Thalwil

Verklärter Blick hinter Türen und Türchen

Unter dem Motto «Wunderwelt Weihnachten» präsentiert das Ortsmuseum ab Sonntag zahlreiche Adventskalender. Fast alle stammen aus dem Fundus der verstorbenen Thalwilerin Marianne Frei-Marti.

Während der Adventszeit ist im Ortsmuseum Thalwil die umfangreiche Adventskalender-Sammlung der 2017 verstorbenen Thalwiler Apothekerin Marianne Frei-Marti ausgestellt.

Während der Adventszeit ist im Ortsmuseum Thalwil die umfangreiche Adventskalender-Sammlung der 2017 verstorbenen Thalwiler Apothekerin Marianne Frei-Marti ausgestellt. Bild: Moritz Hager

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Die vor zwei Jahren verstorbene Apothekerin Marianne Frei-Marti machte sich das Warten auf Weihnachten leicht: Bereits im Oktober hängte die Thalwilerin in ihrer Wohnung mindestens zehn Adventskalender auf, die sie aus ihrem fein geordneten Fundus von weit mehr als hundert Exemplaren hervorsuchte. Sie öffnete schrittweise alle Törchen und verschloss sie dann nach Weihnachten wieder, um im Folgejahr erneut den Zauber hinter den Törchen zu entdecken.

Bereits seit ihrer Kindheit sammelte die in Thalwil prominente Frau Adventskalender: Schon zu ihren Lebzeiten konnten immer wieder einzelne Kalender von Marianne Frei-Marti an Weihnachtsausstellungen bestaunt werden. Sie hatte ein Flair für die nostalgischen Festvorboten vor allem aus der Schweiz und aus Süddeutschland. Vorweihnachtlicher Glitter und Glamour und die dargestellte heile Welt in dieser althergebrachten Art waren in ihrem Sinn.

Mit der Apothekerin befreundet

Im Thalwiler Ortsmuseum werden demnächst über hundert Adventskalender gezeigt. Die Ausstellung ist nicht nur eine Erinnerung an Marianne Frei-Marti, sondern lässt auch genüsslich in die Welt der schmucken Kleinkunstwerke eintauchen. Angeregt und kuratiert wurde die Ausstellung «Wunderwelt Weihnachten» von Adriana Berchtold-Casada: Die ad interim eingesprungene frühere Kuratorin war mit der Besitzerin der Exponate befreundet. Sie freue sich, die Kostbarkeiten nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für die Realisierung der Ausstellung durfte sie auf die Mitarbeit von Heidi Ganz zählen, der ehemaligen Geschäftsführerin von Blumen Scabiosa in Thalwil.

Auf die kommende Ausstellung und die Vernissage am Sonntag freut sich auch Peter Jäger, Stiftungspräsident des Ortsmuseums. Wie er sagt, sollen nach der rund einjährigen Vakanz nun wieder regelmässig Ausstellungen im Ortsmuseum zu sehen sein.

Mit Herz erwärmenden Details

Die meisten Adventskalender zeigen ein Deckblatt, das mit vielen Details gespickt ist: In der vorweihnachtlichen Backstube wird etwa mit Backformen, Schwingbesen und Guetzliformen hantiert. Die Zimtsterne und Makrönchen auf dem Tisch lassen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Emsiges Treiben ist auch auf dem grossen Marktplatz zu Bethlehem auszumachen. Auf vielen Adventskalendern ist zudem ein geschmückter Christbaum zu bewundern. Auf anderen Exponaten bevölkern Engel und Elfen geheimnisvolle Zauberwälder: Ein Elch äugt neugierig hinter einem Baum hervor, und Fuchs und Hase streifen ohne Hader miteinander durch das Gehölz, während ein Eichhörnchen mit seinem buschigen Schwanz die liebliche Atmosphäre vervollständigt.

Bild: Moritz Hager

Ein oft wiederkehrendes Sujet ist St. Nikolaus: Der bärtige Mann in der roten Kutte mit den hohen Stiefeln stapft durch den Schnee und trägt schwer am Jutesack mit den Geschenken. In der guten Stube freut er sich an der Familie, die gemeinsam beim Weihnachtsbaum musiziert, um den Mann aus dem hohen Norden zu erfreuen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen zwar die Kalender. Gezeigt werden aber auch andere weihnachtliche Motive: Dazu gehören Krippen, etwa aus der Schweiz, aus Polen, der Provence und Peru. Schön ist der alte Christbaumschmuck aus der DDR, und einfach lieblich sind die Lichterengel und die «Räuchermänner» aus dem Erzgebirge.

Seit 1920 mit Türchen

Die Ausstellung orientiert auch über die Herkunft des Adventskalenders, die ins 18. Jahrhundert zurückgeht. Es gibt verschiedenste Arten von Adventskalendern: Etwa Adventskerzen, Adventslaternen, Weihnachtsuhren, weihnachtliche Bastelbögen und vieles mehr. Im frühen 20. Jahrhundert wurden Adventskalender dann gedruckt: Bekannt wurde vor allem der Münchner Verleger Gerhard Lang, der Adventskalender dieser Art auf den Markt brachte. Kalender mit Türchen zum Öffnen erschienen erstmals im Jahr 1920. Hinter den Türchen von heutigen Adventskalendern verbergen sich oft auch Produkte: Schokolade, Tee, Gewürzmischungen, Schönheitsprodukte und Spirituosen erfreuen schon in der Adventszeit und sollen das Warten auf das grosse Fest verkürzen.

Erstellt: 28.11.2019, 17:30 Uhr

Vernissage:

Sonntag, 1. Dezember, Türöffnung um 14 Uhr, ab 16.30 Uhr Einführung von Präsident Peter Jäger, musikalische Umrahmung mit dem Jugendchor Thalwil, danach Apéro, Finissage: 5. Januar 2020.

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