Wädenswil

«Viola Amherd ist eine grosse Chance für uns»

Bernhard Müller, der Chef der Schweizer Luftwaffe, warb in Wädenswil für den milliardenteuren Kauf von neuen Kampfjets. In seinem Referat erklärte er auch, warum es passt, dass gerade jetzt eine Frau der Armee vorsteht.

Beim Thema Kampfjetbeschaffung «kommt jetzt die heisse Phase», sagte Divisionär Bernhard Müller vor dem Publikum der Offiziersgesellschaft.

Beim Thema Kampfjetbeschaffung «kommt jetzt die heisse Phase», sagte Divisionär Bernhard Müller vor dem Publikum der Offiziersgesellschaft. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einem Hangar auf dem Militärflugplatz Payerne trat Bernhard Müller vorletzte Woche vor die Medien. Stolz präsentierte er dort eine besondere Mitarbeiterin: Fanny Chollet, die erste weibliche Kampfjetpilotin der Schweiz. Am Dienstagabend nun stand Müller, Kommandant der Schweizer Luftwaffe, selber im Fokus des Interesses. Der 61-Jährige war von der Offiziersgesellschaft Zürichsee linkes Ufer für ein Referat in der Wirtschaft zum Neubüel eingeladen worden.

«Jetzt kommt die heisse Phase», sagte der drahtige Divisionär im Militärtenue vor den rund 50 Zuhörern. Damit sprach er die anstehende politische Debatte über die Erneuerung der Luftwaffe an. Für acht Milliarden Franken will der Bundesrat bekanntlich neue Kampfflugzeuge und Boden-Luft-Raketen anschaffen. Über das rekordteure Rüstungsgeschäft wird zuerst das Bundesparlament befinden, danach das Volk an der Urne. Die heutigen Kampfmittel der Luftwaffe seien veraltet, betonte Müller. Das Leben der F/A-18-Jets «verrinnt» durch die hohe Belastung. «Im Jahr 2030 werden wir die letzten auf der Welt sein, die damit fliegen».

Sie suchen keine Freunde

Die Erneuerung der Luftwaffe müsse also dringend in Angriff genommen werden. Diese Botschaft zu vermitteln, ist eine der grössten Aufgaben, die den Mann aus Alpnach in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wird. Dass die Luftwaffe notwendig ist, schien unter den Zuhörern der Offiziersgesellschaft – wenig überraschend – denn auch niemand zu bezweifeln. Trotzdem erklärte er die Hintergründe.

So sprach Müller von der Rückkehr zur Machtpolitik und von Regierungen, die «keine Freunde suchen, sondern ihre Interessen mit aller Kraft durchsetzen». Die USA und Russland seien zum Beispiel daran, ihre Mittel und Standorte auszubauen, sodass sie überall auf der Welt innerhalb einer Stunde «Waffenwirkung im Ziel» haben. Auch in Europa sei das politische Umfeld viel instabiler geworden, als man es sich vor wenigen Jahren noch vorgestellt hatte.

Dass die Schweiz ein direktes Angriffsziel ist, glaube er nicht, sagte der Luftwaffenchef. «Aber als Land, das souverän sein will, wollen wir auch bestimmen können, wer uns überfliegt und wer nicht.» Um den Missbrauch des Schweizer Luftraums verhindern zu können, brauche es eben eine glaubwürdige Luftverteidigung.

2000 Fragen zu Kampfjets

Welcher Flugzeugtyp dazu am geeignetsten ist, wird zwischen April und Juni in Payerne getestet. Dann überprüfen Piloten und andere Experten die fünf zur Auswahl stehenden Modelle. Die Hersteller hätten der Armee bereits einen Fragebogen mit 2000 Fragen beantworten müssen und «wir werden sie noch weiter löchern». Dies alles, um genau zu wissen, was man der Politik und dem Volk präsentieren wird. Schliesslich soll es anders herauskommen als 2014 beim Debakel um den als «Papierflieger» verschmähten Gripen.

Das Ziel sei, dem Bundesrat bis im Herbst 2020 empfehlen zu können, wie viele Jets von welchem Typ gekauft werden sollen. Der genaue Fahrplan der Vorlage hänge aber wesentlich davon ab, wie schnell das Dossier nun von der neuen Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) vorangetrieben wird. Unabhängig davon sei es «eine grosse Chance für uns, dass wir nun zum ersten Mal eine Frau als Verteidigungsministerin haben». Denn vom 8-Milliarden-Rüstungspaket müssten nicht nur Männer überzeugt werden. Amherd erreiche auch das weibliche Publikum. Genauso diene auch die junge Pilotin Chollet als Botschafterin für die junge Generation.

Helikopter voller Frauen

Sich selber positionierte Bernhard Müller, der seit 2018 an der Spitze der Luftwaffe steht, als Frauenförderer. Vor dem fast ausschliesslich männlichen Publikum berichtete er sichtlich erfreut darüber, wie Bundesrätin Amherd von einem rein weiblichen Team im Januar ans WEF nach Davos geflogen worden war. Mütter, die Teilzeit arbeiten, gebe es in der Luftwaffe schon seit zwanzig Jahren.

Der Divisionär, der selber Helikopterpilot ist, berichtete in seinem 40-minütigen Referat auch von besonderen Erlebnissen aus seiner Karriere. So erzählte er, wie er 1999 den plötzlichen Einsatz der Schweizer Luftwaffe in Albanien erlebte. Oder wie er 2004 den Helikopter-Einsatz plante für die Hilfe in Sumatra nach dem Tsunami. Die Luftwaffe sei jederzeit wieder bereit für solche Einsätze. Mit der Bereitschaft soll es im Übrigen auch bezüglich Luftpolizeidienst bald besser werden. Ende 2019 werde man nicht mehr nur zu Bürozeiten, sondern rund um die Uhr im Einsatz stehen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.03.2019, 17:51 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!