Langnau

Warum die SZU bei der Doppelspur nicht einlenkt

Vor Anwohnern des Gartendörfli erläuterten Vertreter der SZU, warum der Doppelspurausbau aus fahrplantechnischer Sicht genau dort erfolgen soll. Betroffene äusserten Zweifel.

Für den Bau eines zweiten Gleises müssen die Anwohner einen rund 2,4 Meter breiten Landstreifen abtreten.

Für den Bau eines zweiten Gleises müssen die Anwohner einen rund 2,4 Meter breiten Landstreifen abtreten. Bild: David Baer

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Neues Rollmaterial, eine Umstellung der Uetlibergbahn S10 von Gleich- auf Wechselstrom, diverse Doppelspurausbauten für die S4 und die S10 und spätere Taktplanverdichtungen: Mit diesen und weiteren Massnahmen in dreistelliger Millionenhöhe will die SZU bis 2028 in zwei Ausbauschritten das geradezu explodierende Passagieraufkommen bewältigen und den Bahnbetrieb stabilisieren. Und damit auch möglichst bald ihren zweifelhaften Ruf als «schweizweit zweitunpünktlichste Bahn» loswerden.

Über das bislang umstrittenste Teilprojekt, den Doppelspurausbau im Bereich Gartendörfli in Langnau, hatte die SZU die Anwohner letztmals Ende November 2018 orientiert. Und dabei ein überarbeitetes Projekt präsentiert. Demnach sollen die Anwohner noch einen Landstreifen von 2,4 statt 4,1 Meter Breite hergeben.

Auf Gesamtnetz ausgerichtet

Am Mittwochabend nun haben von der SZU Marco Lüthi (Infrastruktur) und Marcel Geser (Markt) sowie Verwaltungsratspräsident Harald Huber zusammen mit Vertretern des ZVV und der Firma SMA+Partner AG nachgeholt, was die SZU damaligen Kritikern in Aussicht gestellt hatte. Sie erläuterten in der Rudolf-Steiner-Schule in der Sihlau, weshalb der Doppelspurausbau zwischen Langnau und Adliswil auf der längsten Einspurstrecke der SZU gerade auf Höhe des Gartendörfli erfolgen soll.

Das Unterfangen erwies sich indes angesichts der komplexen Materie als nicht gerade einfach und teilweise auch nur bedingt als laienverständlich. Anhand von diversen Fahrplandiagrammen und Analysen und Bezug nehmend auf Computersimulationen machten die Fachleute geltend, dass der Standort der künftigen, rund 20 Millionen Franken teuren Doppelspur nicht einfach isoliert betrachtet werden dürfe. Und weshalb er auch nicht, wie von Anwohnern gefordert, ins Wiesland südlich der Station Wildpark-Höfli verlegt werden könne. Er sei vielmehr wichtiger Teil eines ganzen, oft auf wenige Sekunden austarierten und auch ausgereizten Betriebssystems und Gesamtfahrplans der SZU.

«Eine sinnvolle Alternative gibt es nicht.»Raphael Karrer, Eisenbahnsystemplaner

Für Fahrplan und Standortwahl bestimmende Faktoren mit teilweiser Wechselwirkung seien dabei nebst der vorhandenen Infrastruktur mit ein- und zweispurigen Strecken und dem Rollmaterial etwa auch das jeweilige Passagieraufkommen, die nötige Aufenthaltsdauer der Züge an den Bahnhöfen, Reservezeiten bei Störungen, künftige Taktverdichtungen oder etwa die Länge von Bremswegen vor Signalen und Weichen.

45 Sekunden in Verzug

Aus solchen fahrplantechnischen und betrieblichen Gründen müsse denn auch die nördliche Weiche der neuen Doppelspur Wildpark-Höfli nahe der Gontenbachbrücke beim Gartendörfli erstellt werden, folgerte Raphael Karrer von der auf Computersimulationen von Fahrplänen spezialisierten Firma SMA + Partner AG. Nur so könne der Betrieb der S4 pünktlich und verlässlich erfolgen. «Eine sinnvolle Alternative dazu gibt es nicht», zog Karrer Bilanz.

Dank der Kreuzungsstrecke könnten dann wieder alle Züge in Wildpark-Höfli halten. Künftig kreuzen sich die Züge demnach im Bereich des Gartendörfli. Eine Doppelspur im südlichen Wiesland hingegen würde bedeuten, dass die Züge mit 45 Sekunden in Verzug gerieten und sich als Folge davon der Zeitverlust bis nach Zürich weiter «aufschaukeln» würde, hiess es.

Verhandlungen stehen an

In der Publikumsdiskussion zeigte sich dann, dass für manche der rund 30 erschienenen Anwohner die Logik der SZU hinter ihrer Standortwahl nicht oder nur bedingt nachvollziehbar war. In Zweifel gezogen wurde etwa, dass die dank der Doppelspur erzielte Einsparung «von vielleicht 20 Sekunden», wie ein Anwohner aufgrund eigener Messungen meinte, nicht auch mit einer andern Massnahme an einem andern Ort des Streckennetzes erreicht werden könnte. Beispielsweise mit einer Verkürzung der Zughalte in Adliswil, wie ein pensionierter ehemaliger SZU-Lokführer dazu meinte.

Kritisiert wurde auch, dass sich die SZU an diesem Abend einzig auf die Weiche nördlich der Station Wildpark-Höfli fixiere. Und gar nicht erst eine konkrete Variante präsentiert habe, die aufzeige, welche betrieblichen Auswirkungen denn die von ihr abgelehnte Verlegung der Doppelspur ins Wiesland südlich der Station Wildpark-Höfli hätte. Abschliessend gab Harald Huber bekannt, dass die SZU die betroffenen Anwohner im vierten Quartal 2019 für Verhandlungen über den Landerwerb kontaktieren wolle. Er bekräftigte dabei, dass die SZU alles daransetze, um mit ihnen «einvernehmliche Lösungen» zu finden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.02.2019, 18:39 Uhr

Situation Gartendörfli

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