Richterswil

Warum hat Richterswil nicht aktiv über die Taten des Ex-Polizeichefs informiert?

Die Exekutive hat von sich aus die Bevölkerung bis heute nicht über den ehemaligen Polizeichef informiert, obwohl dieser die Gemeinde um fast 150'000 Franken betrogen hat.

Der ehemalige Richterswiler Polizeichef hat anscheinend Geld aus der Parkplatzbewirtschaftung abgezweigt.

Der ehemalige Richterswiler Polizeichef hat anscheinend Geld aus der Parkplatzbewirtschaftung abgezweigt. Bild: Moritz Hager

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Die Überraschung ist gross. Im April muss sich der langjährige Richterswiler Polizeichef dafür verantworten, dass er fast 150'000 Franken veruntreut haben soll. Das Geld zweigte der Beamte anscheinend aus der Parkplatzbewirtschaftung der Gemeinde ab. Als die ZSZ vor einer Woche über den Fall berichtete, hörten die Richterswilerinnen und Richterswiler erstmals von dem Vorfall – obwohl der Polizeichef am 20. März 2018 an seinem Arbeitsort, dem Polizeiposten, verhaftet wurde, hat die Richterswiler Exekutive bis heute über den Vorfall geschwiegen. Die Gemeinde stellte ihn damals per sofort frei. Das Arbeitsverhältnis endete ordentlich Ende März, weil der Polizeichef zuvor bereits von sich aus gekündigt hatte.

Der heutige Gemeindepräsident Marcel Tanner (FDP) war damals Finanzvorstand von Richterswil und in dieser Funktion nahe am Geschehen, als die Gemeinde die Unregelmässigkeiten in den Geldflüssen entdeckte. Gemeindeschreiber Roger Nauer reichte am 23. Februar 2018 eine Strafanzeige gegen unbekannt bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ein. «Zu diesem Zeitpunkt war erst klar, dass ein nicht plausibel erklärbarer Betrag bei den Parkuhrengeldern fehlt», sagt Nauer. «Alle Beamten der Gemeindepolizei hatten grundsätzlich Zugang zu den Schlüsseln für die Parkuhren und hätten das Geld ausserhalb der dokumentierten Leerungen abzweigen können.»

Am 14. März 2018 erteilte das Obergericht des Kantons Zürich der Staatsanwaltschaft Limmattal Albis dann die Ermächtigung, eine Strafuntersuchung gegen den Ex-Polizeichef einzuleiten, was in der Folge am 20. März 2018 zur Verhaftung führte.

Unschuldsvermutung galt

Hätte die Gemeinde diese dramatischen Entwicklungen nicht in irgendeiner Form der Bevölkerung mitteilen müssen? Zumal das veruntreute Geld dem Volk gehört? «Nein», sagt Gemeindepräsident Marcel Tanner auf Anfrage. «Während einer laufenden Strafuntersuchung gilt auch für einen Angeschuldigten stets die Unschuldsvermutung, und es ist Dritten gar nicht erlaubt, über den Inhalt einer laufenden Strafuntersuchung zu berichten. Erst ein rechtskräftiges Urteil ändert die Ausgangslage.»

Für Tanner stand damals nicht im Vordergrund, dass die Öffentlichkeit über den Vorfall informiert wird, sondern dass der finanzielle Schaden auf ein Minimum begrenzt werden konnte. «Die Staatsanwaltschaft hat im Rahmen ihrer Ermittlungen ein Konto mit 100’000 Franken entdeckt und dieses blockiert. Ob und wann das Geld an die Gemeinde zurückfliesst, liegt im Ermessen des Bezirksgerichts», sagt Tanner.

Dennoch: Der Polizeichef eines Dorfs ist eine öffentliche Person, die ihr Amt und das Vertrauen der Bevölkerung in hohem Masse missbraucht hat. War Schweigen im Nachhinein gesehen nicht doch der falsche Weg? «Wir durften die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht gefährden mit einer allfälligen Kommunikation», sagt Tanner. «Es ging uns zudem darum, unsere anderen Mitarbeiter der Gemeindepolizei vor einem Generalverdacht zu schützen», ergänzt Gemeindeschreiber Nauer. Dem Gemeinderat sei bewusst gewesen, dass die Tat so oder so ans Licht kommen würde. Marcel Tanner: «Spätestens mit der Veröffentlichung des Gerichtstermins war uns klar, dass die Medien auf das Thema aufmerksam werden.»

Der Prozess gegen den ehemaligen Polizeichef wird im April in Horgen im abgekürzten Verfahren stattfinden. Dem Mann, der 16 Jahre lang der höchste Gesetzeshüter von Richterswil war, drohen 24 Monate bedingt.

Erstellt: 28.02.2019, 17:49 Uhr

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