Schönenberg

Er hält aus Überzeugung Kühe mit Hörnern

Nur eine Minderheit der Schweizer Kühe tragen noch Hörner. Auf einem Bauernhof in Schönenberg aber wird den Kühen der Kopfschmuck stehen gelassen.

Wie schon sein Urgrossvater lässt Paul Korrodi seinem Original Braunvieh die Hörner. Auch Hummel, die aktuelle Miss Wädenswil, besitzt schön geschwungene Hörner.

Wie schon sein Urgrossvater lässt Paul Korrodi seinem Original Braunvieh die Hörner. Auch Hummel, die aktuelle Miss Wädenswil, besitzt schön geschwungene Hörner. Bild: Moritz Hager

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Die «Miss Wädenswil 2018» trägt auf ihrem Kopf zwei lange Hörner: Sie sind leicht nach hinten geschwungen und enden in schwarzen Spitzen. Die zehnjährige Kuh Hummel von Paul Korrodi wurde an der Wädenswiler Viehprämierung im Oktober als Schönheitskönigin gekürt.

Jetzt trottet sie neben ihrem Besitzer über den heimischen Hofplatz im Moos in Schönenberg. Paul Korrodi schiebt die hohe Stalltür zur Seite. Dutzende Kühe blicken die Besucher mit ihren dunklen Augen an. Jede einzelne trägt auf dem Kopf mächtige Hörner.

Hörner aus Tradition

Seinen 66 Kühen lässt Korrodi, der den 25 Hektaren grossen Betrieb in der vierten Generation bewirtschaftet, aus «Tradition und Überzeugung» die Hörner stehen. «Die Rasse Schweizer Original Braunvieh, welche auch mein Urgrossvater schon führte, hat traditionellerweise Hörner. Abbrennen kam für mich daher nie in Frage», sagt der 36-Jährige, der lange Zeit auch im Vorstand des Verbands für Original Schweizer Braunvieh tätig war. Korrodi will seine Meinung aber niemandem aufzwingen. «Jeder Bauer soll selber entscheiden, ob seine Tiere Hörner haben oder nicht.»

Korrodis Kühe gehören in der Schweiz einer Minderheit an. «Wir gehen davon aus, dass rund drei Viertel der Kühe in der Schweiz heute hornlos sind», sagt Jürg Jordi, Mediensprecher des Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Einige Kühe seien genetisch ohne Kopfschmuck, den meisten würden die Hörner aber als Kalb ausgebrannt. «Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat der Trend zur Kuh ohne Hörner zugenommen», sagt Jordi.

In der Schweiz tragen die meisten Kühe keine Hörner. Nicht so die 66 Tiere in Paul Korrodis Stall.

Paul Korrodi hält seine Kühe im Anbindestall. Der Raum ist unterteilt in drei Reihen, sogenannte Läger, wo die Kühe ihren fixen Platz haben und mit einem Halsband angebunden sind. «Damit sie aneinander vorbeikommen können, bräuchten behornte Kühe im Freilauf einen deutlich grösseren Stall, was mit einem grossen finanziellen Mehraufwand verbunden wäre», sagt Paul Korrodi.

Er sieht im Anbinden viele Vorteile: «Gerade die schwächeren Tiere profitieren von einem festen Platz, denn die Stärkeren können ihnen das Futter nicht streitig machen und sie haben einmal am Tag ihre Ruhe.» Er wehrt sich denn auch gegen die Vorwürfe, dass Tiere im Anbindestall zu wenig Auslauf bekämen. Den Sommer verbringen seine Rinder auf der Weide und der Alp, in der kalten Jahreszeit haben sie dreizehn Mal im Monat Auslauf auf dem Hofareal. «Beim Melken, wie auch durch den Auslauf habe ich täglich mit jeder einzelnen Kuh zu tun und merke sofort, wenn irgendetwas nicht stimmt,» sagt Korrodi.

Beim Erzählen geht er durch die Reihen der Tiere, drückt sich ohne Hemmung an deren Köpfen vorbei. Diese Sicherheit im Umgang mit den Tieren lässt sich auf jahrelange Erfahrung zurückführen. «Es ist kein Geheimnis, dass man bei Kühen mit Hörnern aufpassen muss», meint der Landwirt. Doch in all den Jahren habe er noch nie eine ernsthafte Verletzung erlitten. Auch unter den Vierbeinern kommt es immer mal wieder zu Gerangel. Während hornlose Kühe ihre Artgenossen vorwiegend mit dem Kopf in den Bauch stossen, gehen Hornkühe auf den Kopf der anderen Kuh los. So fangen die Hörner den Stoss auf. Geht es zu arg zu und her, feilt Korrodi die Spitzen der Hörner rund, um die Verletzungsgefahr zu verringern.

Mit der Schiene geformt

Horn ist nicht gleich Horn. Bei einigen Tieren stehen sie enger beieinander, bei anderen liegt der Kopfschmuck etwas flacher. «Es kommt darauf an, wann ich ihnen die Hornführer anziehe», erklärt Korrodi. Für weitere Erklärungen geht es raus auf die Weide. Im Nieselregen stehen dort die Kälber, welche dieses Frühjahr auf die Welt gekommen sind. Neugierig traben sie den Gästen entgegen.

Auf ihren Köpfen, dort wo die kleinen Hornansätze aus dem Kopf ragen, tragen sie zwei Metallschienen. Zwischen sechs und zehn Monaten sind die Kälbchen alt, wenn ihnen Korrodi die Hornführer anzieht. Mit Unterbrüchen werden sie rund ein halbes Jahr getragen. Ohne Schienen wüchsen die Hörner in alle Richtungen, sagt Paul Korrodi. Das erhöhe die Verletzungsgefahr. Doch der Hornzapfen ist ein von Nerven durchzogener, durchbluteter Knochen. Tut der Hornführer da nicht weh? «Nein, überhaupt nicht», sagt Korrodi. «Die Schiene biegt ja nicht das ausgewachsene Horn, sondern lenkt es beim Entstehen in eine bestimmte Richtung.» Wie zur Bestätigung streckt ein Kalb seine Zunge hervor und schleckt dem Bauern die Hand ab.

Erstellt: 12.11.2018, 15:22 Uhr

Pro-Argumente


  • Die Enthornung ist ein massiver Eingriff und für die Tiere mit grossen Schmerzen verbunden. Diese können auch langfristig auftreten.


  • Hörner haben eine Funktion: Sie dienen der Körperpflege und Kommunikation. Das Enthornen verletzt die Würde der Tiere.


  • Die Initiative setzt auf ein Anreizsystem statt auf ein Verbot. Behornte Tiere brauchen mehr Stallfläche und der Mehraufwand soll entsprechend entschädigt werden.

Kontra-Argumente


  • Die Enthornung schadet den Tieren nicht übermässig. Mit der Initiative würde es den Kühen und Ziegen nicht besser gehen.



  • Haben Kühe oder Ziegen Hörner steigt das Verletzungsrisiko.



  • Die Initiative könnte dazu führen, dass sich wieder mehr Bauern dazu entscheiden, ihre Kühe anzubinden, weil diese Haltungsform einfacher ist und sie trotzdem subventioniert würden.



  • Ein solches Anliegen gehört nicht in die Bundesverfassung.

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