Wädenswil

Wädenswiler Stadtrat lehnt neue Buslinie ab

Die EVP möchte eine bessere Busverbindung in der Au, der Stadtrat ist dagegen. Der langjährige Präsident der Verkehrskommission übt Kritik.

Zu hohe Kosten, zu kleine Nutzung: Der Stadtrat lehnt einen Versuchsbetrieb für eine neue Buslinie in die Au ab.

Zu hohe Kosten, zu kleine Nutzung: Der Stadtrat lehnt einen Versuchsbetrieb für eine neue Buslinie in die Au ab. Bild: Archiv ZSZ

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Die EVP-Fraktion im Gemeinderat Wädenswil hat mit einer schriftlichen Anfrage eine neue Buslinie im Ortsteil Au angeregt. Sie schlug eine Verbindung zwischen Bahnhof Au und Hinterer Rüti beim Zürichsee-Center in der Nähe der Autobahn vor. Heute ist die Au mit der Buslinie 122 erschlossen, die vom Bahnhof Wädenswil zur Hinteren Rüti und dort weiter als Linie 126 über Wädenswiler Quartiere zurück zum Bahnhof verkehrt.

Der Stadtrat lehnt einen Versuchsbetrieb ab, wie er in seiner Antwort festhält. Er hält die Kosten zu hoch und den Nutzen zu klein. Die neue Buslinie würde je nach Variante und zeitlichem Angebot zwischen 150'000 und 630'000 Franken jährlich kosten. Die Stadt Wädenswil müsste die Kosten zu 90 Prozent selber tragen, da die neue Linie nicht Bestandteil des ZVV-Angebotes wäre. Der Stadtrat sei nicht bereit, einen Versuchsbetrieb zu beantragen, «weil er wirtschaftlich nicht tragbar ist», begründet er. Er strebe Kapazitätsanpassungen und eine Verdichtung des bestehenden Fahrplans an.

Die neue Buslinie würde je nach Variante und zeitlichem Angebot zwischen 150'000 und 630'000 Franken jährlich kosten.

Eine neue Buslinie ist nach Ansicht des Stadtrates nicht gerechtfertigt, da die Einwohnerinnen und Einwohnern aus der Au nicht schneller nach Zürich fahren könnten. Denn in Wädenswil können sie in die schnelle S2 oder einen Regionalzug steigen. In der Au hingegen hält nur die S8, die alle Haltestellen bedient. Die kurze Buslinie hätte keine Anschlüsse auf andere Ortsbuslinien und überhaupt sei der Ortsteil Au bereits gut erschlossen.

Zentrum nicht möglich

Keine Freude an dieser Antwort hat Kurt Schreiber. Er hatte ein Vierteljahrhundert lang als Mitglied der Verkehrskommission Wädenswil, 23 Jahre davon als Präsident, die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Wädenswil und am linken Ufer mitgeprägt. Bis 2015 beriet er den Stadtrat bei Fahrplanänderungen und schlug Verbesserungen vor.

Kurt Schreiber, der in der Au wohnt, teilt in einem Schreiben an diese Zeitung mit, eine zukunftsgerichtete Planung sehe anders aus. Er bemängelt, dass kein Zentrum in der Au entstehen könne, wenn keine angemessene Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr erfolge. Er argumentiert, die bauliche Entwicklung rund um den Bahnhof Au, eingeschlossen der künftige AuPark mit der Mittelschule, bildeten ein Quartier für sich. Das Wohngebiet befinde sich weiter hangaufwärts.

«Würde die Au als eigenes Dorf gelten, wäre die Quererschliessung selbstverständlich.»Kurt Schreiber, langjährige Präsident der Verkehrskommission

Weil eine Querverbindung fehlt, müssen die Einwohner für den Weg vom Bahnhof Au nach Hause rund zwölf Minuten zu Fuss gehen und dabei einen steilen Weg hochsteigen. Oder aber sie nehmen mit dem Bus einen Umweg in Kauf, der bis zu 49 Minuten ausmachen kann.

Die Au zähle rund 6'000 Einwohnerinnen und Einwohner, ist aber lediglich ein Ortsteil von Wädenswil. Kurt Schreiber hält fest: «Würde die Au als eigenes Dorf gelten, wäre die Quererschliessung selbstverständlich.» Die Aussagen zu den Kosten und den Nutzen hält er für vage. Er vermute, die vom Stadtrat vorgebrachten Extremwerte mit Kosten bis zu 630'000 Franken Franken für einen Versuchsbetrieb sollen als Killerargument herhalten.

Erstellt: 16.09.2019, 15:43 Uhr

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