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Mit Anna Känzig in den Sonnenuntergang

Sängerin Anna Känzig hat am Dienstagabend die Fährenkonzerte des diesjährigen Musig am Zürisee eröffnet. Das Publikum war sichtlich angetan – sowohl von der Musik als auch von der herrlichen Kulisse.

Das Konzert von Anna Känzig war restlos ausverkauft – über 100 Gäste besuchten das Konzert auf der Fähre.
Das Konzert von Anna Känzig war restlos ausverkauft – über 100 Gäste besuchten das Konzert auf der Fähre.
Moritz Hager

Es hätte nicht viel gefehlt und der Auftakt der Fährenkonzerte am diesjährigen Musig am Zürisee wäre buchstäblich ins Wasser gefallen. Es ist 18.30 Uhr, Anna Känzig sitzt mit ihrem Bühnenpartner Ramon Ziegler und Tontechniker Thierry Looser im Restaurant Löwen in Meilen. Sie wirkt angespannt, gar gestresst: «In 20 Minuten müssen wir los auf die Fähre, der Soundcheck muss noch gemacht werden.»

Die Songwriterin aus Meilen war bis vor ein paar Stunden noch für ein Projekt mit dem Schweizer Starkoch René Schudel in Düsseldorf. Wegen eines Unfalls auf der Autobahn hat sie ihren geplanten Flieger verpasst und es nur mit viel Glück noch rechtzeitig nach Meilen geschafft. «Kann ich mir den Rest des Essens einpacken lassen?», fragt sie, ehe das Trio hastig Richtung Schiffssteg aufbricht. Vor Konzerten könne sie ohnehin nie viel essen, verrät die 32-Jährige. Sie sei auch nach all den Jahren noch immer nervös vor ihren Auftritten.

«Auffällig ist, wie gut die Titel der Stücke oft zum jeweiligen Moment passen», Anna Känzig über ihr Fährenkonzert.
«Auffällig ist, wie gut die Titel der Stücke oft zum jeweiligen Moment passen», Anna Känzig über ihr Fährenkonzert.

Magische Stimmung

Fünf Minuten später ist die Fähre bereits wieder auf halbem Weg Richtung Horgen, während Känzig und ihre Crew an Bord die letzten Vorbereitungen treffen. Der kleine Saal auf dem Oberdeck ist bereits eingerichtet. Bleibt noch eine halbe Stunde für den Soundcheck. Der Gitarre fehlt noch etwas Wärme, die Stimme braucht mehr Hall. Dann ist endlich alles bereit.

Kurz darauf steigen die ersten Gäste in Horgen zu, eine Seeüberquerung später ist der Raum rappelvoll. Das Konzert ist restlos ausverkauft, über 100 Gäste wollen die Schweizer Songwriterin hautnah erleben. Anna Känzig hat in ihrer Karriere schon viel ausprobiert. Jazz, Folk oder moderner Pop – sie zeichnet sich durch ihre Vielfältigkeit aus. So hält sie auch für den heutigen Abend eine bunte Mischung aus Songs all ihrer drei bisherigen Alben bereit.

Als Kind auf der Fähre

Bereits mit dem ersten Lied «Don’t Get Lost» zieht sie das Publikum in ihren Bann, das von der Atmosphäre sichtlich angetan ist. Die Augen geschlossen, die Gesichter strahlend, glücklich lächelnd oder mit dem Kopf im Takt wippend, lauschen die Gäste den nachdenklich machenden Klängen.

Der atemberaubende Sonnenuntergang auf dem Zürichsee verleiht dem intimen Beisammensein dabei fast etwas Magisches.

Auffällig ist, wie gut die Titel der Stücke oft zum jeweiligen Moment passen. Dem Fährmann gewidmet singt sie zum Beispiel: «Oh sailorman, what you gonna do without your crew», bevor sie die Gäste mit den jazzigen Rhythmen von «Bonnie & Clyde» wieder aufweckt. Als die Fähre erneut vor dem Restaurant Löwen in Meilen anlegt, gibt die Sängerin ihren Hit «Lion’s Heart» zum Besten. Und bittet im nächsten Song sogleich: «Please don’t ask me to stay», als sich das Schiff auch schon wieder zurück aufs offene Wasser bewegt.

Die Motoren rumoren, lassen den ganzen Körper vibrieren. Der satten Stimme von Känzig kann all dies nichts anhaben.

Die Sängerin führt denn auch gekonnt durch den Abend, bringt mit witzigen Anekdoten zwischen den Liedern das Publikum immer wieder zum Lachen. So erzählt sie von ihrer Kindheit, als sie immer mit der Fähre nach Horgen fuhr, nur weil dort dieser spezielle Passfotoautomat stand, den es in Meilen nicht gab. Die Musikerin fühlt sich selber so wohl, dass sie glatt die geplante Pause vergisst. So bleibt auch nach dem Abschlusssong «Drive All Night» noch genug Zeit für eine Zugabe, welche die Gäste derart geniessen, dass einige von ihnen beinahe den Ausstieg in Meilen verpassen.

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