Wädenswil

Wädenswil erhält ein Weinbauzentrum

Einst genoss die Wädenswiler Weinbau-Forschungsstätte Weltruf. Doch Sparmassnahmen zwangen sie in die Knie. Mit einem neuen Weinbauzentrum will der Verband zu alter Grösse zurückfinden.

Im Keltereigebäude an der Schlossgasse in Wädenswil soll ab 2018 ein Deutschschweizer Weinbauzentrum entstehen.

Im Keltereigebäude an der Schlossgasse in Wädenswil soll ab 2018 ein Deutschschweizer Weinbauzentrum entstehen. Bild: Moritz Hager

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Wädenswil wird zum Standort für das erste und einzige Weinbauzentrum der Deutschschweiz. Im von Weinreben umrankten Keltereigebäude an der Schlossgasse soll das neue Weinbauzentrum Anfang 2018 entstehen. Der Vorstand des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein hat grünes Licht für das Projekt gegeben. Das heisst, «es ist zu 95 Prozent sicher, dass es klappt», sagt Projektleiter Martin Wiederkehr. Im September muss noch die Delegiertenversammlung durchwinken, dann kann Wädenswil wieder zu einem Zentrum für Weinbau mit Weltruhm werden — den es früher bereits genoss.

Früher weltbekannt

Einst war Wädenswil nämlich die Heimat einer weltbekannten Forschungs- und Bildungsstätte. Gegründet wurde sie 1890 vom Botaniker und Rebzüchter Hermann Müller-Thurgau. Nach ihm wurde die ebenfalls international bekannte Traubensorte Müller-Thurgau benannt. Doch in den letzten Jahren verlor die Forschungsstätte für den Weinbau massiv an Bedeutung. Die Weinforschung ist seit 20 Jahren mit drastischen Sparmassnahmen des Bundes konfrontiert. Durch die Einsparungen 2017 sei der Beitrag nun unter «ein kritisches Minimum» gesunken, erklärt Projektleiter Wiederkehr. Die Weinbauforschung wird sich in Zukunft auf den Standort in Nyon konzentrieren. Doch: «Es ist ein grosses Bedürfnis der Weinbranche, dass auch die Deutschschweiz ein Kompetenzzentrum erhält», sagt Wiederkehr. «Wir wollen hier angewandte Forschung zum Nutzen unserer Winzer und Kellereien betreiben.» Die Branche will sich auch finanziell für das Weinbauzentrum engagieren. In den letzten 30 Jahren haben Weine aus der Deutschschweiz einen enormen Qualitätsaufschwung erlebt, erklärt der Projektleiter des Weinbauzentrums. Die gewonnenen Erkenntnisse wollen Weinexperten und Rebleute weiter ausbauen. In der Deutschschweiz hat beispielsweise sich der Klimawandel zumindest auf die Öchslegrade, den Zuckergehalt der Trauben, positiv ausgewirkt: Er steigt jedes Jahr. Das Zentrum möchte eine Anlaufstelle für Fragen von Laien, Hobby-Önologen und Feinschmeckern sein. Zugleich werden hier auch Fachleute forschen und Fragen nachgehen, inwiefern die Trauben vom Klima und von Böden in der Deutschschweiz profitieren und wie man mit welchen Traubensorten ein Maximum erreichen kann.

Weinbau schlummert

Wädenswil ist ein schlummerndes Weinparadies. Am Fusse der Halbinsel Au gedeiht ein ganz besonderer Rebgarten, wo rund 120 alte Schweizer Rebsorten wachsen. Mit der Fachstelle für Sensorik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der Forschungsanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Agroscope und dem Strickhof versammelt sich hier eine Vielzahl von versierten Fachleuten. Dieses Wissen soll künftig gezielt in die Weinforschung einfliessen. Das Projekt wird denn auch von der ZHAW, Mitgliedern der Forschungsanstalt Agroscope, dem Strickhof sowie der Stadt vorangetrieben. (zsz.ch)

Erstellt: 15.07.2017, 07:51 Uhr

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