Mienenbüttel/Wädenswil

Deutsches Tierlabor LPT muss schliessen – Direktor kritisiert Hetze

Auch eine Wädenswiler Firma hat im umstrittenen Labor Versuche durchgeführt. LPT-Direktor Jost Leuschner spricht von einer Hetzkampagne.

So dokumentierte der Verein «Soko Tierschutz» die Zustände in den Aussenzwingern bei LPT im vergangenen Jahr.

So dokumentierte der Verein «Soko Tierschutz» die Zustände in den Aussenzwingern bei LPT im vergangenen Jahr. Bild: PD

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Die Zustände im norddeutschen Tierversuchslabor LPT haben nicht nur Tierschützer schockiert. Hunde, Katzen oder Affen wurden bei den Tierversuchen offenbar gequält, wie im vergangenen Herbst bekannt wurde. Studien an Hunden hat unter anderen auch die Wädenswiler Firma Inthera Bioscience dort durchführen lassen. Die Politik, aber auch die Justiz sind in der Zwischenzeit in Deutschland gegen das Labor aktiv geworden. «Primär geht es um den Verdacht des Verstosses gegen das Tierschutzgesetz», sagt Johannes Kiers, zuständiger Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Stade.

Die Behörden des zuständigen Landkreises Harburg haben am Freitag bekanntgegeben, dem Labor den Betrieb mit sofortiger Wirkung zu untersagen. «Nach gründlicher Prüfung kommt der Landkreis Harburg zu der Überzeugung, dass die Zuverlässigkeit des Betreibers nicht mehr gegeben ist», heisst es in einer Mitteilung. Der Landkreis handelt nach dem deutschen Tierschutzgesetzparagraphen 11. «LPT wird eine Frist von zwei Wochen eingeräumt, um alle derzeit noch in der Tierversuchsanstalt lebenden Tiere – dabei handelt es sich um 96 Hunde – an geeignete Dritte abzugeben», heisst es in der Mitteilung weiter. LPT habe die Möglichkeit, rechtliche Schritte gegen den Widerruf einzuleiten. Eine Klage hätte jedoch keine aufschiebende Wirkung, teilt der Landkreis mit. Detailliertere Aussagen zur Begründung des Widerrufs können aufgrund der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht gemacht werden.

Keine Tierversuche mehr an Affen

Tierversuche finden am LPT-Standort in Mienenbüttel, dort, wo auch die brutalen Aufnahmen der Tierschützer entstanden sein sollen, derzeit ohnehin keine mehr statt. Dies bestätigen sowohl der zuständige Landkreis als auch LPT selbst. Die letzten Studien liefen im Dezember aus.

Labordirektor Jost Leuschner erklärte auf Anfrage der Zürichsee-Zeitung noch Anfang dieser Woche: «LPT wird bis auf weiteres keine Studien an Affen, Hunden und Katzen aufgrund des medialen – in Form einer Hass- und Hetzkampagne – und politischen Druckes durchführen.» Allerdings ist das kein grundsätzlicher Rückzug des Unternehmens aus Tierversuchen, wie Leuschner weiter schreibt - denn LPT betreibt weitere Laborstandorte: «Studien an Nagern, Minipigs, Kaninchen sowie In-vitro-Prüfungen, Immuntoxikologie oder analytische Dienstleistungen werden von dieser Entscheidung nicht in Mitleidenschaft gezogen.»

Nachfragen zu den Vorwürfen wegen der brutalen Tierversuche lässt Direktor Leuschner unbeantwortet. Er betont nur, dass die ebenfalls gemachten Vorwürfe wegen der Manipulation von Untersuchungsdaten falsch seien und der Status für gute Laborpraxis von den Hamburger Behörden auch in jüngsten Inspektionen im Dezember nicht beanstandet wurden. Die zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz aus Hamburg konnte diese Angaben aus terminlichen Gründen diese Woche noch nicht bestätigen.

Tiere werden vermittelt

Was aber passiert mit den Tieren, die bei LPT für Tierversuche untergebracht waren? Laut einem Sprecher des Landkreises Harburg wurden Affen und Katzen bereits abtransportiert, vor Ort sind noch knapp 100 Hunde. Übernommen werden die Tiere von Tierhändlern, Privatpersonen und Tierschutzorganisationen. Auch eine Pharmafirma, die bei LPT Tierversuche durchführen liess, hat Tiere in ihre Obhut genommen, um sie mithilfe von Tierschützern angemessen unterzubringen.

Der Landkreis Harburg betont, LPT könne die Tiere aus dem Labor nicht einfach so wegschaffen. Das Labor muss bescheinigen, wo die Tiere hingebracht werden. Von den Behörden beauftragte Tierärzte würden zudem grössere Transporte überwachen.

Keine Folgen für Auftraggeber

Bisher keine Folgen haben die Zustände für die Auftraggeber der Studien bei LPT. Obwohl die schockierenden Bilder aus dem deutschen Labor Tierschützer aufgeschreckt haben, will die Schweizer Start-up-Stiftung Grow - wo einer der LPT-Auftraggeber seinen Sitz hat - trotzdem keine neuen Regeln im Umgang mit Tierversuchen (zum Artikel).

Erstellt: 17.01.2020, 08:58 Uhr

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