Elternzeit

Väter sollen mehr Urlaubstage erhalten

Politiker in Wädenswil wollen den bezahlten Vaterschaftsurlaub für städtische Angestellte vervierfachen. Rund um den See halten sich die befragten Gemeinden an die Praxis des Kantons und gewähren fünf bezahlte Urlaubstage.

Für die SP in Wädenswil ist Vaterschaftsurlaub enorm wichtig, sowohl für das Kindeswohl als auch aus gleichstellungspolitischen Überlegungen.

Für die SP in Wädenswil ist Vaterschaftsurlaub enorm wichtig, sowohl für das Kindeswohl als auch aus gleichstellungspolitischen Überlegungen. Bild: Keystone

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Das Thema Vaterschaftsurlaub erreicht das politische Parkett in der Region. Der Wädenswiler SP-Gemeinderat Christian Gross und Mitunterzeichner Lukas Wiederkehr (CVP) haben eine entsprechende Motion an den lokalen Stadtrat geschickt. Ihre Forderung: Der Vaterschaftsurlaub für alle städtischen Angestellten in Wädenswil soll von heute fünf Tagen auf mindestens 20 Tage erhöht werden. Zudem soll die Möglichkeit bestehen, den Vaterschaftsurlaub verteilt auf das erste Lebensjahr des Kindes zu beanspruchen.

Christian Gross begründet seinen Vorstoss damit, dass ein ausreichend langer Vaterschaftsurlaub enorm wichtig, sowohl für das Kindeswohl als auch aus gleichstellungspolitischen Überlegungen sei. Die ersten Wochen seien entscheidend. Wenn in dieser Zeit der Vater nicht zugegen sei, werde der Beziehungsaufbau zwischen Vater und Kind massiv erschwert. Und von einem Vaterschaftsurlaub würden letztendlich nicht nur die Väter profitieren, die dadurch wirklich Väter sein könnten. Sondern auch die Mütter, die entlastet werden und das Kind, welches Eltern hat, die mehr Zeit haben und weniger gestresst sind.

Kantonsrat gegen Ausdehnung

Der Vorstoss aus der SP ist sicherlich auch inspiriert aus der Privatwirtschaft. Viele Firmen haben ihre Regelungen in den letzten Jahren angepasst und gewähren den Vätern heute teilweise bis zu drei Wochen.

Die Kommunen rund um den Zürichsee hingegen halten sich bei den Urlaubstagen für frischgebackene Väter überwiegend an die Praxis des Kantons – obwohl sie gesetzlich frei sind, auch eigene Regelungen zu treffen. Der Kanton sieht fünf Tage Vaterschaftsurlaub vor. Daran konnte auch eine parlamentarische Initiative von Kantonsrat Andreas Dauru (SP, Winterthur) nichts ändern, die im Oktober 2016 im Zürcher Kantonsrat behandelt wurde.

Darin wollte er den Anspruch der männlichen Angestellten im Personalgesetz im Kanton Zürich auf mindestens zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub anheben. Das Vorhaben scheiterte damals relativ knapp mit 83 zu 76 Stimmen. Die Parlamentarier folgten mit ihrer ablehnenden Haltung auch der Empfehlung des Regierungsrates, der unter anderem anführte, dass kein entsprechender finanzieller Spielraum für die Ausdehnung bestehe.

«Bei der Geburt meiner Tochter habe ich zusätzliche Ferien genommen.»Thomas Kauflin
Gemeindeschreiber Zumikon

Seit der Abstimmung im 2016 ist das Thema im Kantonsrat vom Tisch. Und auch die Kommunen rund um den Zürichsee beschäftigen sich nicht aktiv mit einer Ausdehnung des Urlaubs für Väter. «Wir haben einen Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen festgelegt», sagt der Horgner Gemeindeschreiber Felix Oberhänsli. Auf Anfangs 2016 habe man das Personalreglement so angepasst, dass alle Mitarbeiter neu fünf anstatt vier Ferienwochen im Jahr hätten. «Damit konnten wir ein Zeichen für alle Mitarbeitenden der Gemeinde setzen. Das stand für uns mehr im Fokus, als Anpassungen für einzelne Gruppen wie frischgebackene Väter», sagt Oberhänsli.

Auch in Meilen haben die Gemeindeangestellten eine fünfte Ferienwoche bekommen. «Für den Vaterschaftsurlaub haben wir die gleiche Regelung von fünf Tagen wie der Kanton», sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Eine Ausdehnung desselben sei in der Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema und auch keine Forderung.

