Adliswil

Ums Adliswiler Stadtpräsidium kommt es zum zweiten Wahlgang

Drei, nicht nur zwei Neue sitzen ab 1. Juli im Stadtrat. Wurde doch Schulpräsident Raphael Egli (CVP) abgewählt. Die SP und die Freien Wähler sind wieder in der Exekutive vertreten. Noch nicht entschieden ist, wer das Stadtpräsidium übernimmt.

Neu setzt sich der Stadtrat Adliswil aus drei Neuen und vier Bisherigen zusammen (von links): Felix Keller (parteilos, bisher), Karin Fein (Freie Wähler, neu), Farid Zeroual (CVP, bisher), Susy Senn (FDP, bisher), Renato Günthardt (SVP, bisher), Carmen Marty Fässler (SP, neu), Markus Bürgi (FDP, neu).

Neu setzt sich der Stadtrat Adliswil aus drei Neuen und vier Bisherigen zusammen (von links): Felix Keller (parteilos, bisher), Karin Fein (Freie Wähler, neu), Farid Zeroual (CVP, bisher), Susy Senn (FDP, bisher), Renato Günthardt (SVP, bisher), Carmen Marty Fässler (SP, neu), Markus Bürgi (FDP, neu). Bild: Patrick Gutenberg

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Bei der CVP Adliswil lagen Freude und Leid am Wahlsonntag nahe beieinander. Zuerst dominierte der Frust im Café Disler, wo die Parteimitglieder sich zur Wahlfeier trafen. Wurde doch als erstes bekannt, dass ihr Schulpräsident, Raphael Egli, wohl abgewählt sei. Noch war das Resultat erst inoffiziell, doch die Minen waren bereits betreten. Raphael Egli selbst versuchte, gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Sagte, er habe nach den Turbulenzen ums Schulhaus Zopf damit rechnen müssen, dass es eng würde.

In der ihm eigenen Ruhe ging der zweite Hoffnungsträger der CVP, der amtierende Finanzvorstand Farid Zeroual von Tisch zu Tisch. Zückte immer wieder sein Smartphone, in der Hoffnung, dass die Resultate endlich mitgeteilt würden. Doch das Auszählen dauerte.

Zeroual mit bestem Resultat

Erst gegen 16.30 Uhr lagen die Ergebnisse der Stadtratswahlen vor. Nun war klar: Raphael Egli hatte zwar das absolute Mehr erreicht, schied aber als überzählig aus. Die gute Nachricht dagegen: Farid Zeroual hatte zwar als Stadtpräsident das absolute Mehr verpasst, erreichte aber als Stadtrat mit 2075 Stimmen das beste Resultat aller Kandidaten – 144 Stimmen mehr als Susy Senn (FDP).

Es brandete Applaus auf im Café Disler, als Zeroual die Resultate vorlas. Für die CPV ist das ein Erfolg. Ist doch das Adliswiler Stadtpräsidium seit 1982 in freisinniger Hand. Und Farid Zeroual selbst hatte 2014 den Sprung in den Stadtrat mit dem schlechtesten Resultat geschafft – nun mit dem besten. «Darauf kann ich am 10. Juni aufbauen», sagte ein sichtlich erfreuter Zeroual. Er gab sich gleichzeitig nachdenklich. «Das Ganze hat für mich aber einen schalen Beigeschmack» – und meinte Eglis Abwahl.

«Habe nichts falsch gemacht»

Dieser wurde allenthalben umarmt. Er fing sich relativ rasch und äusserte sich sachlich: «Ich habe nichts falsch gemacht. Finde es aber schade. In den letzten vier Jahren habe ich sehr viel investiert.» Die Schulpflege habe sehr viel Arbeit gehabt mit der Integration in den Stadtrat. «Die Früchte dieser Arbeit hätte ich gerne geerntet. Und der Schule hätte ich eine Phase der Konsolidierung gewünscht.» Nicht ohne Galgenhumor fügte der Seklehrer hinzu, nun werde er Schulleiter im Zopf. Erhobenen Hauptes mischte sich Egli anschliessend unter die Politiker, die sich vor dem Stadthaus trafen.

