Wädenswil

Wädenswil will eigene Klassen für Nachwuchssportler schaffen

Die Oberstufenschule will Sporttalente in einer besonderen Klasse fördern. Für manche Jugendliche sei der Weg nach Zürich in die bestehenden Schulen zu weit. Aber es geht auch ums Geld – die Schule braucht dringend mehr Einnahmen.

Mit einer speziellen Sportklasse will Wädenswil Nachwuchssportler fördern. Hier im Bild die Sportschule der Oberstufe Rapperswil-Jona.

Mit einer speziellen Sportklasse will Wädenswil Nachwuchssportler fördern. Hier im Bild die Sportschule der Oberstufe Rapperswil-Jona. Bild: Archiv/Patrick Gutenberg

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Wie bringt man Spitzensport und Ausbildung unter einen Hut? Ein Skifahrer kann im Winter während der Saison kaum zur Schule, Profi-Fussballer haben dafür im Sommer keine Zeit zum Büffeln.

Mit einer speziellen Sportklasse will die Oberstufenschule Wädenswil (OSW) ab dem Schuljahr 2020/2021 solche Talente besonders fördern. Die Stimmberechtigten müssen an der Gemeindeversammlung der OSW am 26. November über die Gründung befinden. Die Oberstufenschule Wädenswil ist laut Schulpräsidentin Verena Dressler (BFPW) prädestiniert dafür, eine Sporttalentschule zu gründen.

Schon heute fördere man Talente zwar aktiv, mit einer offiziellen Anerkennung könne man das Angebot aber auch für Schülerinnen und Schüler aus anderen Gemeinden öffnen. Das hätte auch finanzielle Vorteile: Die Schule rechnet bei neuen Ausgaben von 270000 Franken mit Einnahmen von 480000 Franken. «Die finanzielle Entlastung wäre wünschenswert», sagt Dressler im Hinblick auf die angespannte finanzielle Situation der OSW (siehe Artikel zum Budget 2020). «Aber die Einnahmen der Sporttalentschule bleiben natürlich ein Tropfen auf den heissen Stein.»

Individuelle Förderung

Die Einnahmen haben einen Haken: Die OSW generiert diese nur, wenn sie Schüler aus anderen Gemeinden gewinnen kann. Für stadteigene Sporttalente bezahlt die OSW das Schulgeld nämlich selbst. Als vom Kanton anerkannte Sportschule gibt es aber mehr Freiheiten bei der Ausgestaltung des Unterrichts. Die OSW habe viel Erfahrung bei der individuellen Förderung von Schülern: In sogenannten Lernlandschaften findet etwa im Schulhaus Rotweg, am zukünftigen Standort der Klasse, schon heute rund ein Drittel des Unterrichts als selbstständiges Erlernen von Wissen statt. «Die Lehrpersonen können dabei ganz individuell die Schüler beim Lernen unterstützen», sagt Schulleiter Paolo Castelli. «Wir verfügen also über das Know-how, auch Sporttalente zu unterrichten, die je nach Jahreszeit mehr oder weniger Unterricht haben.»

Standort der Sportklassen: Das Schulhaus Rotweg. Archivfoto: André Springer.

Maximal 24 Plätze will die OSW in der Talentklasse anbieten. «Wir sind zuversichtlich, dass wir das Potenzial in der Region abschöpfen können», sagt Castelli. Ist Wädenswil mit einem Leistungszentrum für Tischtennis und Trainingsplätzen für Fussball überhaupt attraktiv genug für ein solches Förderangebot? Ja, sagt Castelli. «Wir spüren das Bedürfnis, dass Schüler nahe von zu Hause zur Schule gehen zu können.» Weite Wege bleiben den Sportlern allerdings nicht erspart: Wettkämpfe finden selten in der Region statt.

Immer mehr Talente

Heute gibt es im Kanton Zürich staatliche Förderschulen und -klassen in Zürich und Uster, dazu kommen private oder ausserkantonale Angebote wie die Sportschule Rapperswil-Jona. Die Sportklasse in Wädenswil brauche es aber trotz des übrigen Angebots – weil es immer mehr Sporttalente gebe, argumentiert die OSW. Das Sportamt des Kantons Zürich bestätigt auf Anfrage die Talentzunahme. Messbar ist die Zahl der sogenannten «Talentcard-Inhaber».

Für die lokalen, regionalen und nationalen Talentcards legen die Sportverbände klare Kriterien fest, die ein Nachwuchssportler erfüllen muss. Gab es 2011 kantonsweit 1700 Talente, waren es 2018 schon 2900. Allerdings geht der Kanton davon aus, dass nur Mitglieder von regionalen oder nationalen Kadern spezielle Sportschullösungen benötigen. Im Bezirk Horgen waren das im letzten Jahr 136 Schüler. An der OSW werden derzeit 30 Schüler mit Talentstatus unterrichtet, davon sind fünf Mitglied eines Nationalkaders.

Geben die Stimmberechtigten Ende November grünes Licht für die Sportklasse, muss auch der Regierungsrat das Vorhaben der OSW noch bewilligen.

Erstellt: 25.10.2019, 19:18 Uhr

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