Wädenswil

«Viele Austritte erträgt es nicht mehr»

Die Sparcassa 1816 ist heute die einzige Bank am Zürichsee, die zur Clientis-Gruppe gehört. Vor kurzem hat auch die Zürcher Regionalbank ihren Austritt angekündigt. Sparcassa-1816-CEO Marcel Melliger will aber am bisherigen Weg festhalten.

Der Geschäftsleiter der Clientis Sparcassa 1816, Marcel Melliger: «An unserem Besitzstand wird nicht gerüttelt».

Der Geschäftsleiter der Clientis Sparcassa 1816, Marcel Melliger: «An unserem Besitzstand wird nicht gerüttelt». Bild: Sabine Rock

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Marcel Melliger, die Clientis Zürcher Regionalbank (ZRB) hat ihren Austritt aus dem Clientis-Verbund angekündigt: Ändert dies etwas an der Strategie der Clientis Sparcassa 1816?
Marcel Melliger: Ich bedaure den Austritt der Clientis Zürcher Regionalbank aus unserer Bankengruppe natürlich sehr, zumal sie zu den treibenden Kräften bei der Gründung des Clientis-Verbunds vor 15 Jahren gehörte.

Und was ändert sich damit an der Ausgangslage für Ihre Bank?
An unserer Ausrichtung ändert sich nichts. Wir haben uns als Verkaufs- und Vertriebsbank positioniert und unsere administrativen Tätigkeiten weitgehend ausgelagert. Dabei hilft uns die Clientis-Gruppe ganz entscheidend, indem sie uns vieles abnimmt, wie das IT-Plattform-Management oder den Bereich Compliance, also die Einhaltung der regulatorischen Vorschriften. Als kleine Bank wäre dies aus eigener Kraft kaum zu stemmen.

Ist der Austritt der ZRB nicht auch ein Signal, dass es mit dem Clientis-Verbund abwärtsgeht? Die Zahl der Mitglieder sinkt seit Jahren – von ursprünglich 31 auf heute, unter Ausklammerung der ZRB, noch 14.
Das könnte man so sehen. Grundsätzlich ist aber das Gegenteil der Fall: Die Clientis-Gruppe hat ihr Dienstleistungsangebot in den letzten drei Jahren stark ausgeweitet. Entscheidend für die Austritte ist der Grössenunterschied innerhalb der Gruppe, die sehr heterogen zusammengesetzt ist. So ist die Clientis Zürcher Regionalbank zwölfmal so gross wie die kleinste Clientis-Bank und dreimal so gross wie die nächstfolgende. Aus diesem Grund haben sich die Bedürfnisse innerhalb des Verbunds über die Jahre anders entwickelt, etwa im Bereich des Private Banking und des Firmenkundengeschäfts. Die Zürcher Regionalbank sieht sich durch die zunehmende Standardisierung in ihrem Geschäft eingeschränkt, während sie für Mitglieder wie die Sparcassa 1816 Kostenvorteile bringt.

Hat die Clientis-Gruppe aus Ihrer Sicht noch eine Zukunft?
Davon bin ich überzeugt. Der Clientis-Verbund bietet seine Dienstleistungen ja auch anderen Banken an, die nicht zum Verbund gehören. Es gibt Themen, wo man gerade als Regionalbank irgendwo mit eingebunden sein muss, insbesondere im IT-Bereich. Wir haben einen gemeinsamen Provider, der das Rechenzentrum betreibt. Dazu kommt der ganze Bereich Digitalisierung, der hohe Investitionen und personelle Ressourcen erfordert. Hier gilt es, den Zug nicht zu verpassen. Im Alleingang sind diese Aufgaben für eine Bank unserer Grössenordnung nicht mehr zu bewältigen. Von daher ist unser Modell zukunftsgerichtet.

Gibt Ihnen der Mitgliederschwund nicht zu denken?
Doch, das tut er. Die Beweggründe sind aber wie gesagt teils unterschiedlich. Und dass sich diese Banken ausserhalb der Clientis-Gruppe positiver entwickelt hätten, lässt sich auch nicht belegen. Es gibt für uns eine Kennzahl, die in diesem Zusammenhang wichtig ist, die sogenannte Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis vom Geschäftsaufwand zum Ertrag. Dank der Auslagerung gewisser Geschäftsbereiche an die Gruppe bewegen wir uns diesbezüglich auf einem tiefen Niveau, bei knapp 52 Prozent. Das ist verglichen auch mit den Regionalbanken ausserhalb der Clientis-Gruppe sehr gut.

