Wädenswil

Brauerei-Chef glaubt, dass er den Betrieb noch einmal retten kann

Die Wädi-Brau-Huus AG ist überschuldet. Um den Konkurs abzuwenden, sollen die Aktionäre der Kleinbrauerei nun tiefer in die Tasche greifen.

Christian Weber führt die Wädenswiler Kleinbrauerei bereits seit 19 Jahren.

Christian Weber führt die Wädenswiler Kleinbrauerei bereits seit 19 Jahren. Bild: Patrick Gutenberg

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Von einer dramatischen Situation war die Rede, damals, vor 14 Jahren: Die Wädi-Brau-Huus AG erwirtschaftete 2005 ein tiefrotes Minus. Die Lancierung einer neuen Biermarke und der Bau eines Wintergartens für das Brauereirestaurant brachten das Wädenswiler Unternehmen arg ins Schlingern. Hinzu kam ein heftiges Zerwürfnis im Verwaltungsrat. Die damalige Krise konnte überwunden werden. Doch es sollte nicht die letzte bleiben.

Die Kleinbrauerei kämpft auch jetzt wieder ums Überleben, wie der Finanzblog schweizeraktien.net publik gemacht hat. Zweimal hintereinander resultierte in der Jahresrechnung der Wädi-Brau-Huus AG ein happiger Verlust. 2017 waren es knapp 292000 Franken, im vergangenen Jahr gar über 480000 Franken. In einem Schreiben an die Aktionäre gibt der Verwaltungsrat unverblümt zu: Die Gesellschaft sei «heute praktisch illiquid» und es sei Tatsache, «dass unser Unternehmen überschuldet ist». Nicht einmal der gute «Bier-Sommer» 2018 konnte die Krise verhindern.

«Im Nachhinein ein Fehler»

Wie konnte es so weit kommen? Laut Geschäftsführer und Verwaltungsrat Christian Weber blieb das Unternehmen mit seinem Standort auf dem Gessner-Areal «di alt Fabrik» in allen drei Geschäftsbereichen unter den Erwartungen: beim Bierverkauf, im Gastronomiebetrieb und bei den Brauseminaren.

Gerade bei den Seminaren, ein wichtiger Einnahmeposten, sei es zu grossen Einbussen gekommen. Auch weil man letzten Herbst aus strategischen Gründen auf den Versand eines Werbeprospekts verzichtet habe. «Im Nachhinein ein Fehler», sagt Weber. Auch seien hohe Ausgaben angefallen unter anderem für neue Infrastruktur sowie die Gestaltung und Materialbeschaffung von neuen Sechserpackungen.

Gleichzeitig habe man mit verschiedenen Massnahmen auf die finanziellen Schwierigkeiten zu reagieren versucht. «Wir konnten zum Beispiel namhafte neue Kunden akquirieren», sagt Weber und meint damit die Getränkefachmarktkette Rio sowie Alnatura. Deren Einkäufe hätten sich in der Jahresrechnung 2018 aber noch nicht widerspiegelt. Um Geld zu sparen habe die Brauerei vor allem auf Sponsoringbeiträge verzichtet und Massnahmen beim Personal vollzogen, «ohne Entlassungen», wie Weber betont.

«Es wird weitergehen»

Der langjährige Geschäftsführer und Hauptaktionär der Wädi-Brau-Huus AG gibt sich, wie er es schon im Jahr 2005 tat, optimistisch: «Ich bin überzeugt, dass es weitergehen wird», sagt er.

Zum Erfolg verhelfen sollen neben den genannten Massnahmen und neuen Kunden auch neue Events in der Sparte Brauseminare: Vorgesehen sind monatliche öffentliche Führungen mit Bierdegustation für Einzelpersonen und Gruppen. Helfen soll zudem eine seit acht Jahren nicht mehr erfolgte Anpassung der Bierpreise. So wurde der Preis für ein Wädenswiler Hell um 20 Rappen auf 2.30 Franken pro Flasche erhöht.

Diese Massnahmen alleine werden das Unternehmen aber nicht retten. Weber, der die Brautradition in fünfter Generation führt, ist mehr denn je auf den Goodwill der Aktionäre angewiesen: An der Generalversammlung vom 27. Juni in der Kulturhalle Glärnisch wird der Verwaltungsrat von den Aktionären nämlich einen aussergewöhnlichen Schritt verlangen. Gemäss Traktandenliste sollen sie zuerst einer Vernichtung ihrer Aktien zustimmen und anschliessend eine Erhöhung des Aktienkapitals auf mindestens 610000 Franken und höchstens 1,04 Millionen Franken genehmigen.

Wer die neuen Aktien zum erhöhten Ausgabebetrag von je 915 Franken (Nominalwert 610 Franken) nicht bezahlt, scheidet automatisch aus. Dieser sogenannte Kapitalschnitt verhalf der Brauerei schon 2005 zum Überleben.

VR-Präsident hört auf

Neben dem Kapitalschnitt sind auch gewichtige Personalrochaden geplant: Der langjährige Thalwiler Verwaltungsratspräsident Jörg Rüegg wird nach eigener Aussage altershalber zurücktreten. Aus privaten Gründen hat letzten Herbst nach nur wenigen Monaten auch Thomas Klein das Gremium verlassen. Neu zur Wahl stellt sich der Wädenswiler Thomas Wullschleger. Damit würden mit Weber und Braumeister Sebastian Fleck drei Personen im Verwaltungsrat verbleiben. Wer das Präsidium übernehmen wird, sei noch offen.

Erstellt: 12.06.2019, 21:42 Uhr

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