Verkehr

Verkehrsbetriebe feilschen um den besten Dieselpreis

Beim Einkauf von Treibstoffen haben die meisten Transportunternehmen in der Region vor allem ein Interesse: Sie wollen den günstigsten Preis. Aber jedes Unternehmen hat einen eigenen Weg dafür.

Kaufen für mehrere Millionen Franken pro Jahr Diesel: Die Verkehrsbetriebe Zürich.

Kaufen für mehrere Millionen Franken pro Jahr Diesel: Die Verkehrsbetriebe Zürich. Bild: Archiv Urs Jaudas

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Was die Zapfsäule für den pri­vaten Autobesitzer, ist der Tanklastwagen für Transportunternehmen. Um viele Menschen von A nach B zu bringen, brauchen die Verkehrsbetriebe Treibstoff in rauen Mengen.

Fast 1,5 Millionen Liter Diesel verbrauchte etwa die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG für ihre Flotte 2016. Entsprechend genau achtet das Unternehmen auch auf den Preis des Treibstoffs. «Wir beobachten den Markt und haben mehrere Anbieter, die wir regelmässig Treibstoffkontingente offerieren lassen», sagt Geschäfts­führer Martin Zemp. Weil die Fähre AG mehrheitlich in privater Hand ist, muss sie sich nicht an die Regeln des öffent­lichen Beschaffungswesens halten – sprich, das Unternehmen ist grundsätzlich frei, wo es den Die­sel beschafft. «Wir lassen den freien Markt aber natürlich spielen und schauen auf den Preis», sagt Zemp. Er kauft je nach Verbrauch zwei bis sechs Monate im Voraus Kontin­gente bei Treibstofflieferanten. Diese liefern den Diesel dann pünktlich an. Speziell bei der Fähre: Der Tanklaster betankt die Fähre direkt auf dem See. Die Hauptfähren, die den ganzen Tag über den See fahren, müssen alle eineinhalb bis zwei Wochen mit frischem Diesel versorgt werden. 15 000 Liter pumpt der Lieferant dann in den Tank.

Einkauf an der Warenbörse

Ob Auto oder Fähre: Getankt wird derselbe Treibstoff. Solchen Diesel beschaffen auch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Das Unternehmen gehört der Stadt Zürich und damit der öffent­lichen Hand. So müssen die VBZ sich an das Beschaffungswesen halten und den Treibstoffkauf ausschreiben. Es sei jedoch schwierig, den Bedarf auf meh­rere Monate genau zu definieren, sagt ein Sprecher der VBZ auf Anfrage­. Deshalb greift das Transportunternehmen auf eine Ausnahmeregel im Beschaffungswesen zurück. Wer an einer soge­nannten Waren­börse kauft, darf einen Auftrag «freihändig» – also ohne Ausschreibung – ver­geben. Weil an einer solchen Rohstoff­börse mehrere Händler um Auf­träge buhlen, spielt der Markt. Die VBZ beschaffen ihren Treibstoff so nach tagesaktuellen Kursen. In den letzten Monaten kamen mehrere Anbieter zum Zug: Migrol, Osterwalder oder Oel-Hauser. Im Jahr benötigen die VBZ für ihre Diesel­busse rund 4,7 Millionen Liter Treibstoff. 2017 waren dafür rund 7,7 Millionen Franken budgetiert.

Auch die Verkehrsbetriebe Zürich­­see Oberland (VZO) beschaffen jedes Jahr viel Diesel – 2017 im Umfang von 1,9 Millionen Franken. Bei den Linien am Zürich­see und im Ober­land setzen die VZO auf kleine Tran­chen von 60 000 bis 80 000 Liter, welche das Busunternehmen wöchent­lich im soge­nann­ten Einladungsverfahren beschafft. So unterschreiten die VZO die Schwellenwerte für grössere Ausschrei­bungen. «Die VZO holen­ so jede Woche bei mindestens vier Treibstofflieferanten Angebote ein und kaufen dort, wo der tiefste Preis ausgehandelt wer­den kann», erklärt der Leiter Angebot und Markt, Joe Schmid.

Jährlicher Fixpreis

Das System funktioniert so: Sämt­liche Aufwände der VZO werden durch den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) finan­ziert. Dazu erstellen die VZO jährlich eine Offerte. Diese beinhaltet auch die Treibstoffkosten. Für das Jahr 2017 haben die VZO Treib­stoff­kosten von 2,8 Millionen Franken veranschlagt. Effektiv angefallen sind im Jahr 2017 aber nur Kosten von 1,9 Millionen Franken. Die Differenz fliesst mit dem Jahresabschluss 2017 vollumfänglich von den VZO an den ZVV zurück.

Anders funktioniert der Einkauf beim Stadtbus Rappers­wil-Jona, den ebenfalls die VZO betreiben. 2017 sind für die fünf Stadtbuslinien 187 000 Franken an Treibstoffkosten angefallen. Besteller des Stadtbusses ist der Kanton St. Gallen. Diesem offerieren die VZO jeweils ihre Kosten für zwei Jahre. Eine jähr­liche Abrechnung wie beim ZVV findet hier nicht statt. Der Jahresbedarf an Treibstoff wurde beim Stadtbus laut Joe Schmid ebenfalls im Einladungsverfahren vergeben und mit dem günstigsten Lie­fe­ranten ein Jahresfixpreis vereinbart. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.02.2018, 10:48 Uhr

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