Horgen

Warum die Gemeindehaus-Toiletten ausgelagert werden

Seit Freitag machen die Schöneggler wieder mit ihrer Schnitzelbank Horgen unsicher. Und schütten ihren Pfefferstreuer genüsslich über der neunmalklugen Dorfregierung aus.

Das Premierenpublikum war sichtlich begeistert von den üppig geschminkten Schandmäulern.

Das Premierenpublikum war sichtlich begeistert von den üppig geschminkten Schandmäulern. Bild: André Springer

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Kräftiger Trommelwirbel ist zu vernehmen, die Wirtshaustüre wird aufgesperrt. Und schon schallt es vielstimmig aus üppig geschminkten Schandmäulern durchs Restaurant Schönegg: «Juheissa hurra d` Schöneggler sind da!» Vor dichtgedrängtem Premierenpublikum starten nun die Herren in Frack, schwarz-weiss karierten Hosen und mit roter Fliege in ihrem Stammlokal mit gängigen Melodien, Slapstick-Kapriolen und bissigen Pointen zur vergnüglichen Jahresrevue. Und während Akkordeonist Edy Meier tüchtig in die Tasten haut und auf der Papierrolle von Karikaturist Peter Curiger die ersten Bildersujets umgeblättert werden, kommen die Spötter vom Dienst nach ein paar heiteren Stolpereien zunehmend zügiger in Fahrt. Und lobpreisen etwa die magistralen Dorfregenten für ihre meisterhaft beherrschte Kunst, dringend Wünschbares von bloss Notwendigem zu unterscheiden. Nur logisch, dass da der Gemeinderat seine Super-Vision von einer Hochbahn vom Dorf ins Oberdorf hinauf mit Hochdruck vorantreibt. So sehr, dass es den Schönegglern schon fast die Sprache verschlägt – aber eben nur fast.

Grausame Rachepläne

«Wänn ihr en Furz i eure Grinde, gaht alles schnäll und grad - doch wiiteri zwänzig Jahr na, wartet mir ufs Hallebad», lästern jetzt die reimenden Fasnächtler zur Melodie «Mein Herz steht lichterloh in Flammen». Alt aussehen lassen die Schöneggler auch Horgens obersten Altersstrategen. Und zwar, wenn sie «die Zueständ wie zu Gotthälfs-Ziit» in der erst kürzlich eingeweihten Pflegewohngruppe Strickler beklagen, wo den betagten und pflegebedürftigen Bewohnern ein Zimmer ohne eigenes Klosett zugemutet wird. Aber die Rache der Schöneggler ist grausam: «Zum Gmeindshuus schliched mir na Znacht - schrubed fräch det alli WC ab». Was natürlich nicht ohne unliebsamen Folgen bleibt: «De Gmeindrat Brunner und sini Crew, wo dä Seich abglah - müend zum Brünzle usser Huus, uf d` Bahnhof-Schiissi gah!», schmettern sie jetzt vielstimmig in die Beiz.

Ein Dorn im Auge ist den frotzelnden Männern im Frack offenbar auch, dass die Horgner Tiefbauvorsteherin derart viel Geld für eine sündhaft teure Sanierung und Verbreiterung des Seewegs bei der Sust verschleudert hat.. «S` git eus en Knall, en Fruscht - drü-viertel Millione, händ det paar Meter koscht». Und aufs Korn nehmen die singenden Satiriker dann auch noch die behördliche Kommunikationspolitik: «D` Bevölkerig wird erscht knapp orientiert - wänn alls fascht fixfertig und härt isch zementiert». Aber die Schöneggler wären nicht die Schöneggler, wenn sie Gemeindepräsi Theo Leuthold nicht auch noch mit gutem Rat beistehen würden. Und so empfehlen sie ihm eben ein Kommunikationskürsli bei Parteikollege Roger Köppel.

Tosender Schlussapplaus

Und singenderweise samt gebührender Empathie nehmen sich die Schnitzelbänkler dann auch noch einer ganzen Reihe von Fettnäpfchentretern an. Da geht es dann etwa um die Identitätskrise eines fröhlichen Mallorca-Reisenden, um eine anstössige Bootsfahrt sowie einen unterbelichteten Turnlehrer. Oder gar um einen hohen Polizeichef, der sich just bei seiner Pensionierung gleich noch selber als Weindieb über- und abführt. Nach einer Stunde sagen die Schnitzelbänkler schliesslich tschüss. Weiterziehen aber lässt sie das gutgelaunte Premierenpublikum erst nach einem tosenden Schlussapplaus und nachdem man noch gemeinsam die traditionelle Hymne auf die Horgner, diese «glatte Lüüt», gesungen hat.

(zsz.ch)

Erstellt: 11.02.2018, 14:23 Uhr

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