Wädenswil

Weihnachtsfest in der Sommerhitze

An die Weihnachtsfeier in ihrer Heimat Peru hegt Julia Amrein aus der Au schönste Erinnerungen. Sie feierte mit ihren Eltern und acht Geschwistern jeweils ein besinnliches, frohes Fest.

Julia Amrein dekoriert in der Schweiz einen Weihnachtsbaum. In ihrer Heimat Peru ist die Krippe bedeutender als ein geschmückter Baum.

Julia Amrein dekoriert in der Schweiz einen Weihnachtsbaum. In ihrer Heimat Peru ist die Krippe bedeutender als ein geschmückter Baum. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 24. Dezember herrscht auf der Südhalbkugel Hochsommer. Die Peruaner feiern trotzdem weisse Weihnachten. «Wir haben die Fenster und das Haus mit künstlichem Schnee und Schneeflocken dekoriert», sagt Julia Amrein. Heute wohnt die Spanischlehrerin in der Au, aufgewachsen ist sie in einer Stadt an der Küste Perus, gut eine Flugstunde von der Hauptstadt Lima entfernt.

Die Vorbereitungen für das Fest begannen bei ihrer Familie schon lange vor Weihnachten. Es war eine Familientradition, dass der Vater etwa vier Wochen vor Weihnachten bei einem Bauern einen lebenden Truthahn kaufte. «Mein Vater wollte, dass er seine letzten Wochen glücklich ist und mit gutem Futter gefüttert wird», sagt sie. Er lebte im Garten, wo die Kinder ihn beobachten konnten.

Nebst dem Truthahn besorgte der Familienvater eine weitere Delikatesse, die ihren Ursprung zwar in Italien hat, aber auch in Peru zur Weihnachtszeit beliebt ist. Bei einer Bäckerei besorgte er mehrere Panettoni und teilte sie mit seinen drei jüngeren Geschwistern.

Grosse Krippen, kleiner Baum

Gefeiert wird in Peru nur am 24. Dezember. Wichtig ist den Familien ihre Krippe, die möglichst gross sein soll. Bei Julia Amrein zu Hause war sie um einiges höher als der kleine, künstliche Weihnachtsbaum. Echte Tannen waren unerschwinglich und nicht üblich.

In den Tagen vor dem Weihnachtsfest ziehen Gruppen von Kindern von Haus zu Haus und singen den Bewohnern und dem Jesuskind in der Krippe Weihnachtslieder vor. Die Weihnachtslieder, die villancicos, sind populär und meistens fröhlich und melodiös. «Die Hausherrin hat uns Kinder zum Dank für das Vorsingen Süssigkeiten überreicht», erinnert sich Julia Amrein. Es gab typische peruanische Desserts wie die mazamorra, eine süsse Creme mit schwarzem Mais und Früchten gekocht, oder Milchreis.

Am 24. Dezember war die Anspannung bei den neun Kindern gross. Die Eltern schickten die Kinderschar um 18 Uhr zum Schlafen – damit sie selber die Geschenke und das Essen vorbereiten konnten. «Wir schliefen vor Aufregung natürlich lange nicht ein», erinnert sie sich. Um etwa 23 Uhr holten die Erwachsenen die Kinder aus dem Bett.

An das Fest erinnert sie sich mit Freude und Wehmut. «Die Stimmung war froh und besinnlich», sagt sie. Die Familie ass den gefüllten Truthahn, Empanadas, Apfelmus, Käse und Oliven. Es wurde gesungen und gebetet und die Familie besuchte die Mitternachtsmesse, di misa de gallo.

Ernüchterung in der Schweiz

An ihre ersten Weihnachten in der Schweiz vor 31 Jahren hat Julia Amrein gemischte Gefühle. Sie feierte mit ihrem Ehemann und ihrer neugeborenen Tochter bei den Schwiegereltern Heilig Abend. «Die Mahlzeit war sehr festlich und köstlich.» Nach dem Essen wurden die Geschenke überreicht und danach der Fernseher eingeschaltet. Da kamen ihr Erinnerungen an die ergreifenden Feiern in der Heimat hoch. Als ihr Ehemann realisierte, dass ihr die Tränen über die Wangen liefen, verabschiedeten sie sich und fuhren zu den Geschwistern von Julia Amrein, die auch in der Schweiz lebten. «Als wir uns dem Haus näherten, hörten wir Lachen und Singen.»

Von ihren acht Geschwistern leben heute vier in der Schweiz. Auch dieses Jahr wird zusammen gefeiert. Einen Truthahn gibt es noch immer. Weil ihn aber nicht alle mögen, kommt auch anderes Fleisch auf den Tisch. «Die frohe Atmosphäre unseres Weihnachtsfests ist ansteckend», sagt sie. Jedes Jahr kämen mehr Personen hinzu. Lädt sie zu sich in die Au ein, benötigt sie mehrere zusätzliche Tische im Wohnzimmer. Und trotzdem sitzen sie eng. «Wichtig ist aber, dass wir alle zusammen sind.»

Erstellt: 16.12.2016, 15:36 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!