Umweltschutz

Verein darf jetzt gegen Lichtverschmutzung klagen

Der Verein Dark-Sky Switzerland darf neu Einsprachen zu Bauprojekten einlegen, auch wenn kein Mitglied direkt betroffen ist. Der Langnauer Rolf Schatz, Geschäftsführer der Organisation, verspricht Einsprachen mit Augenmass.

Die beiden Gemeinden Thalwil und Langnau stritten sich während Jahren über die Flutlichtanlage der Sportanlage Brand in Thalwil – schon damals federführend: Rolf Schatz.

Die beiden Gemeinden Thalwil und Langnau stritten sich während Jahren über die Flutlichtanlage der Sportanlage Brand in Thalwil – schon damals federführend: Rolf Schatz. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine gute Nachricht für lichtgeplagte Anwohner: Die Organisation Dark-Sky Switzerland, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt, hat vom Bundesrat das Verbandsbeschwerderecht erteilt bekommen. Dieses gilt seit dem 1. Juni. Der Langnauer Gemeinderat Rolf Schatz (GLP) ist Geschäftsführer der Non-Profit- Organisation. Er zeigt sich auf Anfrage erleichtert, dass es nach 20 Jahren Einsatz so weit gekommen ist. Es habe so lange gedauert, weil die Anforderungen hoch seien.

So muss ein Verein seit mindestens zehn Jahren bestehen, in drei Landessprachen kommunizieren und jährlich Veranstaltungen in mindestens zwei Landessprachen abhalten. Obwohl bereits rund 30 Vereine wie der Heimatschutz oder der VCS das Recht haben, gebe es gute Gründe, dass auch Dark-Sky dazugehöre: «Das Thema Lichtverschmutzung wird von den anderen Organisationen nicht bearbeitet.» Dark-Sky sei schon länger die Anlaufstelle für Anwohner gewesen, die sich an der Lichtverschmutzung gestört hätten. Dabei sei übermässiges Licht nachts nicht nur störend für Anwohner, sondern auch gefährlich für die Artenvielfalt. Neben Pestiziden könne auch Lichtverschmutzung für das Insektensterben verantwortlich gemacht werden, so Schatz.

Ist Licht gleich Sicherheit?

Noch sei es zu früh, einzuschätzen, wie häufig Dark-Sky vom Einspracherecht bei Projekten Gebrauch machen werde. Doch Rolf Schatz deutet schon an, wo er Potenzial sieht. Schlecht kommen etwa die SBB weg. «Bei Sanierungen von Bahnhöfen nimmt die Lichtmenge immer zu», sagt er. Gespräche hätten bisher nichts gebracht. Wieso? «Bei den SBB heisst es: Licht ist gleich Sicherheit.» Mit diesem Argument würden die SBB jeglichen Einwand ablehnen. 2014 rügte das Bundesgericht die Bundesbahnen allerdings, weil die Beleuchtung am Bahnhof Oberrieden See unnötig stark war.

«Das ist ja alles nur fürs Fernsehen. Aber wann war das Fernsehen zuletzt beim FC Thalwil?»Rolf Schatz, Langnauer GLP-Gemeinderat und Geschäftsführer von Dark-Sky Switzerland

Auf Geheiss der höchsten Richter mussten die SBB einen Teil der Lampen ausschalten. Rekurriert hatten Anwohner. Die SBB zeigen sich auf Anfrage offen gegenüber der Kritik. Man sei immer bereit für Gespräche mit Dark-Sky. Es sei aber auch klar, dass es gewisse Mindestnormen bei der Beleuchtung gebe, die eingehalten werden müssten, sagt ein Pressesprecher.

Beleuchtung fürs Fernsehen

Ins Visier geraten könnten auch die Sportvereine. So stört sich Schatz an übermässigen Sportplatzbeleuchtungen, wie sie rund um den Zürichsee auch zu sehen sind. Als Gemeinderat hat er bereits den Sportplatz der benachbarten Gemeinde Thalwil kritisiert. Völlig unnötig seien die starken Beleuchtungen, welche die Fussballer gar nicht brauchen würden. «Das ist ja alles nur fürs Fernsehen. Aber wann war das Fernsehen zuletzt beim FC Thalwil?» Auch gebe es schon Städte, die sich freuen, wenn ihre Fussballmannschaft nicht aufsteigt, weil sie dann die Auflagen nicht erfüllen müssen. Als Beispiel könnte man Rapperswil-Jona nennen. Nach dem Abstieg aus der zweithöchsten Spielklasse kann dort auf den Ausbau der Beleuchtung verzichtet werden.

Ein Negativbeispiel ist für den Dark-Sky Geschäftsführer auch den Flughafen Kloten. «Wenn Sie auf dem Albis stehen, sehen Sie, warum.» Die Lichter des Flughafens seien weitherum sichtbar. Bei aller Begeisterung für den Erhalt des neuen Rechts bleibt Rolf Schatz zurückhaltend. Sowohl finanziell, als auch personell seien die Mittel von Dark-Sky beschränkt. Schliesslich zähle der Verein nur gerade 500 Mitglieder. Der VCS etwa hat über 100000 Mitglieder.

«Wir werden nicht prozessieren um des Prozessierens willen», sagt Schatz. Es müsse inhaltlich Sinn machen, wenn man gegen ein Projekt vorgehe. Und auch dieser Satz dürfte bei Bauherren für etwas Erleichterung sorgen: «Es gibt auch sehr gute Projekte.» Es dürfte also nicht so sein, dass Dark-Sky plötzlich schweizweit gegen Bauprojekte vorgehen wird.

Beschwerden, Einsprachen, blockierte Bauprojekte: Beispiele aus der Region

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.06.2019, 09:18 Uhr

Eine Waffe für die Umweltschützer

Das Verbandsbeschwerderecht wurde 1966 eingeführt. Es berechtigt Vereine und Verbände schweizweit zu Einsprachen bei Projekten, auch wenn sie selber nicht betroffen sind. Rund 30 Verbände haben heute das Recht zu einer solchen Einsprache, darunter der VCS, der Heimatschutz, der Schweizerische Fischereiverband oder Greenpeace. Einer der spektakulärsten Fälle ist das Stadion Hardturm in Zürich, das vor der Euro 2008 nicht nur durch Anwohner, sondern auch durch den VCS bekämpft wurde. Auch die Parkplätze von Shoppingcentern waren regelmässig in den Schlagzeilen, weil der VCS dagegen vorgegangen war. Das Verbandsbeschwerderecht ist alles andere als unumstritten. Die Zürcher FDP hat unter dem Eindruck des blockierten Fussballstadions eine Initiative zur Einschränkung lanciert, die 2008 zur Abstimmung kam. Insbesondere nach demokratisch gefällten Entscheiden sollte keine Beschwerde mehr möglich sein. Das Stimmvolk verwarf die Initiative allerdings mit zwei Dritteln der Stimmen.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.