Wädenswil

Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs könnte an Formalität scheitern

Zwei Gemeinderäte brachten einen längeren Vaterschaftsurlaub auf das politische Parkett. Auch wenn der Stadtrat für das Anliegen Sympathien hat, lehnt er die Forderung ab.

Der Wädenswiler Stadtrat anerkennt zwar den Sinn eines längeren Vaterschaftsurlaubes – mittels einer Motion könne dieser aber nicht umgesetzt werden.

Der Wädenswiler Stadtrat anerkennt zwar den Sinn eines längeren Vaterschaftsurlaubes – mittels einer Motion könne dieser aber nicht umgesetzt werden. Bild: Keystone

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Für frischgebackene Väter, die in der öffentlichen Verwaltung des Kantons Zürich arbeiten, sind fünf Tage Urlaub vorgesehen. Daran orientiert sich auch die Stadt Wädenswil. Für die beiden Wädenswiler Gemeinderäte Christian Gross (SP) und Lukas Wiederkehr (CVP) ist das zu wenig. Darum reichten sie im April eine Motion beim Stadtrat ein.

Darin fordern sie ihn auf, für alle städtischen Angestellten mindestens 20 Tage Vaterschaftsurlaub zu schaffen. Zudem soll die Möglichkeit bestehen, die Tage verteilt auf das erste Lebensjahr des Kindes zu beanspruchen.

Motion oder Postulat?

Die beiden Gemeinderäte argumentieren, dass ein längerer Vaterschaftsurlaub wichtig für das Kindeswohl und die Gleichstellung sei. «Von einem Vaterschaftsurlaub profitieren die Väter, die dadurch wirklich Väter sein können, die Mütter, die entlastet werden, und das Kind, welches Eltern mit mehr Zeit hat», schreiben die beiden Motionäre.

Nun hat der Stadtrat auf die Motion reagiert. Auf das Thema Vaterschaftsurlaub geht er nur kurz ein. Er hält sich vage und schreibt: Der Stadtrat wolle sich, «gerade auch angesichts der Tendenzen in der Privatwirtschaft, der Frage nach der Länge des Vaterschaftsurlaubs nicht grundsätzlich verschliessen». Denn in der Privatwirtschaft setzen Unternehmen vermehrt auf mehrwöchige Ferien für frischgebackene Väter.

Der Stadtrat anerkenne zudem den Familienwandel und die flexiblere Rollenaufteilung. Nicht zuletzt darum gebe es für städtische Angestellte bereits fünf Tage Vaterschaftsurlaub. Über die Motion muss dereinst der Gemeinderat entscheiden. Der Stadtrat empfiehlt dem Parlament jedoch, diese abzulehnen. Wie der Stellungnahme zu entnehmen ist, hat dies aber mehr formelle als politische Gründe.

Stadtrat: Vorstoss ist falsch

Mit einer Motion kann ein Parlamentsmitglied den Stadtrat beauftragen, in einer Sache tätig zu werden. Der Stadtrat erklärt den Vorstoss zum Vaterschaftsurlaub mittels Motion als falsch. «Gegenstand einer Motion können nur Geschäfte sein, über die das Parlament beschliessen kann», schreibt er. Gegenstände, die in die Kompetenz des Stadtrats fallen, seien nicht motionsfähig.

Da die Organisation der Verwaltung und damit auch der Vaterschaftsurlaub vom Stadtrat selber geregelt werden, erklärt der Stadtrat den Vorstoss als «nicht motionsfähig.» Er schlägt den beiden Gemeinderäten ein Postulat vor. Anders als bei der Motion wird der Stadtrat hierbei nicht beauftragt, eine Massnahme umzusetzen, sondern lediglich zu prüfen, ob in einem bestimmten Fall eine Anpassung nötig ist.

Erstellt: 20.06.2019, 09:58 Uhr

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