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«Verkauf steht nicht zur Diskussion»

Bei der seit Jahren notleidenden Von Roll-Gruppe soll wieder einmal alles besser werden. Das stellt zumindest der neue CEO Christian Hennerkes in Aussicht. Der Umzug von der Au nach Breitenbach SO ist dabei nur ein kleiner Schritt.

Die Verlegung des Hauptsitzes von der Au nach Breitenbach folgt der operativen Logik — sagt Von Roll-Konzernchef Christian Hennerkes.
Die Verlegung des Hauptsitzes von der Au nach Breitenbach folgt der operativen Logik — sagt Von Roll-Konzernchef Christian Hennerkes.
Patrick Gutenberg

Christian Hennerkes, wie dramatisch ist die Lage beim Langzeitpatienten Von Roll?Christian Hennerkes:Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind, unser Kerngeschäft wieder in einen profitablen Bereich zu lenken. Wir verzeichnen für die ersten drei Monate dieses Jahres das erste Mal seit vier Jahren wieder ein positives Ergebnis. Die Weichen dazu hat Von Roll im letzten Jahr gestellt. Die Fixkostenbasis wurde um 18 Mio. Franken gesenkt. Von daher sehe ich uns gut gerüstet, um das Unternehmen — auf der operativen Seite — wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Das ist unser klares Ziel für das Geschäftsjahr 2017.

Was hat Sie verleitet, das Himmelfahrtskommando bei Von Roll anzutreten, nachdem soviele Sanierungsspezialisten vor Ihnen an der Aufgabe gescheitert sind, den Konzern aus den roten Zahlen zu führen?Ich glaube, dass sich die Aufgabe von aussen her betrachtet schwieriger darstellt, als sie es tatsächlich ist. In den letzten Jahren haben sich in der Tat viele Führungskräfte im Konzern darum bemüht, das Unternehmen wieder fit zu machen. Auch wenn solche Erfolge manchmal etwas länger brauchen, bis sie sichtbar werden, ist es nicht so, dass die vergangenen Jahre komplett ergebnislos verstrichen wären. Die Zeit wurde genutzt, um die weltweiten Standorte der Von Roll zu konsolidieren und gewisse operative Bereiche, was die Prozesse betrifft, deutlich besser aufzustellen. All diese Bemühungen, die unternommen wurden, waren notwendig, sie gingen nur nicht weit genug.

Wenn Sie Ihre Mission bei Von Roll nicht als Himmelfahrtskommando sehen, als was dann?Ich betrachte die Aufgabe eher als Chance, eines der ältesten Schweizer Industrieunternehmen mit einer langen Tradition begleiten zu dürfen. Dabei gewichte ich die Erfolgschancen klar höher als die Risiken. Wenn es uns gelingt, die interne Produktivität wieder auf einen Stand zu bringen, der uns im internationalen Vergleich konkurrenzfähiger macht, dann haben wir gute Aussichten, uns in unseren Märkten nach vorne zu entwickeln.

Wollen Sie die Zukunft von Von Roll aus eigener Kraft bestreiten, oder steht auch ein Verkauf zur Debatte?Auf keinen Fall. Der Verkauf der Unternehmensgruppe steht überhaupt nicht zur Diskussion.

Wie sieht es personalseitig aus: Wird sich der rasante Abbau auf der Mitarbeiterseite fortsetzen?Wir haben das Personal in den letzten Jahren deutlich langsamer abgebaut im Verhältnis zu den sinkenden Umsätzen. So gesehen ist das, was wir im letzten Jahr gemacht haben, mit der Reduktion des Mitarbeiterbestandes von 2000 auf 1700, eine Angleichung der Personalressourcen auf den gesunkenen Umsatz. Wir gehen nicht davon aus, dass wir auch im laufenden Jahr Personal im grossen Stil abbauen.

Wie lange wird es dauern, bis Von Roll auf Stufe des Nettoergebnisses für ein ganzes Jahr schwarze Zahlen schreibt?Für das Jahr 2017 planen wir fest mit einem positiven operativen Betriebsergebnis. Ein positives Nettoergebnis, also nach Steuern und Zinsen, erwarten wir für 2018. Die Aussage steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich die Weltmärkte im Energiebereich weiterhin so darstellen, wie sie es heute tun.

Sie haben in einem Nebensatz im Geschäftsbericht 2017 den Wegzug der Konzernzentrale von Au nach Breitenbach SO auf Mitte Jahr angekündigt: Warum verkünden Sie einen so wichtigen Schritt quasi im Kleingedruckten?Aus lokaler und regionaler Sicht erscheint das Ereignis viel grösser als aus Gruppensicht. Wenn ich mir den Schritt aus Sicht unserer Aktionäre ansehe, und für die ist die Kommunikation in erster Linie gedacht, dann folgt die Standortverlegung vor allem operativen Überlegungen. Bei Breitenbach handelt es sich zusammen mit Schenectady in den USA und Augsburg in Deutschland um eines der grössten Werke unserer Gruppe. Hier laufen operativ alle Fäden zusammen. Das heisst, für uns ist Breitenbach die Drehscheibe in die Welt. Wir haben dort einen Grossteil der Forschung und Entwicklung sowie die wichtigsten Zentralfunktionen angesiedelt. Für mich ist es absolut zwingend, dass eine Holding nah am operativen Geschäft sitzt, weil sie sonst der Versuchung unterliegt, sich komplett zu verselbständigen. So gesehen war für mich schon als Verwaltungsrat klar, dass wir die Holding möglichst schnell nach Breitenbach verlegen werden.

Wieviele Mitarbeiter in Au sind vom Entscheid betroffen?In Au haben wir ungefähr 15 Mitarbeiter, von der Finanzbuchhaltung, übers Rechnungswesen bis zur IT. Auch die Konzernleitung hat hier ihren Sitz, wobei ich von Anfang an meine Zelte in Breitenbach aufgeschlagen habe. Wir haben allen Mitarbeitenden ein Angebot zur Weiterbeschäftigung in Breitenbach unterbreitet. Leider haben es nur sehr wenige angenommen. Die Verbundenheit mit dem Standort Zürich ist sehr stark, wenn man hier wohnt und familiär verwurzelt ist.

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