Wanderserie

Verborgene Schätze entdecken

Auf der fünften Etappe rund um den Zürichsee wandern wir auch durch den Kanton Sankt Gallen. Die Strecke von Schmerikon nach Rapperswil bietet viel Sehenswertes und ist auch für Velofahrer geeignet.

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Die fünfte Etappe Rund um den Zürichsee führt durch unseren Nachbarskanton St. Gallen. Gestartet wird die rund zwölf Kilometer lange Etappe am Obersee im idyllischen Städtchen Schmerikon. Einst ein Fischerdorf mit Hafen, ist das Dorf heute vom See durch die Bahnstrecke getrennt. Der Einstieg in die Wanderung folgt direkt am Ufer. Der Kiesweg führt für die nächsten drei Stunden zwischen See und Bahnlinie bis nach Rapperswil. Ohne Schatten. Es ist deswegen von Vorteil, diese Wanderung nicht an heissen Tagen anzutreten, wie sich auf unserer Wanderung zeigte.

Auf der rechten Seite des Wegs, ungefähr nach 30 Minuten Laufzeit, führt ein Strässchen in den Wald und ich weiche zum ersten Mal vom Seeuferweg ab. Wer es wagt, die niedrige Unterführung unter der Eisenbahnstrecke und Autostrasse mit den vielen Spinnennetzen zu durchqueren, gelangt zum Amphibienweiher Weierriet. In der Erwartung, einen kleinen See bei einer Waldlichtung zu finden, liegt der kleine Tümpel dann etwas unspektakulärer vor mir. Ich bin jedoch froh, dass ich mir keine nassen Füsse geholt habe oder den quakenden Fröschen zu nahe getreten bin. Denn die kleine Amphibienoase liegt gut versteckt zwischen Sträuchern und Schilf - beinahe hätte ich sie übersehen.

Schlüssel am Nagel

Wieder zurück auf dem gekiesten Pfad fällt auf, dass an diesem Mittwochmorgen viele Velofahrer unterwegs sind. Der Weg bis nach Rapperswil ist flach und selbst für Nichtsportler gut machbar. Für einen kurzen Moment wünsche ich mir, ebenfalls etwas kühlen Fahrtwind auf der Haut zu spüren. Das langsame Unterwegssein zu Fuss hat aber auch seine Vorteile. Es ist gut möglich, dass ich die kleine Kapelle auf dem Drahtesel sitzend sonst nicht wahrgenommen hätte. Die St. Meinrad Kapelle liegt auf einer Landzunge.

Querfeldein führt der Weg, jedoch muss ich zuerst am Restaurant Zum Hof vorbei- ein köstlicher Duft und kühle Getränke locken. Der Magen knurrt bereits. Ich muss gegen den inneren Schweinehund kämpfen. Doch die Vernunft siegt, denn der Weg ist schliesslich noch lang und ich bin erst eine knappe halbe Stunde unterwegs. An einem Nagel beim Bauernhof Hof hängt der Schlüssel für die Kapelle Sankt Meinrad. Im Innern der kleinen Kapelle ist es kühl und ruhig. Mystisch fällt das Morgenlicht durch die farbigen Fenster. Die schlichte frühgotische Kirche aus dem 13. Jahrhundert wird erstmals 1229 als Nebenkirche des Klosters Rüti erwähnt.

Bollinger Stein in Zürich

Das Dorf Bollingen liegt nun sehr nahe und es warten weitere interessante Winkel. Auch wer möglicherweise noch nie in dieser Ortschaft war, hat er sicherlich schon Fuss auf Bollinger Boden gesetzt. Die hellgrauen Sandsteinblöcke, welche noch heute in den Hügelzügen rund um das Dorf abgebaut werden, finden sich beispielsweise im Gemäuer des Fraumünsters, Grossmünsters oder auch im Zürcher Landesmuseum wieder.

Auf der Strecke von Schmerikon nach Rapperswil bleibt einem oft der direkte Zugang zum Zürichsee verweigert. Viele Areale sind im Privatbesitz. Ohne etwas Vorrecherche würde man deswegen am Turm des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung vorbeispazieren. Normalerweise ist die kleine Burg für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch an diesem Vormittag sind Verwandte des 1961 verstorbenen Psychiaters zu Besuch und gewähren mir Eintritt: Hinter den dicken Mauern findet sich ein Innenhof mit einer Feuerstelle. Eine Küche gibt es nicht, Wasser muss von Hand gepumpt werden und geduscht wird im See. «Wenn wir hier ankommen, dann sind wir weg von der Zivilisation», sagt Regina Stamm und erklärt, dass nur die grosse Familie von Carl Gustav Jung den Turm nutzt. «Es ist sehr rudimentär hier und fühlt sich beinahe wie Campingferien an», so Stamm. C.G. Jung erbaute den Turm und schaffte sich so einen Rückzugsort, den er mehrere Monate im Jahr nutzte. Gut versteckt hinter Bäumen und Gebüsch liegt er direkt am See. Es wird klar: hinter den dicken Mauern des Bollinger Turms, gibt es nichts was einen Ablenken kann.

Ein stillgelegter Bahnhof

Nach diesem kurzen Abstecher führt der Weg weiter in Richtung Rapperswil. Stattlich steht ein altes Bahnhofsgebäude an der Bahnstrecke zwischen dem Dorf Bollingen und dem Kloster Wurmsbach. Der Bahnhof Bollingen ist seit 2004 nicht mehr in Betrieb. Doch Eisenbahn-Interessierte können im stillgelegten Bahnhof noch heute alte, eiserne Hebel für die Weichenstellung bestaunen.

Wieder zurück auf dem vertrautem Weg, liegt nun das Ziel sehr nahe. Ab dem Kloster Wurmsbach bewegt sich der Wanderer mitten in einem Naturschutzgebiet und auf geschichtsträchtigen Pfaden. Schon Pfahlbauer haben die Bucht rund um und in Rapperswil bewohnt. Das sanfte Plätschern der Wellen und das Rauschen des Windes durch das Schilf beflügelt die Fantasie. Beinahe wähne ich mich in den uralten Pfahlbauer- Siedlungen am Obersee. Doch der knurrende Magen bringt meinen Geist jäh wieder zurück in die Gegenwart. Im Jahre 2019 muss glücklicherweise nicht mehr selber gejagt, sondern kann bequem in eine Wirtschaft eingekehrt werden. In Jona kann sich der geschwächte Wanderer beispielsweise im Bächlihof oder in der Strandbeiz Stampf stärken. Die letzte Etappe bis nach Rapperswil ist dann, erfrischt durch den Sprung ins kühle Nass, nur noch ein Katzensprung.

Erstellt: 07.08.2019, 14:23 Uhr

Serie

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