Horgen

Vor der Villa Seerose entsteht die erste Seebühne auf dem Zürichsee

Thuner-, Walen- und Bodensee haben schon Seebühnen. Nächsten Sommer bietet erstmals auch der Zürichsee ein Show-Erlebnis auf einer schwimmenden Plattform.

Die Villa Seerose in Horgen wurde von einem Seidenindustriellen erbaut. Im Wasser vor der Villa entsteht die Seebühne.

Die Villa Seerose in Horgen wurde von einem Seidenindustriellen erbaut. Im Wasser vor der Villa entsteht die Seebühne. Bild: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Bank Zimmerberg feiert ihr 200-jähriges Bestehen mit einer spektakulären Seebühne vor der Villa Seerose in Horgen. Gezeigt wird eine Inszenierung rund um die Geschichte der Horgner Seidenstoffproduktion. Dafür wurde extra der Verein Seebühne Zimmerberg gegründet. «Es wird ein einzigartiges Spektakel», sagt Projektleiterin Iris Huggler.

Während zehn Tagen im August 2020 soll die Show «Organza» die Zuschauerinnen und Zuschauer in Horgen verzaubern. Huggler erklärt: «Die Bank will damit der Bevölkerung etwas zurückgeben». Organza ist ein glänzender, transparenter Stoff und weist direkt auf die Seiden-Thematik des Projekts hin.

Taucher führen Darsteller zur Bühne

Die Tribüne bietet 1000 Personen Platz und kann über einen Steg erreicht werden. Die Bank Zimmerberg, gegründet 1820, ist die Bühne im See. Rund 2,5 Millionen Franken sind budgetiert.

Die Bühne taucht jeweils aus dem Wasser auf. Visualisierung PD

Das spektakuläre an der Seebühne Zimmerberg ist, dass sie mitsamt den Darstellern aus dem Wasser auftauchen und am Ende auch wieder im Wasser verschwindet. Die Plattform wird extra für Organza angefertigt. Taucher werden die Akrobaten, gekleidet in Kostümen aus Neopren, unter Wasser zur Bühne führen. Eine Kapsel, die in die Plattform eingebaut wird, funktioniert als U-Boot. Sie lässt sich auf- und absenken und sorgt für einen trockenen Zugang vom See auf die Bühne.

«Vielen Leuten ist die Bedeutung des dieses Kulturerbes nicht mehr bewusst.»Iris Huggler, Projektleiterin Seebühne Horgen.

Während 90 Minuten werden die Zuschauer auf eine Reise zurück in das 19. Jahrhundert geführt. Die aufgeführte Familienlegende basiert auf Fakten über eine Horgener Seidenfabrikanten-Familie, ist jedoch rein fiktiv. Sie erzählt von einer grossen Liebe zwischen einem reichen Fabrikantensohn und einem Arbeitermädchen und lässt ein Mädchen träumen von fliegenden Seidentüchern und einer magischen Hochzeitszeremonie.

Regie führt Dominic Ulli. Der Schweizer Artist, Regisseur und Showproduzent engagierte sich bei Zirkus-Unternehmen und ist der kreative Kopf hinter dem Projekt Seebühne Zimmerberg. «Die ganze Show wird absolut einzigartig sein», sagt Ulli.

Organza präsentiert ein wichtiges Thema

Die Inszenierung findet bei der Villa Seerose in Horgen statt. Die Fabrikantenvilla wurde 1904 erbaut und gehörte Jacques Huber, der in Amerika ein Vermögen mit Seidengeschäften machte. Ein passender Ort für das Showspektakel – denn auch der Park rund um die Villa wird sich der Thematik widmen. Das Restaurant «Weberei» und das Café «Petit-Lyon» spielen auf die seidene Vergangenheit an. «Vielen Leuten ist die Bedeutung dieses Kulturerbe nicht mehr bewusst», sagt Huggler. Das Ziel von Organza sei, der Bevölkerung dieses Thema näherzubringen.

Die Bühnen-Show dreht sich um die Seiden-Geschichte Horgens. Visualisierung PD

Wie Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) auf Anfrage mitteilt, begrüsst auch die Gemeinde Horgen das «Kulturerlebnis der besonderen Art». «Es freut uns sehr, dass der geschichtlich wichtigste Wirtschaftsfaktor, die Seidenfabrikation, im Zentrum von Organza steht», erklärt er.

