Adliswil

Volksfreundin gegen Brückenbauer

Die beiden Stadträte Susy Senn (FDP) und Farid Zeroual (CVP) kämpfen am 15. April um das Adliswiler Stadtpräsidium. Im Interview sprechen sie über die Themen, die Adliswil in den nächsten vier Jahren aus ihrer Sicht besonders prägen.

Susy Senn und Farid Zeroual wollen beide das Stadtpräsidium. Und beide sind überzeugt, dank ihrer «breiten Führungserfahrung» dafür gewappnet zu sein.

Susy Senn und Farid Zeroual wollen beide das Stadtpräsidium. Und beide sind überzeugt, dank ihrer «breiten Führungserfahrung» dafür gewappnet zu sein. Bild: Patrick Gutenberg

Susy Senn, seit 1982 ist das Stadtpräsidium in FDP-Hand. Nun liegt es an Ihnen, dieses zu verteidigen. Der Druck muss gross sein.
Susy Senn: Ja, meine drei Vorgänger waren und sind herausragende Persönlichkeiten. Während ihrer Amtszeit hat sich Adliswil gut entwickelt. Die Latte liegt also hoch. Aber ich fühle mich bereit, diese Reihe fortzusetzen.

Sie wären zudem die erste Frau in diesem Amt.
Senn: Ich höre oft, es sei Zeit für eine Frau. Für mich ist das aber nebensächlich. Ich hoffe, die Bürger wählen jene Person, die sie für dieses Amt am fähigsten halten. Zudem finde ich es wichtig, dass wichtige Ämter wie Schul- und Stadtpräsidium nicht von der gleichen Partei besetzt sind.

Das wäre ja der Fall, wenn Ihr Kontrahent gewählt würde und Raphael Egli Schulpräsident bliebe. Farid Zeroual, wäre die CVP dann nicht tatsächlich übervertreten? Zumal der Wähleranteil der CVP in Adliswil klar hinter FDP, SVP oder SP liegt.
Farid Zeroual: Seit das Schulpräsidium nicht mehr separat gewählt wird, sondern der Stadtrat den Bildungsvorsteher stellt, ist das Schulpräsidium bei Wahlen eigentlich inexistent. Die CVP war damals ja gegen diese Pläne. Doch jetzt gibt es quasi nur noch ein Präsidium in Adliswil. Für dieses stelle ich mich zur Verfügung, weil es mich reizt.

Was reizt Sie denn genau?
Zeroual: Einerseits ein Team zu führen, das von den Wählern zusammengestellt wurde. Da könnte ich von meiner langen und breiten Führungserfahrung profitieren. Andererseits habe ich in den letzten Jahren als Finanzvorstand in viele Dossiers der Stadt hineingesehen und konnte wichtige Kontakte knüpfen. Diese Erfahrungen würde ich gerne als Stadtpräsident einbringen. Zudem kann ich als offener, dialogorientierter Mensch einer Mittepartei gut Brücken bauen. Damit möchte ich Adliswil dienen.

Der momentane Stadtpräsident Harald Huber gilt als Arbeiter im Hintergrund. Er stellt sich und seine Person nur selten in den Vordergrund. Wie würden Sie das Amt führen?
Senn: Für mich ist es wichtig, dass ein Stadtpräsident Verantwortung dafür übernimmt, dass die strategischen Ziele des Stadtrats umgesetzt werden. Dank meiner breiten, vor allem auch politischen Führungserfahrung bin ich dafür bestens gerüstet. Dazukommt, dass der Stadtpräsident die Stadt gegen aussen repräsentiert. Ich bin schon heute an vielen Anlässen präsent. Zudem bin ich in verschiedenen Vereinen Mitglied. Die Arbeit der Vereine wertzuschätzen, finde ich sehr wichtig. Als Adliswilerin, die hier aufgewachsen ist, liegt mir die Bevölkerung einfach am Herzen.

Und Sie, Farid Zeroual, mischen Sie sich auch gerne unters Volk?
Zeroual: Ja, ich engagiere mich zum Beispiel beim Theater Adliswil, da stehe ich während der Saison an der Bar. Mit meinem Hund gehe ich häufig spazieren und mache mit ihm Sozialeinsätze. So bin ich viel unterwegs und begegne den Leuten. Die repräsentative Arbeit des Stadtpräsidenten geschieht übrigens häufig nicht im Rampenlicht. Zum Beispiel bei grossen Projekten in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Behörden. Da muss man einen Prozess zuerst einmal völlig ergebnisoffen initialisieren. Auch das liegt mir.

