Instagram

Was früher die Postkarte war, ist heute Instagram

Auf Instagram geht es schon lange um mehr als um Fotos vom eigenen Znacht. Die Internetplattform dient als moderner Marketingkanal. Besonders Ziegenbabys versprechen Erfolg.

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Eine Frau im Kopfstand auf der Schlossmauer, der Holzsteg in der Abenddämmerung, drei Alpakas des Kinderzoos auf Wanderschaft in der Altstadt und ein rosaroter Cappuccino auf dem Brunnenrand. All diese Bilder haben etwas gemeinsam: Sie erscheinen unter dem Stichwort «Rapperswil» auf Instagram. 78'000 Aufnahmen sind so auf der sozialen Internetplattform auffindbar.

Es scheint, als hätte das Insta­gram-Foto die klassische Postkarte abgelöst.

Instagram als Touristenfänger

Diese Entwicklung ist auch an den Tourismusorganisationen nicht unbemerkt vorbeigegangen. Seit März 2015 ist Rapperswil Zürichsee Tourismus mit einem eigenen Profil auf Instagram vertreten.

«Wenn jemand über einen Ort Informationen einholen will, dann reicht der Reiseführer oder die klassische Homepage längst nicht mehr aus. Viele informieren sich heutzutage via Hashtags oder Kartenmarkierungen darüber, wie es an einem Ort aussieht und ob sich ein Besuch lohnt», sagt Roswitha Ziegler, Mitarbeiterin bei Rapperswil Zürichsee Tourismus. Deswegen sei es wichtig, dass man gerade auch als Tourismusorganisation seine Region auf diesen Kanälen ins richtige Licht respektive den richtigen Filter rücke. Bisher hat Rapperswil Zürichsee Tourismus rund 100 Beiträge mit ihren 700 Anhängern, sogenannte Follower, geteilt.

Gerade im Vergleich mit Zürich, wo Zürich Tourismus 67'000 Anhänger hat, fallen die Rapperswiler Zahlen eher tief aus. Das liegt laut Ziegler vor allem daran, dass sie erst im Ausbau ihrerSocial-Media-Kanäle sind.

Auf ein Thema konzentrieren

Ein weiteres Instagram-Profil, das sich auf die Rosenstadt konzentriert, ist @visitrapperswil. Gegründet wurde es vor vier Jahren aus privater Initiative vom Rapperswiler Sam Steiner. Heute beschäftigen sich vier Personen abwechselnd damit, besonders gelungene Bilder von anderen Instagram-Nutzern, welche den Hashtag #visitrapperswil benutzen, auf ihrem eigenen Profil wiederzugeben respektive zu «reposten», wie es im offiziellen Insta­gram-Slang heisst.

«Wir wollen Rapperswil auf die ‹Social-Media-Karte› setzen und so Besucher in unser Städtchen locken», sagt Boris Baldinger, welcher von Anfang an Teil des @visitrapperswil-Teams war. Damit sind sie sogar einiges erfolgreicher als die offizielle Tourismusorganisation der Rosenstadt. Unter #visitrapperswil erscheinen gegenwärtig 6800 Bilder, 2500 Personen folgen dem gleichnamigen Profil. Auch Boris Baldinger selber ist in den sozialen Medien kein unbeschriebenes Blatt. Auf Instagram hat er 34 000 Fans, die darauf warten, dass Baldiner das nächste Alpenpanoramabild veröffentlicht. Worin gründet sein Erfolg? «Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Profile, welche sich auf ein bestimmtes Thema beschränken, beliebter sind als solche, die Bilder zu verschiedenen Themen veröffentlichen. Ein erfolgreicher Account muss ausserdem auch regelmässig bewirtschaftet werden, damit er den Nutzern in Erinnerung bleibt», sagt Baldinger.

Und er weiss, wovon er spricht. Die Landschaftsbilder sind für ihn primär eine Freizeitbeschäftigung. Neben seinem Beruf als Fotograf verdient er sein Geld vor allem damit, Unternehmen darüber zu informieren, wie sie sich und ihre Produkte erfolgreich auf Instagram vermarkten können. Denn: «Instagram darf im modernen Marketingmix nicht mehr fehlen», das steht für Baldinger fest.

Bilder mit Emotionen

Jemand, der mit der sozialen Internetplattform auch Erfolge feiert, ist der Joner Bächlihof. 5500 Anhänger hat sein Profil «jucker_farm». Tendenz steigend. Nadine Gloor, Marketingleiterin der Jucker-Farm, des Dachverbands des Bächlihofs, des Spargelhofs in Rafz und des Juckerhofs aus Seegräben, freut das.

Auf ihr Erfolgsrezept angesprochen, gibt Gloor eine relativ einfache Antwort. «Auf Instagram geht es vor allem um Emotionen. Und davon haben wir auf unseren Bauernhöfen genug.» Sei es das farbige Resultat der Kürbisernte, ein rosaroter Sonnenuntergang über dem Spargelfeld oder die flauschige Hasenfamilie: Jeden Tag gewährt die Jucker-Farm ihrer Anhängerschaft einen Einblick in das Landleben.

Mit Ziegenbabys zum Glück

Ein Grossteil ihrer Fans kommt laut Gloor aus urbanen Gebieten, viele darunter seien Mütter. «Durch die Fotos erfahren sie, woher das Erdbeeri, das sie später ihren Kindern auftischen, genau kommt und wer es geerntet hat.» Ob sich der Erfolg auf Instagram auch schon im Alltag erfahren lasse, das lässt sich laut Nadine Gloor schwer messen. «Wir wissen nicht, ob es an unserem So­cial-Media-Auftritt liegt, aber wir können einen leichten Anstieg in den Besucherzahlen messen.»

Irgendetwas könne man den Followern aber auch nicht auftischen, sagt Gloor. Das Werbefoto des neuen Müeslis erhalte beispielsweise bloss einen Bruchteil der Likes wie die Aufnahme der zwei frisch geborenen Geissenzwillinge.

Erstellt: 06.09.2018, 09:06 Uhr

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