Wahlen

«Ich habe bis zum Schluss gebibbert»

Judith Bellaiche aus Kilchberg ist neue Nationalrätin. Sie spricht über den Wahlerfolg der GLP, ihre Ziele in Bundesbern und was der vergangene Sonntag für die Frauen bedeutet.

Judith Bellaiche (Zweite von links) feiert mit der GLP den Wahlerfolg.

Judith Bellaiche (Zweite von links) feiert mit der GLP den Wahlerfolg. Bild: Keystone

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Die ehemalige Kilchberger Gemeinderätin Judith Bellaiche hat den Sprung in den Nationalrat geschafft. Sie holt sich mit 54179 Stimmen den sechsten und letzten Platz auf dem Zürcher GLP-Ticket nach Bern. Die 48-Jährige Grünliberale sitzt bereits seit 2011 im Zürcher Kantonsrat. Diesen Sitz wird sie nun räumen. Für sie rutscht dort der Adliswiler Gemeindeparlamentarier Gabriel Mäder nach. Ein Kapitel endet, damit ein neues anfängt, sagt Bellaiche zum Wechsel von Zürich nach Bern.

Judith Bellaiche, wie haben Sie den Wahlsonntag erlebt? Am Sonntag war für die Grünliberalen früh klar, dass wir gut abschneiden. Es war dennoch eine Zitterpartie, ob es für mich auf dem fünften Listenplatz reichen würde. Wir hatten intern einen starken Wettbewerb. Dass es nun gereicht hat, überwältigt mich. Es geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Ruhe ist auch am Tag danach noch nicht eingekehrt. Ich erhalte noch immer Hunderte Nachrichten.

Haben Sie mit Parteikollegen auf das Ergebnis gewartet? Ja, wir haben uns gegenseitig Mut zugesprochen. Aber dennoch trieb mich das stundenlange Bibbern in den Wahnsinn.

Warum konnten sich die Grünliberalen so steigern? Natürlich hat die nationale grüne Welle geholfen. Man darf aber nicht vergessen, dass die GLP in den vergangenen Jahren sehr stark gearbeitet hat. Wir haben gezeigt, dass das grünliberale Konzept eine Zukunft hat und wir glaubwürdig politisieren. Bei diesen Wahlen konnten wir von links und rechts Stimmen holen.

Ist das unterdurchschnittliche Abschneiden von Tiana Moser bei den Ständeratswahlen ein Wermutstropfen für die Partei? Der Ausgang ist sicher überraschend. Aber wir haben noch keine Diskussion über einen zweiten Wahlgang geführt. Es ist aus meiner Sicht alles offen, wer dann antreten wird. Ich bin nicht sicher, ob eine doppelte Linksvertretung für den Kanton Zürich das richtige wäre.

Nichtsdestotrotz war der Sonntag ein Erfolg für die Frauen. Ja, aber wir sollten uns nicht zu fest freuen. Noch sind wir im Nationalrat nicht beim angestrebten Frauenanteil von 50 Prozent. Trotzdem ist das Resultat natürlich erfreulich. Gerade für junge Frauen können wir ein Vorbild sein und ihnen Mut machen, eine politische Laufbahn einzuschlagen.

Im Kantonsrat sind sie in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben. Wollen Sie dieser auch im Nationalrat beitreten? Als Wirtschaftspolitikerin ist das mein Traum. Dies wird dann aber die Fraktion entscheiden und mir ist bewusst, dass ich als Neugewählte hinten anstehen muss.

Seit Mai sind Sie Geschäftsführerin des Wirtschaftsverbandes Swico. Dieser setzt sich unter anderem für Start-Ups der ICT-Branche aber auch für Konzerne wie Microsoft oder Google ein. Lassen sich die Ämter vereinbaren? Es war von Anfang an klar, dass sich ein Nationalratsmandat sehr gut mit meiner Arbeit in der Swico ergänzen würde. Die Digitalisierung kommt auf der politischen Agenda noch zu kurz. Das möchte ich ändern und unter anderem für Start-Ups einen fruchtbaren Boden und gute Rahmenbedingungen schaffen.

Mit wem könnten Sie sich im Nationalrat eher eine Allianz vorstellen: Mit den Grünen oder den Liberalen? Ich bin klar auf der liberalen Seite. Aber in der Fraktion arbeite ich je nach Thema in Wechselwirkung mit beiden Parteien.

Haben Sie sich schon einen Nationalrats-Knigge beschafft?
Ich telefoniere sicher bald mit Thomas Weibel aus Horgen, dessen Sitz ich ja quasi übernehme und lasse mich über die Do’s und Dont’s aufklären.

Erstellt: 20.10.2019, 21:50 Uhr

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