Ihr Stadtratskollege Raphael Egli und die Schulpflege stehen gerade aufgrund der Problemschule Zopf in der Kritik. Der Gesamtstadtrat äusserte sich bisher nie zum Thema. Müsste ein Stadtpräsident nicht aktiver das Krisenmanagement leiten?
Zeroual: Das ist ein spezieller Fall. Denn die Schulpflege ist wie der Stadtrat eine gewählte Exekutivbehörde mit Entscheidungshoheit. Die Personalthemen, um die es in diesem Fall geht, liegen in der Kompetenz der Schule. Der Stadtrat hat hier kaum Einfluss.

«Ich bin schon heute an vielen Anlässen präsent.»
Susy Senn

Trotzdem: Raphael Egli ist Mitglied des Stadtrats.
Senn: Aber die Beschwerde richtet sich ja gegen die Schulpflege und nicht gegen den Stadtrat. Und schliesslich sind wir alles vom Volk gewählte Einzelpolitiker, die verantwortlich sind für das ihnen zugeteilte Ressort. Dieser Verantwortung kann man sich nicht entziehen. Aber dass man sich gegenseitig unterstützt, soweit möglich, ist selbstverständlich.

Zeroual: Genau. Ob Harald Huber die Situation mit Raphael Egli besprochen hat, weiss ich nicht. Als Präsident würde ich aber in einem solchen Fall Unterstützung anbieten, sofern diese gewünscht ist.

In Adliswil stehen grosse Veränderungen an. Im Dietlimoos, auf dem Stadthausareal, im Zentrum, im Sood - überall wird in den kommenden Jahren gebaut. Wo legen Sie die Schwerpunkte?
Senn: Es ist nicht ein einzelnes Projekt, sondern die Summe von allen. Die Stadt wird sich verändern. Einerseits muss diese Entwicklung finanzierbar sein. Andererseits dürfen wir im Zuge des Wachstums die Infrastruktur nicht vernachlässigen. Und da meine ich nicht nur Strassen und Schulhäuser. Sondern zum Beispiel auch den öffentlichen Verkehr oder die Sportinfrastruktur. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, damit die Verdichtung für Bevölkerung und Umwelt verträglich erfolgt.

Und wie sieht Ihre Gewichtung aus, Farid Zeroual?
Zeroual: Ein Schwerpunkt ist ganz klar das Quartier Sood. Von Zürich her kommend ist es nach Greencity die nächste Geländekammer, in der eine Aufwertung ansteht. Nach dem Wegzug der Swiss Re muss das Quartier Sood an Attraktivität gewinnen. Für Arbeitsplätze ist die Lage, auch dank der Nähe zur Natur, schon heute hervorragend. Was aber noch fehlt, sind Einkaufsmöglichkeiten. Darum muss dort möglichst bald eine Zentrumsgestaltung passieren. Dies auch, um das Stadtzentrum vom Verkehr zu entlasten.

Stichwort Verkehr: Ein neuer Bushof wird aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren entstehen. Und die SZU wird einen dichteren Fahrplan einführen. Was muss ÖV-technisch sonst noch passieren?
Senn: Mit der Weiterentwicklung des Gebiets Dietlimoos sollten die dortigen Buslinien zwischen Wollishofen und Adliswil häufigere Verbindungen erhalten. Der heutige Halbstundentakt ist zu wenig. Zudem braucht es im Dietlimoos ein Quartierzentrum mit Einkaufsmöglichkeit. Heute fahren die meisten Bewohner für ihre Einkäufe mit dem Auto ins Zentrum.

Zeroual: Wichtig ist auch, dass der Zimmerberg querende Verkehr verbessert wird. Gerade hinsichtlich des neuen Gymnasiums, das in der Au entstehen wird. Der Fahrplan der Buslinie 156 von und nach Thalwil müsste zum Beispiel ausgebaut werden.

