Wettkampf

Wenn Elite-Polizisten für Ruhm und Ehre leiden

Die Mitglieder der Sondereinheit der Zürcher Kantonspolizei bestritten am Dienstag einen zwölfstündigen Wettkampf. Auf und entlang der Albiskette absolvierten sie elf Posten. Gefragt waren Ausdauer, Muskelkraft, Geschick und viel Köpfchen.

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Das Gefährt, das am Dienstagmorgen auf der noch feuchten Wiese neben dem Stalliker Bauernhof im Chli Riet steht, ist so gar nicht «chli»: 3,60 Meter breit, 3,30 Meter hoch und 5 Tonnen schwer. Es ist der einzige US-Monstertruck nach originaler Bauart, den es in der Schweiz gibt.

Auf dem Dach blinkt ein Blaulicht, der Motor brummt laut. Hinter dem Steuer sitzt nicht etwa ein verrückter Autofan, sondern ein Elite-Polizist, der nun versucht, das Riesenauto möglichst schnell durch einen Parcours zu zirkeln. Keine einfache Aufgabe, denn die Vorderräder muss er mit dem Steuerrad lenken, die Hinterräder aber gleichzeitig mit einem Joystick steuern. Kaum hat der Polizist seine Runde gedreht, übernimmt ein Kollege. Nach dem fünften Fahrer wird die Zeit gestoppt.

Elf Posten, 27 Kilometer

Der Monstertruck-Parcours ist der spassigste von elf Posten, die die Polizisten an diesem Tag absolvieren müssen. Sie sind Mitglieder der Einsatzgruppe Diamant (EGD), der Spezialeinheit der Kantonspolizei Zürich. Aufgeteilt in total zehn Sechser- und Siebner-Gruppen sind die Männer seit Viertel vor sechs Uhr in der Früh unterwegs, fahren mit Fahrrädern von Posten zu Posten. Am Abend werden sie 27 Kilometer zurückgelegt haben.

Das Ganze ist ein Wettkampf, den die Kapo normalerweise alle zwei Jahre durchführt. Letztmals fand er vor vier Jahren statt. «Wichtigstes Ziel des Wettkampfes ist das Teambuilding», sagt Ruedi Hiestand, Chef der Abteilung Instruktion der Kantonspolizei. Die Grenadiere, die im Ernsteinsatz unter hohem psychischem und physischem Druck zusammen funktionieren müssen, sollen sich an diesem Tag besser kennenlernen. Für 25 von ihnen ist es sogar der erste Tag als vollwertige Mitglieder der EGD überhaupt. «Sie haben erst diesen Sommer den vierwöchigen Lehrgang absolviert», sagt Hiestand.

Rechnen und balancieren

Während am Posten in Stallikon Geschicklichkeit und Spass im Vordergrund stehen, sind andernorts Muskelkraft und Ausdauer gefragt. Im Türlersee zum Beispiel ist Schwimmen und Tauchen angesagt. Und von dort geht es hoch auf den Albis: Am Moosbach, in einem unscheinbaren Waldabschnitt, wartet eine nächste Herausforderung.

Kurz vor 10 Uhr kommen dort die nächsten Teilnehmer an. Es ist die Gastgruppe der Stadtpolizei Zürich. Die sechs Polizisten der Interventionseinheit Skorpion müssen hier unter Zeitdruck zum Beispiel Knobel- und Rechenaufgaben lösen. Dazwischen balancieren sie in rund zehn Metern Höhe, stets angeseilt, auf einem Baumstamm über das Tobel. Kaum sind sie auf der anderen Seite angelangt, müssen alle wieder zurück an den Start. Eine Rechenaufgabe wurde falsch gelöst.

Nur schnell zu sein, führt an diesem Tag bei kaum einer Aufgabe zum Erfolg. Ausser an einem Posten in Adliswil: Dort lassen die Polizisten ihre Fahrräder von der Felseneggbahn auf die Albiskette hochtransportieren. Sie selber aber müssen die rund 300 Höhenmeter so schnell wie möglich zu Fuss zurücklegen. Dabei schleppt ein jeder ein Hantelgewicht von 10 bis 16 Kilogramm den Berg hoch. So kommt am Mittag beispielsweise die Gastgruppe des Spezialeinsatzkommandos Baden-Württemberg nach etwas mehr als 20 Minuten auf der Felsenegg an.

Alles nur für Ruhm und Ehre

Schweisstreibend geht es auch auf dem Bauernhof im Rüeschliker Längimoos unterhalb des Chopfholz zu und her. Zuerst messen sich die Teilnehmer im Steinstossen, dann schleppen sie eine mit Wasser gefüllte Milchkanne übers Feld und schieben in einer Schubkarre eine rund 80 Kilogramm schwere Puppe ans Ziel. Ein Kraftakt, den die stärksten Männer ins Schwitzen bringt. Die Affenhitze trägt das Ihre dazu bei. Im Ziel keuchen die Polizisten, ihre Köpfe sind rot, an ihren trainierten Oberkörpern kleben die mit Schweiss durchtränkten T-Shirts.

Was ist eigentlich der Lohn für dieses zwölfstündige Kräftemessen? «Ruhm und Ehre», antwortet Ruedi Hiestand lachend. Das sei alles, was das Siegerteam, neben einem Wanderpokal, erhält. Mehr scheinen die Grenadiere auch gar nicht zu brauchen. Denn motiviert sind die Männer bis zum Schluss. Nur als die Wettkampfleiter für das anschliessende, gesellige Abendprogramm eine Singeinlage der Elite-Polizisten filmen möchten, ist ein leises Murren zu hören. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.08.2017, 18:43 Uhr

Das Monstertruck-Fahren war klar der spassigste Teil des Wettkampfes. (Video: Markus Hausmann)

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