und ist prompt abgesackt – die Kamera fiel ganz ins Wasser, er selbst stand bis zu den Knien drin. «Ich musste die Kamera reinigen lassen», sagt der 72-jährige Grafiker mit einem Schmunzeln, «sie war aber zu retten.»

Der gebürtige Süddeutsche, der in Richterswil lebt, war lange Jahre als Grafiker für Lindt & Sprüngli tätig, in seiner Freizeit leitete er gerne und oft Berg- und Skitouren, darunter auch Hochtouren. Seit seiner Pensionierung 2010 hat er sich der Fotografie verschrieben, was es ihm erlaubt, das Entdecken der Natur mit seinen künstlerischen Ambitionen zu verbinden.

Die Welt des Eises entdeckt

Seit beinahe zehn Jahren widmet sich Ulf Kottenrodt dabei dem Thema Eis. Streift in der kalten Jahreszeit Bächen und Seen entlang, um gefrorene Wasserflächen, Eiskristalle, von Eis überzogene Pflanzen und Ähnliches zu fotografieren. Eine ganz neue, und doch unerwartet Welt habe sich ihm da erschlossen, sagt der passionierte Fotograf. «Es ist erstaunlich, was die Natur alles schafft. Viele Strukturen im Eis oder im Felsen haben einen Bezug zu moderner Kunst», sagt Kottenrodt. Einmal habe er beispielsweise im Eis eingefrorene Schilfstengel entdeckt. «Das erinnerte mich an ein Bild meines Lehrers Walter Bodmer von der Kunstgewerbeschule.» Tatsächlich ähneln viele seine Bilder abstrakter Malerei.

Rund 3500 Eis-Bilder hat er so zusammengetragen. Ulf Kottenrodt spricht lieber von Bildern als von Fotografien. Denn die Überlegungen zum Bildaufbau würden eher jenem eines Gemäldes als jenem einer Fotografie entsprechen. Nicht zuletzt deshalb hat er sich entschlossen, ein erstes Mal mit seinen Bildern an die Öffentlichkeit zu treten, eine kleinere Auswahl auszudrucken und eine etwas grössere in einem Buch zu veröffentlichen.

Ein Stück Holz als Rock

Den Anstoss dazu gegeben hat die Wädenswiler Töpferin Denise Rota, mit der Ulf Kottenrodt befreundet ist. Sie hat ihn angefragt, ob er mit ihr ausstellen würde. Für sie ist es bereits die vierte Ausstellung. Seit zehn Jahren hat sie ihre eigene Töpferwerkstatt bei sich zu Hause und hat sich fast ausschliesslich dem Formen von menschlichen Figuren verschrieben.

Manche ihrer Tonfiguren schicken sich an, ins Wasser zu springen, andere träumen, wieder andere tanzen, auch Engel sind darunter, manche sind mit Holz kombiniert. Auffallend ist, dass die wenigsten ein Gesicht haben. «Ich möchte, dass meine Figuren ausdrucksvoll sind», sagt die Töpferin, «die Betrachter sollen aber allein an der Haltung erkennen, wie es der Figur geht.»

Genau wie Ulf Kottenrodt streift Denise Rota mit offenen Augen durch die Gegend. Findet sie ein schönes Stück Schwemmholz oder Rinde, landet es bei ihr in der Werkstatt – und inspiriert sie häufig zu einer Figur. «Manchmal sehe ich einem Stück Holz an: das ist ein Rock, das sind Engelsflügel.» Dann schafft sie eine entsprechende Figur dazu. Die verschiedenen Arbeitsschritte – vom Formen des Tons, dem Glasieren oder dem Bemalen bis zum teilweise mehrmaligen Brennen und Montieren auf einem Sockel – nimmt sie alle bei sich in der Werkstatt vor. Mehrere Brennöfen stehen ums Haus.

50 Bilder, 70 Tonfiguren

Klar ist für die Töpferin, dass Ulf Kottenrodt seine Bilder im Bärenkeller zuerst wird hängen müssen. Je nach Farben passend will sie dann ihre Figuren gruppieren. Rund 50 Eis-Bilder und 70 Tonfiguren werden ausgestellt sein. Noch stecken die beiden Künstler aber mitten in den Vorbereitungen. Letzte Figuren und Bilder müssen für den Transport verpackt, Preislisten erstellt und passende Möbel für die Tonfiguren herbeigeschafft werden.

Tonfiguren und Eis-Bilder: 27. bis 29. Oktober und 3. bis 5. November, Bärenkeller im Haus zum Bären, Dorfbachstrasse 12, Richterswil. Vernissage: Freitag, 27. Oktober, 18.30 bis 21 Uhr. Öffnungszeiten: Freitag, 3. November, 17 bis 20 Uhr Samstag und Sonntag, 28./29. Oktober und 4./5. November 14 bis 17 Uhr.

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