Senn: Nichtsdestotrotz brauchen wir auch genügend Parkplatzmöglichkeiten im Stadtzentrum. Nach der Devise: Den Verkehr steuern, statt zu verhindern.

Und wenn die Menschen dann einmal im Zentrum angekommen sind, sollen sie auch verweilen können. Wie kann man das Zentrum für die Bevölkerung noch attraktiver gestalten?
Senn: Ein Café auf dem Bruggeplatz wäre schön. Denn wir haben zwar diesen zentralen Platz, aber eine richtige Begegnungszone ist er nicht. Ausserdem sollten wir unsere Sihl aufwerten und den Zugang zu ihr verbessern.

«Stadtpräsident und Kantonsrat zu sein, fände ich eine gute Kombination.»
Farid Zeroual

Zeroual: Unser Zentrum ist momentan definitiv unter dem Potenzial, das es haben könnte. Das liegt vor allem daran, dass es sich im Wesentlichen auf den Raum zwischen den beiden Kreiseln der Albisstrasse beschränkt. Aber sobald das Stadthausareal auf der anderen Sihlseite bebaut ist und auch im Zentrum Süd mehr Angebote existieren, dehnt sich das gesamte Zentrum aus. Wie an der langgezogenen Gotthardstrasse in Thalwil hat man dann mehr Gründe, sich länger im Zentrum aufzuhalten.

Was in Adliswil je länger je mehr fehlt, sind Ausgehmöglichkeiten. Das Nelson Pub ist bereits zu, das Stahlwerk wird bald schliessen. Gleichzeitig ist Zürichs Anziehungskraft sehr stark. Was muss die Stadt unternehmen?
Senn: Wenn jemand mit dem Wunsch, ein Lokal zu eröffnen, auf die Stadt zukommt, dann helfen wir gerne bei der Standortsuche. Der Stadtrat kann da sein Netzwerk einsetzen. Aber ich glaube nicht, dass es Aufgabe des Staats ist, aktiv Ausgehmöglichkeiten zu schaffen und so der Jugend quasi vorzuschreiben, wo sie in den Ausgang gehen soll.

Zeroual: Klar ist, dass uns das Wachstum Adliswils auch bei den Freizeitangeboten vor neue Fragen stellt. Ist Zentralisierung noch die richtige Lösung? Oder sollten wir dafür sorgen, dass gewisse Freizeitangebote in den Quartieren stattfinden? In der Jugendarbeit hat unser Stadtratskollege Renato Günthardt diesbezüglich schon erste Schritte unternommen.

Zum Schluss nochmals zurück zu Ihrer Kandidatur: Aus Adliswils Stadtrat sind schon einige bekannte Politiker wie Mario Fehr und Thomas Heiniger hervorgegangen. Streben Sie neben dem Stadtpräsidium noch nach Höherem?
Zeroual: In meinem Fall ist es so, dass ich für die CVP als erster Ersatzmann in den Kantonsrat nachrücke, sobald es zu einem Wechsel der CVP-Vertretung aus dem Bezirk kommt. So wäre ich also Stadtpräsident und Kantonsrat zugleich, wie damals Thomas Heiniger. Ich denke, das wäre eine gute Kombination, dank der ich beim Kanton die Interessen der Stadt Adliswil vertreten könnte. Sowohl von den Fähigkeiten her als auch zeitlich würde ich mir dieses Doppelmandat zutrauen.

Senn: Meiner Meinung nach haben solche Doppelfunktionen nicht nur Positives.

Das heisst, was Farid Zeroual anstrebt, finden Sie schlecht?
Senn: Nein, aber ich bezweifle den Mehrwert. Denn die beiden Ämter sind völlig verschieden. Die Interessen von Kanton und Gemeinden sind häufig entgegengesetzt, wie diverse Beispiel zeigen.

Heisst das umgekehrt, dass das Stadtpräsidium für Sie die letzte Station Ihrer Politkarriere wäre?
Senn: Ja, nach 23 Jahren in verschiedenen Ämtern der Adliswiler Politik wäre das Präsidium nochmals etwas Neues. Dabei würde ich mich mit vollem Engagement auf die Herausforderungen in Adliswil konzentrieren. (Markus Hausmann / Pascal Münger) (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.03.2018, 12:00 Uhr

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