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Vater soll Tochter heftig geschüttelt haben

Hat ein Vater sein zehnmonatiges Töchterchen stark geschüttelt oder hat sich sein Baby durch Stürze Hirnblutungen zugezogen? Ein emotionaler Nachmittag am Bezirksgericht Horgen.

In Kampagnen wird darauf hingewiesen, wie gefährlich es ist, einen Säugling zu schütteln. Dennoch kommt es immer wieder vor.
In Kampagnen wird darauf hingewiesen, wie gefährlich es ist, einen Säugling zu schütteln. Dennoch kommt es immer wieder vor.
Symbolbild, Keystone

Unweigerlich musste man an den «Fall Loretan» denken. Der inzwischen verstorbene Bergsteiger Erhard Loretan hatte 2001 seinen kleinen Sohn so lange geschüttelt, bis er an einem Schütteltrauma gestorben ist. Seine Geschichte wurde zum Vorzeigefall für eine Präventionskampagne.

Am Bezirksgericht Horgen musste sich am Mittwoch ein 29-jähriger Schweizer verantworten, der seine damals zehnmonatige Tochter so lange geschüttelt haben soll, bis sie Hirn- und Netzhautblutungen erlitt. Auslöser für das Schütteln war gemäss Staatsanwaltschaft ein Affektkrampf des Mädchens nach einem Sturz auf den Hinterkopf. Der Staatsanwalt forderte wegen versuchter schwerer Körperverletzung 14 Monate Gefängnis bedingt.

«Wie ein Sack Kartoffeln» sei sie in seinen Armen gelegen, sagte der Beschuldigte. Das Schütteln bestritt er aber vehement. Er kenne doch den «Fall Loretan» und wisse, was Schütteln bei einem Kleinkind auslösen könne, sagte der im unteren Bezirk wohnhafte Mann. Seine Version der Ereignisse geht so: Das Mädchen ist auf den Hintern gefallen und danach auf den Hinterkopf. Er habe es in die Arme genommen, worauf der Affektkrampf eintrat und das Mädchen keine Luft mehr bekam. Er sei geschockt gewesen, legte seine Tochter aufs Bett, zog sie an und ging zu einer Nachbarin. Danach brachte eine Ambulanz das Baby ins Kinderspital.

Unter Tränen geantwortet

Der Nachmittag am Gericht verlief emotional. Frau und Schwiegermutter des Beschuldigten waren zur moralischen Unterstützung da. Der 29-Jährige betonte, wie sehr seine Familie hinter ihm stehe. Er ist beruflich erfolgreich, doch das Verfahren belaste ihn schwer. So musste er sich in psychiatrische Behandlung begeben. Fast den ganzen Prozess durch wurde der adrett gekleidete junge Mann von Weinkrämpfen geschüttelt. Selbst Fragen, die mit dem Vorfall nichts zu tun hatten, konnte er nur unter Tränen beantworten. Seiner Tochter geht es mittlerweile wieder gut. Auch wenn der Staatsanwalt einwarf, dass mögliche Langzeitschäden noch nicht sichtbar sind.

Der Verteidiger des Beschuldigten hatte eine andere These für die Verletzungen. Ein Gutachten, das er in Auftrag gegeben hatte, zeige, dass andere Ursachen als Schütteln nicht auszuschliessen seien. So könne der übergrosse Kopf des Mädchens im Zusammenhang mit den Verletzungen stehen. Dieser deute auf einen erhöhten Hirndruck hin, was zu Hirnblutungen führen könne, sagte der Verteidiger. Unterschiedlich bewerteten Anklage und Verteidigung die Aussagen der Sachverständigen von der Rechtsmedizin. Sie sagte vor Gericht, dass die «massivsten» Netzhautblutungen des Mädchens keinen anderen Schluss zuliessen, als ein Schütteltrauma. Laut dem Verteidiger war nie zuvor von massivsten Blutungen die Rede. Für den Staatsanwalt belegten die Ausführungen hingegen die These des Schüttelns.

Belastender Freund

Eine tragende Rolle könnte auch ein Freund des Beschuldigten spielen, dem er sich am Abend des Ereignisses anvertraut hatte. Bei der Polizei sagte dieser aus, der Beschuldigte habe davon gesprochen,dass er das Baby geschüttelt habe, um es wieder aufzuwecken. Der Beschuldigte bestritt dies. Sein Verteidiger nannte den Arzt am Kinderspital unglaubwürdig, weil er mal von Rütteln, mal von Schütteln gesprochen habe. Er stehe zudem in einem Interessenskonflikt zwischen seinem Freund und seinem Arbeitgeber.

Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.

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