Richterswil

Vorbereitungen für Räbechilbi laufen auf Hochtouren

Die Räbechilbi am Samstag ist auch die Krönung eines langen Arbeitsprozesses. Im Schulhaus Boden gehören hitzige Diskussionen über Sujets, Malarbeiten und das Aushöhlen der Räben dazu.

Nebst den Vereinen tragen auch Kindergärten und Schulen massgeblich zur Dorftradition bei. Die Schüler, hier solche der Sekundarstufe, nehmen ihre Arbeit ernst – und genau.

Nebst den Vereinen tragen auch Kindergärten und Schulen massgeblich zur Dorftradition bei. Die Schüler, hier solche der Sekundarstufe, nehmen ihre Arbeit ernst – und genau. Bild: Manuela Matt

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Schon beim Betreten des Schulhauses Boden weiss der Besucher, dass die Räbechilbi ansteht. Er riecht es. Schulleiter Stefan Affolter führt durch die Eingangshalle zum Zivilschutzbunker auf der Hinterseite des Sekundarschulhauses. Dort ist Hauswart Urs Hinder bei der Arbeit. Mit einem vorfreudigen «Attacke!» hält er die nächste Räbe unter die Standbohrmaschine. Das Gemüseinnere fliegt dem Hauwart entgegen und bleibt an seiner Regenjacke kleben.

Hinder und Affolter erinnern sich, dass die Räben früher im Eingangsbereich ausgehöhlt wurden. Da habe es dann noch zwei Wochen nach der Räbechilbi nach dem Gemüse gerochen. Auch deshalb erfolgte die Verlagerung der Arbeiten in den Bunker. 400 Räben schaffe er in einer Stunde, sagt Hinder. Bei den über zweitausend Räben, welche die Klassen der Schuleinheit Boden für die Räbechilbi präparieren, ist der Morgen mit Vorhöhlen gut gefüllt.

Hauswart Urs Hinder schafft mit einer Standbohrmaschine Abhilfe beim Vorhöhlen.

Klasse zieht mit

Seit 15 Jahren hilft Hinder als Hauswart bei den Vorbereitungen mit, es herrsche jeweils eine Woche Ausnahmezustand. Der Schüler Xavier Ruepp, der neben Hinder steht und die vorgehöhlten Räben in einer Einkaufstasche verstaut, stimmt zu. Ihm gefallen die Vorbereitungen unter anderem deshalb, weil der Stundenplan etwas lockerer ausfalle.

Klassenlehrer Manuel Sütterlin, der eine zweite Sekundarklasse unterrichtet, zeigt, wie das Nebeneinander von Schulalltag und Dorftradition funktioniert: In seinem Klassenzimmer haben sich Jugendliche auf dem Boden vor der Wandtafel ausgebreitet und bemalen ein weisses Stofftuch mit dem Toblerone-Schriftzug für ihr diesjähriges Sujet. In den Schulbänken sitzen derweil einige Schüler und lösen selbständig Aufgaben. Für Sütterlin ist es die erste Räbechilbi als Klassenlehrer – und er ist froh, dass seine Klasse «mitzieht», wie er sagt. «Die Arbeiten für den Umzug begannen schon zwei Wochen vor den Herbstferien», sagt er. Dies, weil das Gerüst für den Toblerone-Schriftzug erst einmal gebaut werden musste. Ein Projekt für den Werkunterricht.

Die Schüler der zweiten Sekundarstufe haben besonders viel Arbeit, da sie die Umzugswagen gestalten.

Einem Schüler, der das Tuch bemalt, geschieht ein Missgeschick, ein Tropfen schwarzer Farbe kleckert neben den Schriftzug auf das Tuch. Er wolle vor dem Mittag ohnehin noch eine zusätzliche Schicht Farbe auftragen und werde den Makel dann mit weisser Farbe beheben, sagt er. Der Einsatz ist gross. «Eine Schülerin hat das Tuch übers Wochenende gar nach Hause genommen, um es zu bügeln», sagt Sütterlin.

Anspruch ist hoch

Ein ähnliches Szenario lässt sich im Zimmer von Lehrerin Karin Grüter beobachten. Auch hier ist ein Teil der Klasse konzentriert bei der Schularbeit, während drei Schülerinnen im Nebenzimmer ein Plakat bemalen. Das Sujet will man der Öffentlichkeit noch nicht preisgeben, nur so viel: es heisse «Take Care!» Auf die Frage, wie dieses Sujet festgelegt wurde, verdreht Grüter die Augen. Die drei Mädchen schmunzeln. Es sei eine langwierige Diskussion gewesen, sagen die Beteiligten. Denn der Anspruch ist hoch: «Die Klasse will damit auf die Titelseite der Zeitungen», sagt Grüter. Dies gelinge meist dann, wenn das Sujet ein aktuelles Thema aufgreife. «Einige wollten Snoopy auf dem Mond abbilden, andere ein realistisches Bild der Mondlandung», erklärt eine der Schülerinnen. Die Mondlandung jährt sich schliesslich zum 50. Mal.

«Die Klasse will mit dem Sujet auf die Titelseite der Zeitungen.»Lehrerin Karin Grüter

Weil man sich nicht einig wurde, welche Version nun die bessere sei, wählte man einen dritten Vorschlag, das jetzige Sujet. Dafür sind besonders kleine Räben gefragt, welche die Details auf dem Plakat nicht verdecken. Beim Abholen der Räben auf dem Kerag-Parkplatz am Vortag hat Grüter diesbezüglich genau hingeschaut. Sie habe sicherlich schon zehn Räbechilbis als Lehrerin miterlebt – dementsprechend kennt sie die Tricks, damit die Sujets besonders herausstechen.

Dekoration fürs Wisli

Während die Schüler der zweiten Sekundarstufe ihre Sujets vorbereiten, haben die Erst- und Drittklässler andere Aufgaben zu erfüllen. «Die Erstklässler schnitzen Räben zur Dekoration des Alterszentrums Im Wisli und des Paracelsus-Spitals», erklärt Schulleiter Stefan Affolter. Und die Mädchen der dritten Klassen der Sekundarstufe führen als «Kirchgängerinnen» traditionell den Umzug an. Bis dann gibt es noch zu tun, und der Räbenduft wird sich wohl erst anfangs nächster Woche langsam aus dem Schulhaus verziehen.

Räbechilbi am Samstag, 9. November. Beginn des Umzugs entlang der See-, Post-, Dorf- und Gartenstrasse um 18.30 Uhr. Festabzeichen: 8 Franken, Plakette: 15 Franken.

Erstellt: 06.11.2019, 16:14 Uhr

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