Noch heute würden mehrere Fabrikantenvillen oder amerikanische Mammutbäume von dieser Wachstumsepoche zeugen. Deshalb unterstütze die Gemeinde das attraktive Kulturprojekt gerne und freut sich, dass die eigene Bevölkerung von reduzierten Preisen und Rabatten profitieren kann.

«Organza»-Show vom 14. bis 23. August 2020. Tickets sind erhältlich unter www.organza.show. Einwohner von Horgen erhalten bis Ende Jahr 10 Prozent Rabatt.





Erstellt: 21.11.2019, 17:23 Uhr

Aufstieg und Niedergang der Seidenindustriellen in Horgen

Im ganzen Seegebiet war die Heimarbeit im 17. und 18. Jahrhundert die wichtigste nicht bäuerliche Erwerbsquelle. Mindestens ein Viertel aller Bewohner wob oder spann damals in der Bauernstube oder im feuchten Webkeller. Das Baumwollgewerbe wurde dominiert von der Zunftstadt Zürich. Einzelnen Landfabrikanten gelang es aber, das Handelsmonopol zu durchbrechen und als selbstständige «Tüchler» aufzutreten, wie beispielsweise der Horgner Georg Widmer. In der Woll- und Seidenindustrie hingegen wachte die Zunftstadt Zürich streng darüber, dass auf der Landschaft keine Firmen entstanden. Erst die Helvetische Revolution von 1798 ebnete den Weg für den Aufstieg der Seidenindustrie in Horgen im 19. Jahrhundert. Diese trug der Gemeinde den Beinamen «Klein-Lyon» ein. Lyon war damals eine der bedeutendsten Seidenmetropolen der Welt.

Begründet worden ist die Seidenindustrie in Horgen 1825 von zwei Bürgern, die die ersten Seidenfabrikationsgeschäfte in Horgen aufbauten: Johann Stapfer, Präsident des Bezirksgerichts, und J.J. Staub, der aus einer Weberfamilie stammte. Nur drei Jahre später kam eine dritte Firma hinzu. Ermuntert durch die Erfolge der ersten Seidenfabrikanten entstanden neue Firmen. 1847 zählte Horgen zehn Seidenfabrikationsgeschäfte. Die «Sydigen» hatten die «Tüchler» längst verdrängt. In der Gemeinde arbeiteten 122 Seidenweber und 564 Weberinnen. Hinzu kamen zahlreiche Winderinnen und Zettlerinnen. Darüber hinaus haben die Seidenhäuser einige Tausend Weber in den Bezirken Horgen, Meilen und Hinwil und in den angrenzenden Kantonen beschäftigt. Das Hauptabsatzgebiet war zunächst Deutschland, dann vor allem Nordamerika. 1878 eröffneten die USA in Horgen sogar eine Konsulat, was den Export von Stoffen und Foulards im Wert von jährlich rund 13 Millionen Franken erleichterte.

Verschiedene Umstände führten schliesslich zur Krise: Die Mode wandelte sich, Deutschland und die USA erliessen Schutzzölle, und die mechanische Weberei kam auf. Im 20. Jahrhundert erreichte die Horgner Seidenfabrikation nicht mehr die einstige Bedeutung. Die Weltwirtschaftskrise der Dreissigerjahre läutete den Niedergang der Branche ein. Das «Klein-Lyon» der Seidenindustrie gehörte der Vergangenheit an. (dh)

Quellen: Der Band «Horgen – Rückblicke» von Beat Frei und «Geschichte der Gemeinde Horgen» von Paul Kläui.

Schattenwurf reduzieren

Der Kanton Zürich hat die Seebühne bewilligt. Im Konzessionsverfahren ging es darum sicherzustellen, dass die schwimmende Bühne die Ufer- und Unterwasservegetation, die Fische, ein Bojenfeld sowie die denkmalgeschützte Villa mit Park nicht beeinträchtigt, wie Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion, sagt. Es habe sich gezeigt, dass der Schatten der Plattform die Unterwasservegetation absterben lassen könnte. Deshalb werden der Steg und die Seebühne nun lichtdurchlässig konstruiert und können tagsüber entfernt, bzw. verschoben werden. (dh)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.