Cannabis

Vom Rentner bis zur Hausfrau – alle kaufen Cannabis

Im Bezirk hält das legale Cannabis Einzug. Bereits der dritte Laden bietet auf Wädenswiler Gemeindeboden die angstlösende und entzündungshemmende Substanz an. Die Kundschaft ist breit gefächert.

Simon Frei, Geschäftsführer der Hanftheke Wädenswil.

Simon Frei, Geschäftsführer der Hanftheke Wädenswil. Bild: zvg

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Eine ungewöhnliche Degustation wartete am Freitag im Wädenswiler Dorfkern: Die Hanftheke lud ­Besucher bei der Eröffnung zu einer Verkostung ein. Cannabis in Öl-, Tropfen- und Kapselform stehen zur Auswahl. Ganz legal. Einen Rausch zum Frühstück? Fehlanzeige. Die Produkte, die reichlich Cannabidiol (CBD) enthalten, sind nicht psychoaktiv, ein Rausch bleibt aus. Sie sind seit mehr als einem halben Jahr in der Schweiz legal im Detailhandel zu kaufen. Die Bedingung: Der Wert des psychoaktiven Wirkstoffs THC muss unter einem Prozent liegen.

Medizinisch unbedenklich

Der Wirkstoff Cannabidiol hingegen ist laut Thilo Beck, dem Chefarzt für Psychiatrie der Arud-Zentren für Suchtmedizin in Horgen und Zürich, aus medizinischer Sicht unbedenklich. Er wirke nicht psychotrop wie das THC-reiche Cannabis, sondern angstlösend, schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Beck befürwortet diesen Schritt in Richtung Legalisierung. Da der Schutz von Konsumenten im legalen Setting besser gewährleistet werden könne. Cannabis werde illegal ja sowieso bereits «in beträchtlichem Masse» konsumiert. Die Kontrolle der Qualität sowie die Prävention seien unter Bedingungen des Schwarzmarktes schwierig bis unmöglich, gibt der Psychiater und Suchtmediziner zu bedenken. Einige Konsumenten würden das THC-reduzierte Gras gar bevorzugen, da es besser verträglich sei, sagt Beck.

Dies kann Rolf Kaser von Planet Trash, der CBD-Cannabis seit ein paar Monaten in Wädenswil verkauft, bestätigen. Ihn habe überrascht, wie unterschiedlich die Käufer seien. Leute aus allen Altersgruppen und allen Gesellschaftsschichten sind seine Kunden – vorausgesetzt, sie sind über 18 Jahre alt. Rentner, Hausfrauen und Geschäftsmänner zählt Kaser auf. «Jugendliche hingegen kommen weniger häufig», beobachtet er. Jugendliche seien auf einen Rausch aus, sie wollen «fliegen», wie Kaser sagt. CBD-Kunden seien hingegen Leute mit Schlafproblemen oder Schmerzen. Oder solche, die jahrzehntelang gekifft haben und nun die Abhängigkeit mit einem Substitut durchbrechen wollen.

Durch die neu eröffnete Hanftheke befürchtet der Geschäftsführer von Planet Trash keine grosse Umsatzeinbusse. Die Produkte würden sich geschmacklich, vom CBD-Gehalt her und im Preis unterscheiden. Im Planet Trash kosten zehn Gramm 67 Franken. In der Hanftheke bewegen sich die Preise für dieselbe Menge zwischen 100 und 150 Franken.

Erstellt: 03.06.2017, 09:59 Uhr

Nachgefragt - Interview mit Geschäftsführer Simon Frei

«Der THC-Gehalt kann exakt ermittelt werden»

Weshalb wurde gerade Wädenswil als Standort für eine weitere Hanftheke auserkoren?

Simon Frei:
Wädenswil ist eine äusserst lebendige Stadt, die immer noch Dorfcharakter hat. Wir sind überzeugt, dass die Hanftheke auch in Wädi Anklang findet.

Schreiben alle zwölf Hanftheken in der Schweiz schwarze Zahlen?

Ja, alle Hanftheken schreiben seit dem ersten Monat schwarze Zahlen.

Was erwartet Kunden – eine moderne Version eines «Kifferladens»?

Keineswegs. Das Konzept der Hanftheke hat nichts mit einem legalen Umschlagplatz von Cannabis zu tun. Die Hanftheke fokussiert auf hochwertige Hanfprodukte im Lebensmittel-, Lifestyle- und Kosmetikbereich. Im Vordergrund steht nicht der Rauchkonsum. Das Öl und die Tropfen gehen häufiger über die Ladentheke als die Hanfblüten. Dies widerspiegelt sich im breiten Angebot an Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

Wie wird der THC-Gehalt ­kontrolliert?

Unser Schweizer Produktionspartner und sein zertifiziertes Pflanzenlabor sind spezialisiert auf die Analyse von Cannabinoiden. Mittels zweier Messmethoden kann der THC-Gehalt genau ermittelt werden.

Woher stammen die angebotenen Cannabisprodukte?

Die Mehrheit wird von unserem Schweizer Produktionspartner in Wald-Schönengrund hergestellt, der sich auf Zucht, Ernte und Anbau spezialisiert hat.

In welchen Mengen gehen die ­legalen CBD-Hanfblüten monatlich über die seit heute zwölf ­Ladentheken?

Die Hanftheken verkaufen im Durchschnitt insgesamt 30 Kilogramm pro Monat.

In welchen Mengen müsste CBD-Cannabis geraucht werden, damit ein Rausch resultieren würde – vergleichbar mit dem eines illegalen Joints?

Von CBD wird man nicht high, da es nicht auf das Nervensystem wirkt. Der THC-Restgehalt reicht nicht aus, um einen Rausch auszulösen.


Interview: Andrea Schmider

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