Aber weitere Austritte verträgt es nicht mehr viele . . .
Das ist richtig. Und es gibt sicher irgendwo eine Schmerzgrenze, ab der sich das Modell nicht mehr aufrechterhalten lässt. Grundsätzlich gilt, dass die verbleibenden 14 Clientis-Banken nach dem Austrittsentscheid der ZRB alle eine Verpflichtung abgegeben haben, nach der sie sich weiter zur Gruppe bekennen und hinter dem Geschäftsmodell stehen, das trotz allem erfolgreich ist.

Inwiefern erfolgreich?
Wir haben innerhalb des Clientis-Verbundes gemäss unseren eigenen Vorgaben die Kosten gesenkt. Bei uns sind das im Informatikbereich, immerhin der zweitgrösste Kostenblock nach den Personalkosten, ungefähr 20 Prozent Einsparungen.

Vor kurzem wurde der Verband Schweizer Regionalbanken (VSRB) aus der Taufe gehoben, zu dem auch die Sparcassa 1816 gehört: Steht er nicht in Konkurrenz zur Clientis-Gruppe?
Nein. Der VSRB ist anders gelagert. Zum Verband gehören 58 Regionalbanken mit einer Bilanzsumme von 115 Milliarden Franken. Zudem bietet der VSRB keine Dienstleistungen in den von Clientis angebotenen Bereichen an. Der Verband wurde gegründet, um den Regionalbanken in der Schweiz eine einheitliche Stimme zu geben. Das ist ein Stück weit eine logische Folge der Regulierungen der letzten Dekade, in der zu wenig unterschieden wurde zwischen den inlandorientierten Banken und den Grossbanken, die international tätig sind. Ich hätte mir diese Einrichtung schon früher gewünscht. Aber besser spät als nie.

Wie zufrieden sind Sie mit dem derzeitigen Geschäftsgang der Clientis Sparcassa 1816?
Ich bin zufrieden. Wir sind auf Budgetkurs, in einem Umfeld, das nicht einfacher geworden ist, gerade im Finanzierungsbereich. Wir haben es mit neuen Mitbewerbern zu tun, Pensionskassen und Versicherern, die Hypotheken vergeben. Das drückt auf die Preise, und die Zinsmargen kennen seit Jahren nur eine Richtung, nach unten. Dennoch verbuchen wir im laufenden Jahr ein Wachstum, das wir uns auch zum Ziel gesetzt haben. Wir sind zudem sehr gut diversifiziert und verfügen, was für eine Bank untypisch ist, noch über ein weiteres Standbein, das relativ stabil ist: ein eigenes Renditeliegenschaften-Portefeuille, das uns die notwendigen Mieterträge bringt.

Sind der Mitarbeiterbestand und das Filialnetz bei der Clientis Sparcassa 1816 unbestritten?
Das ist alles unbestritten. An unserem Besitzstand wird nicht gerüttelt. Wir sind ohnehin schlank aufgestellt, vor allem dank der Zugehörigkeit zur Clientis-Gruppe. Für eine Bilanzsumme von bald 1,4 Milliarden Franken verfügen wir über einen Bestand von 31 Vollzeitstellen. Das ist sehr wenig. Da muss man schon sehr gut organisiert sein. Und das sind wir. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.06.2018, 13:42 Uhr

Clientis Sparcassa 1816

Die Sparcassa 1816 mit Hauptsitz in Wädenswil und Geschäftsstellen in Richterswil, Affoltern am Albis, Wettswil am Albis und Mettmenstetten beschäftigt 31 Mitarbeitende. Als rechtlich selbstständiges und genossenschaftlich organisiertes Institut ist die Sparcassa 1816 Mitglied der Regionalbankengruppe Clientis. Die Mitgliedsbanken sind mit der jeweiligen Rechtsform und den Organen vor Ort selbstständig. Über die Clientis AG arbeiten sie in mehreren Bereichen zusammen, etwa der Refinanzierung, IT, Marktbearbeitung und Compliance.

Die Clientis-Gruppe wurde 2003 von 31 Regionalbanken gegründet. In der Zwischenzeit ist sie auf 15 Mitglieder geschrumpft. Mitte Mai gab die Clientis Zürcher Regionalbank bekannt, dass sie sich per Ende 2019 aus der Gruppe zurückzieht. In der Region hatte die Bank Zimmerberg der Clientis-Gruppe schon Ende 2012 den Rücken gekehrt. Ende 2013 folgte die Regiobank Männedorf ihrem Beispiel.

Zur Person

Marcel Melliger ist seit 1997 bei der Clientis Sparcassa 1816 in Wädenswil tätig, zuerst als Filialleiter in Affoltern am Albis, ab 2004 als Regionenleiter Knonauer Amt und Mitglied der Geschäftsleitung und seit 2014 als CEO. Nach einer kaufmännischen Lehre beim Schweizerischen Bankverein und seiner Ausbildung zum eidg. dipl. Bankfachmann hatte der 55-Jährige verschiedene Tätigkeiten bei Gross- und Regionalbanken inne.

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