Horgen

Unbürokratisch einen Sonnenstrahl schicken

Kürzlich ist Paul Bächtiger in Samstagern von der Generalversammlung der Zürcher Vinzenzkonferenzen zum Präsidenten des Zentralrats Zürich gewählt worden. Der Horgner erzählt, was ihn zur Annahme dieses Ehrenamtes bewog.

«Es geht mir gut», sagt Paul Bächtiger, der neue Präsident der Zürcher Vinzenzkonferenzen. Darum möchte er Menschen auf der Schattenseite des Lebens etwas zugute tun.

«Es geht mir gut», sagt Paul Bächtiger, der neue Präsident der Zürcher Vinzenzkonferenzen. Darum möchte er Menschen auf der Schattenseite des Lebens etwas zugute tun. Bild: Manuela Matt

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Paul Bächtiger führt beim Besuch der Journalistin und der Fotografin gezielt in den Garten zu seiner Wettersäule. Diese ist für den neuen Präsidenten der Vinzenzkonferenzen ein Symbol für die Hilfe, welche die karitativ tätigen Vereine bewirken: Wettersäulen registrierten nämlich nicht nur Regen und Kälte, sondern würden auch Sonnenzeiten aufzeichnen, erklärt der Horgner.

Genau das möchten die Vinzenzvereine bezwecken: Dank Geldgebern soll armutsbetroffenen Personen ein ermutigender Sonnenstrahl geschickt werden. Bächtiger sieht noch eine zweite Parallele zwischen Vinzenzvereinen und Wettersäulen: Die Messgeräte würden nur eine kurzfristige Wetterprognose erlauben. Auch Vinzenzvereine könnten nur für den Moment eine Überbrückungshilfe anbieten. Längerfristig seien die Sozialämter der Gemeinden für das Aufgleisen von Hilfe für Menschen in Not zuständig.

Familiäre Wurzeln

Der neue Präsident ist vom Zentralrat für das Ehrenamt angefragt worden. Er überlegte nur kurz und sagte dann zu. Dafür nennt Bächtiger verschiedene Gründe: «Es geht uns gut, wir sind eine intakte Familie, darum möchte ich Menschen auf der Schattenseite des Lebens etwas zugute tun».

Hilfreich sei zudem seine Vernetzung im Dorf. Als Lokalhistoriker, ehemaliger Gemeinderat und Lehrer habe er viele Kontakte. Er sagt: «Ich kenne viele Eltern und rund 1000 Schülerinnen und Schüler, was mir für die neue Aufgabe nützlich sein könnte». Und nicht zuletzt verweist Bächtiger auf seine Herkunftsfamilie. Bereits sein Vater, der ebenfalls Lehrer war, sei damals vor rund 50 Jahren in St. Gallen Präsident der Vinzenzkonferenz und auch Präsident der Schweizerischen Pflegekinderaktion Sektion St.Gallen /Appenzell gewesen.

Schon als Jugendlicher war Paul Bächtiger so im Kontakt mit Menschen in Not. Er erinnert sich: «Randständige kamen zu uns nach Hause und baten um Hilfe». Er vergisst nicht, wie seine Mutter sich Zeit nahm, um den oft belastenden Erzählungen der Leute zuzuhören. Wenn dann sein Vater nach Hause gekommen sei, habe dieser sich um die Hilfesuchenden gekümmert. Bächtiger selber engagierte sich ebenfalls als Hilfsleiter und Leiter in den Ferienlagern für Pflegekinder. Diese Wochen hätten ihn geprägt und für Menschen in Bedrängnis sensibilisiert, erzählt er.

Bächtiger weiss, dass vor allem Alleinerziehende es oft kaum schaffen, über die Runden zu kommen. Die Situation habe sich sogar verschärft, da die Zahl der Alleinerziehenden sich in den letzten 30 Jahren rund verdreifacht habe. Das bedeute: Unvorhergesehenes könne zu einem finanziellen Desaster oder gar zu Verzweiflungsreaktionen führen. Bächtiger nennt etwa eine Heizungsnachzahlung, eine Zahnarztrechnung, einen Beitrag für ein Sportlager für die Kinder oder auch Auslagen bei einem Umzug. Er selber ist aber nicht für die Gesuche zuständig. Ansprechpartner dafür sind Vertrauenspersonen der einzelnen Konferenzen. Sie können autonom und unbürokratisch Unterstützungsbeiträge bewilligen. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Hilfe und Beratung bei Kontakten mit Institutionen.

Wer rastet, der rostet

Zu den Aufgaben des neuen Präsidenten gehört die Organisation der Zentralratssitzungen, der Einsitz in der Baukommission des Vinzenzheimes, das in Zürich-Witikon gebaut wird, sowie die Vertretung im sogenannten Oberrat der schweizerischen Vinzenzkonferenzen. Paul Bächtiger freut sich auf die neue Aufgabe, ohne dabei seine angestammten Bereiche vernachlässigen zu müssen. Er wird als Lokalhistoriker weiterhin Führungen für den Verkehrsverein Horgen leiten, sich in der Quartierarbeit engagieren, Grosskinder hüten, im Kirchenchor singen, der CVP den Rücken stärken und sich natürlich weiter seinen Wettersäulen widmen mit der weltweiten Inventarisierung im Internet dieser Zeitzeugen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Diese Hobbys würden das neue karitative Ehrenamt im Dienste der Vinzenzvereine bestens ergänzen, meint er. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.05.2017, 16:04 Uhr

Vinzenzvereine

Bereits im 16. Jahrhundert setzte sich der französische Priester Vinzenz von Paul für armutsbetroffene Menschen ein. Frederic Ozanam, ein weiterer Franzose, übernahm die Idee von der Liebe, die zur Tat werden müsse. Er gründete 1833 offiziell die Vinzenzvereine. Diese sind in den Pfarreien beheimatet und leisten aus christlicher Überzeugung unabhängig von Konfession und Nationalität Unterstützungshilfe.

Vinzenzvereine gibt es weltweit in 180 Ländern. Allein im Kanton Zürich gibt es 17 Vinzenzkonferenzen, so auch in Horgen, Richterswil und Thalwil. Im Bezirk Horgen haben die drei Vinzenzkonferenzen zusammen jährlich je nach Spendeneingang rund 40 000 Franken für Nothilfe zur Verfügung. (vs)

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