2. Wahlgang als Tradition

Dort war auch eine leicht angespannte Susy Senn anzutreffen. Sie bemühte sich zwar, Freude über das zweitbeste Wahlresultat zu zeigen. Wie um sich selbst zu trösten, fügte sie an: «Es hat ja gewissermassen Tradition mit dem zweiten Wahlgang fürs Adliswiler Stadtpräsidium. Harald Huber erging es bei seiner ersten Wahl nicht anders.» Eine Erklärung dafür, dass es ihr nicht gereicht hat, sieht sie darin, dass sie eine Frau ist. «Frauen müssen nach wie vor mehr leisten als Männer, gerade wenn es ums Führungspositionen geht.»

Was den Gesamtstadtrat angeht, wird das Gremium aber weiblicher. Sind doch sowohl Karin Fein (Freie Wähler) als auch Carmen Marty-Fässler (SP) gewählt worden – neu gibt es drei Stadträtinnen, zur Zeit ist es nur eine. Beide Parteien sind damit nach einer vierjährigen Absenz wieder in der Exekutive vertreten.

Zufrieden sein kann auch die FDP. Mit Markus Bürgi hat sie es geschafft, ihren zweiten Stadtratssitz zu halten. Als Verliererin muss die SVP gesehen werden. Ihre Kandidatin Heidi Jucker hat es nicht geschafft, den Sitz von Patrick Stutz zu verteidigen. Renato Günthardt ist neu der einzige SVP-Vertreter im Stadtrat. Er ist komfortabel wiedergewählt worden, wie der Parteilose Felix Keller auch. Die Wahlbeteiligung lag bei 31 Prozent. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.04.2018, 22:01 Uhr

Adliswil

SVP verliert zwei Sitze, GLP holt direkt zwei

Die SVP in Adliswil fällt im Parlament von zehn auf acht Sitze und ist damit die Partei, welche bei den gestrigen Kommunalwahlen am stärksten verloren hat. Den Fehler sieht SVP-Ortsparteipräsident Sebastian Huber jedoch nicht bei den aufgestellten Kandidaten. «Der Abwärtstrend der SVP zeigte sich vor allem auch auf nationaler Ebene», sagt Huber. Als lokale Ortpartei werde man automatisch in diesem Sog mitgezogen, «auch wenn Kandidaten seit Jahren für Adliswil politisieren». Hierbei meint Huber seine Vizepräsidentin Hedwig Habersaat, welche die Wiederwahl ins Parlament nicht geschafft hat.

Pikant: Sebastian Huber wurde hinter Habersaat gelistet, überholte die Vizepräsidentin aber, weil er 1305 Stimmen erhielt und Hedwig Habersaat deren 1278.

Urbane Partei

Die Wahlgewinnerin am gestrigen Tag war die GLP. Die Sektion in Adliswil wurde erst im Januar gegründet. Dennoch ergatterte die Ortspartei direkt zwei Sitze im Parlament. Gewählt wurden Stefan Neubert und Garbiel Mäder, die zusammen auch das Co-Präsidium der Partei inne haben.

Die Freude bei den Neu-Gemeinderäten war gestern dementsprechend gross. Den Erfolg führt Gabriel Mäder auf die «immer urbanere Gesellschaft zurück», die laut dem Politiker auch in Adliswil Einzug hält: «Wir sind eine moderne und fortschrittliche Partei, die ihre Wählerschaft in der städtischen Bevölkerung hat. Weil Adliswil immer urbaner wird, konnten wir davon profitieren.» Eine moderne Sichtweise wolle man nun auch im Adliswiler Parlament vertreten.

Ebenfalls zu den Gewinnern der Erneuerungswahlen gehören die Grünen. Sie konnten einen Sitz zulegen und kommen damit neu auf drei Sitze. Die Zeche zahlt die CVP. Sie verliert einen Sitz und muss damit den vor vier Jahren dazugewonnen an die Grünen weitergeben.

SP bleibt zweitgrösste Partei

Die restlichen Parteien konnten ihre Sitze im Grossen Gemeinderat halten. Die SP bleibt mit sieben Sitzen die zweitstärkste Kraft in Adliswil. Diesen Rang konnte ihr die FDP nicht ablaufen. Obwohl sie im Gegensatz zur SVP ihre beiden Stadtratssitze verteidigen konnte (siehe Artikel oben), half es ihr bei den Gemeinderatsitzen nicht. Wie in der letzten Legislaturperiode darf die FDP weiterhin sechs Vertreter ins Parlament schicken.

Ebenfalls ihre Sitze halten konnten die EVP und die Freien Wähler. Sie bleiben mit zwei, respektive mit vier Sitzen vertreten.

Pascal Münger

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