Drei Wochen bei Kind und Frau

Auch in Zumikon hält man sich an die Praxis des Kantons. Natürlich würde den Mitarbeitenden aber jederzeit auch frei stehen, weitere zusätzliche Ferien rund um die Geburt des Kindes zu beantragen, sagt Gemeindeschreiber Thomas Kauflin. Er weiss, wovon er redet: «Im letzten Jahr bin ich Vater einer Tochter geworden. Damals habe ich zusätzlich zu den fünf Tagen Vaterschaftsurlaub noch 10 Tage Ferien genommen und war damit drei Wochen zuhause.»

Auch in Langnau scheint man mit der Regelung des Kantons gut und ohne Widerstand aus der Belegschaft zurecht zu kommen. «Fünf Tage Vaterschaftsurlaub ist bei uns akzeptiert», sagt Gemeindeschreiber Adrian Hauser. Würde sich die Praxis kantonal aber eines Tages ändern, wäre auch Langnau betroffen. Die Sihltalgemeinde übernehme Anpassungen jeweils automatisch.

Erstellt: 13.05.2019, 13:07 Uhr

Vaterschaftsurlaub

Firmen gewähren Baby-Pause für Väter – von fünf Tagen bis zu drei Wochen

Beim Vaterschaftsurlaub sind die Angebote bei den Grossbetrieben in der Region sehr unterschiedlich. Das zeigen drei Beispiele.

Letzte Woche liess Volvo die Bombe platzen: Der schwedische Automobilhersteller führt für seine Angestellten in der Schweiz eine Baby-Auszeit von 6 Monaten ein. Der Lohn wird während dieser Zeit zu 80 Prozent gezahlt. Mit seiner Regelung lässt Volvo auch die fortschrittlichsten Arbeitgeber in der Schweiz blass aussehen. Am nächsten kommt der «Lex Volvo» der Basler Pharmariese Novartis mit 18 Wochen Elternzeit für Väter bei 100 Prozent Lohn. Dahinter folgen Google (12 Wochen, 100 Prozent Lohn) und der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (8 Wochen, 100 Prozent Lohn).

In der Schweiz besteht kein im Bundesrecht geregelter Anspruch auf einen Vaterschaftsurlaub. Der Vater kann bei der Geburt seines Kindes im Rahmen der «üblichen freien Tage» aber Anspruch auf einen Urlaub geltend machen. Heute werden in einem solchen Fall in der Regel ein bis zwei bezahlte Urlaubstage gewährt. Die meisten Arbeitgeber sind aber kulanter.

Karriere und Familie

Auch bei den grossen Unternehmen am Zürichsee ist ein Vaterschaftsurlaub inzwischen Normalität. Die hier gewährten Leistungen sind aber im Vergleich zu den eingangs erwähnten Beispielen eher bescheiden. Beim Schokoladekonzern Lindt & Sprüngli in Kilchberg haben sämtliche (männlichen) Mitarbeitenden Anspruch auf einen Vaterschaftsurlaub von 5 Tagen. Nach Angaben von Mediensprecherin Gisela Heel können Väter jederzeit den Antrag auf einen längeren, unbezahlten Urlaub stellen oder den unbezahlten Urlaub mit dem ordentlichen Ferienanspruch kombinieren.

Beim Hörgerätehersteller Sonova in Stäfa erhalten Väter je nach Beschäftigungsgrad einen Vaterschaftsurlaub von bis zu zehn Tagen. Ausserdem ist ein «Kauf» von zusätzlichen Ferientagen möglich oder ein längerer, unbezahlter Urlaub. Das Bedürfnis auf Mitarbeiterseite sei ausgewiesen und die Angebote würden rege genutzt, sagt Mediensprecher Patrick Lehn. Sonova wolle ein Umfeld fördern, in dem Arbeit mehr als nur ein Job sei. Eine Balance zwischen Privat- und Berufsleben sei für den Arbeitserfolg des Mitarbeitenden sehr wichtig und bilde die Grundlage für den Unternehmenserfolg.

Eine Frage der Planung

Von den befragten Unternehmen am grosszügigsten zeigt sich Midor: Als M-Industriebetrieb gehört der Meilemer Glacé- und Backwarenhersteller zur Migros-Gruppe, «und wir bekennen uns zu familienfreundlichen Arbeitsbedingungen», sagt Midor-Sprecherin Anne-Catherine Rüegg. Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag von Migros sieht drei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub vor, zusätzlich kann bis zu zwei Wochen unbezahlter Urlaub bezogen werden. Dieser ist innerhalb eines Jahres ab der Geburt des Kindes zu beziehen. Der Urlaub kann zusammenhängend oder in Form einzelner Urlaubstage bezogen werden. Nach Aussage von Rüegg nehmen die Väter den überobligatorischen bezahlten Urlaub sehr gerne in Anspruch. Bei der Überbrückung der Vakanz sei alles eine Frage der Planung, «und bei einer Geburt hat man ja in der Regel genügend Vorlaufzeit, um dies alles aufzugleisen».

Thomas Schär

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