Horgen

Elternumfrage sorgt in Horgen für Zündstoff

Anfang Juni kündete die Horgner Schulpflege eine Elternumfrage zum Betreuungsangebot an. Kurz darauf wurde sie verschoben. Eine Horgner Mutter will sich das nicht gefallen lassen.

Die Schule Rotweg ist eine von fünf Tagesschulen in Horgen mit eine begrenzten Anzahl Plätze.

Die Schule Rotweg ist eine von fünf Tagesschulen in Horgen mit eine begrenzten Anzahl Plätze. Bild: Manuela Matt

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Um abzuklären, ob und wie zufrieden Horgner Eltern mit der ausserschulischen Betreuung sind, plant die Schule Horgen «eine Elternumfrage zum aktuellen und zukünftigen Betreuungsbedarf». Auch auf die Frage, ob Bedarf an einem zweiten unterrichtsfreien Nachmittag bestehe, sollte darin eingegangen werden. Vom 10. bis 24. Juni würde die Onlineumfrage durchgeführt, hiess es Anfang Juni auf der Webseite der Gemeinde Horgen. Nur zwei Tage darauf, am 5. Juni, meldete die Schulpflege die Umfrage sei «aus organisatorischen Gründen einstweilen verschoben.»

Das enttäuscht eine Horgnerin, die bereits mehrfach an die Schulpflege herangetreten ist, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Horgen nicht gewährleistet sei. Die Mutter dreier Kinder möchte anonym bleiben.

In anderen Gemeinden, wie etwa Thalwil oder Adliswil habe man gute Chancen, einen Betreuungsplatz für die Kinder zu bekommen, sagt sie. Ganz anders sei die Situation In Horgen sei dies nicht der Fall, weil die bestehenden Kapazitäten in der Regel bereits ausgeschöpft seien.

Auf grossen Druck der Elternschaft hin sei im Schulhaus Rotweg für das kommende Schuljahr eine zweite Tagesschulgruppe eröffnet worden, um der starken Nachfrage gerecht zu werden. So werde das Problem jedoch nur kurzfristig gelöst, sagt die Horgnerin. «Ohne Planung seitens der Gemeinde ist es auch den Eltern in Horgen nicht möglich, die Zukunft mit zwei berufstätigen Eltern zu planen. Es sei denn, man kann sich auf die Hilfe der Grosseltern verlassen oder hat eine Nanny.»

Schlechte Erfahrung mit Schulpflege

In mehreren Briefen habe sie sich an die Präsidentin der Schulpflege, Carla Loretz (parteilos), gewendet, um zu erfahren, wie die Schulpflege die Planung der Tagesstrukturen künftig an die Hand nehmen wolle. Vergangenen Dezember sei es dann zu einem Treffen mit Carla Loretz und Roger Herrmann, dem ehemaligen Abteilungsleiter der Schulpflege, gekommen. «Dabei bekam ich zwar erneut keine konkreten Antworten auf meine Fragen», sagt die Horgnerin. Loretz und Herrmann hätten ihr jedoch versichert, dass eine Abklärung des hiesigen Bedarfs an ausserschulischer Betreuung bereits in Planung sei und in naher Zukunft durchgeführt werde. Zudem habe man ihr versichert, eine Arbeitsgruppe der Schulpflege werde im Januar 2019 Schritte definieren, um die Betreuungssituation zu verbessern.

«Es ist schon seit längerem bekannt, dass die Betreuungssituation in Horgen katastrophal ist.»

Dass die versprochene Abklärung nun auf einen unbestimmten Termin verschoben wurde, überrascht die Mutter aus Horgen nicht. Es passe zu ihren bisherigen Erfahrungen mit der Schulpflege, die sich auch zum Beantworten eines Briefes gut und gerne zwei Monate Zeit lasse.

«Katastrophale Situation»

Ihre Anfrage nach den Ergebnissen der Januar-Klausur ist bis heute unbeantwortet. «Es ist schon seit längerem bekannt, dass die Betreuungssituation in Horgen katastrophal ist.» Dennoch habe seit der ersten Abklärung des Betreuungsbedarfs 2008 keine weitere stattgefunden. Die erneute Verzögerung der Umfrage zeige, dass Tagesstrukturen in Horgen weiterhin keine Priorität sei.

Das Volksschulgesetz vom Juni 2006 verpflichtet die Gemeinden «bedarfsgerechte Betreuungsangebote einzurichten.» In der dazugehörigen «Wegleitung Tagesstrukturen» sind die nötigen Schritte von der Planung der Umfrage bis hin zur Evaluation des neuen Angebotes aufgezeigt. Den Fragebogen für die Bedarfserhebung, wie auch ein Auswertungstool stellt das Volksschulamt zur Verfügung.

Carla Loretz will sich derweil nicht zur verschobenen Elternumfrage oder ihrer Strategie für das Betreuungsangebot äussern. Erst auf eine wiederholte Anfrage hin verweist sie auf die, in der Gemeindeinformation genannten «organisatorischen Gründe», welche zur Verschiebung der Elternumfrage geführt hätten. Ein neuer Termin werde voraussichtlich noch vor den Sommerferien festgelegt. Die Schulpflege werde im neuen Schuljahr weiter informieren.

Für die dreifache Mutter steht fest, dass sie nicht ruhen wird, bis die Tagesstrukturen in Horgen so ausgebaut sind, dass alle Mütter einer bezahlten Arbeit nachgehen können — nicht nur jene, die auf Grosseltern und Nannys zählen können.

Erstellt: 03.07.2019, 15:39 Uhr

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