Rüschlikon

Trotz Swisscom-Projekt plant Rüschlikon eigenes Glasfasernetz

Bis nächstes Jahr will die Swisscom Rüschlikon ans Glasfasernetz anschliessen. Trotzdem hält die Gemeinde an ihren Plänen fest, selber Glasfaserleitungen zu verlegen.

Die Swisscom beabsichtigt, bis 2021 jede Schweizer Gemeinde mit einem Glasfasernetz auszustatten.

Die Swisscom beabsichtigt, bis 2021 jede Schweizer Gemeinde mit einem Glasfasernetz auszustatten. Bild: Symbolbild/Keystone

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Schweizweit investiert die Swisscom rund 1,6 Milliarden Franken pro Jahr in ihre Infrastruktur. Dazu gehört auch das Glasfasernetz. Im Bezirk Horgen wurde dieses schon in Kilchberg, Adliswil, Langnau, Horgen und Wädenswil verlegt.

Bis nächstes Jahr will der Telekomriese auch Rüschlikon mit der Glasfasertechnologie ausstatten. Die acht Monate dauernden Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Die Kabel werden dabei hauptsächlich durch bestehende Kabelkanäle gezogen. Mit dem Ausbau in der Seegemeinde will die Swisscom ihr Ziel weiterverfolgen: Bis Ende 2021 sollen sämtliche Gemeinden in der Schweiz mit besserem Internetzugang ausgestattet sein.

Das Thema schnelles Internet ist in Rüschlikon schon länger auf dem Tapet. Vor vier Jahren wollte der Gemeinderat den Ausbau zusammen mit der Swisscom und den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) realisieren. Das aktuelle Vorhaben der Swisscom habe mit den Plänen von 2015 jedoch nichts zu tun, sagt Rüschlikons Gemeindepräsident Bernhard Elsener (CVP). «Diese Kooperation hatten wir relativ schnell beerdigt.»

Leitungen bis ins Haus

Der Gemeinderat habe den Monopolstatus der Swisscom nicht mit Steuergeldern weiter stärken wollen. Denn: «Die Swisscom stellt ihre Glasfaserleitungen zwar auch anderen Anbietern zur Verfügung, jedoch gegen ein Entgelt», argumentiert Elsener. Da diese Mehrkosten auf die Kunden abgewälzt würden, müssten die Rüeschliker quasi zweimal für ihren Glasfaseranschluss bezahlen: mit den Steuern und mit der monatlichen Internetrechnung.

So führen die Swisscom und der Gemeinderat ihre Pläne für ein Rüeschliker Glasfasernetz unabhängig voneinander weiter. Werden in Rüschlikon also doppelt so viele Glasfaserleitungen verlegt als nötig? «Nein», sagt Elsener. Denn die Swisscom baue ihr Glasfasernetz nicht bis zu den einzelnen Haushalten, sondern nur bis vor die Gebäude. Also nach dem sogenannten «Fibre to the Street»-Prinzip (FTTS). Für die letzten Meter bis in die Häuser werden die alten Kupferleitungen benutzt. Das limitiere vor allem die Geschwindigkeit fürs Hochladen von Daten, sagt Elsener.

So schnell wie in Zürich

Der Gemeinderat strebe hingegen ein Glasfasernetz an, das bis in jeden Haushalt hineinreicht. «Damit wäre Rüschlikon zukunftsfähig mit schnellem Internet abgedeckt und gleich gut wie die Stadt Zürich», meint Elsener. Auch biete Rüschlikon damit seinen Einwohnern die Wahlfreiheit des Internetanbieters ohne Zusatzkosten. Über das weitere Vorgehen mit dem gemeindeeigenen Glasfasernetzes will der Gemeinderat laut Bernhard Elsener nach den Sommerferien informieren.

Bei der Swisscom laufen derweil die Vorbereitungen für den Netzausbau in Rüschlikon. Wie Swisscom-Mediensprecherin Esther Hüsler sagt, erfolge der Ausbau nahezu flächendeckend. Dabei komme sowohl die FTTS-, als auch die FTTH-Technologie (siehe Kasten) zum Einsatz.

«Zurzeit sind wir in der Detailplanung.» Die Kosten für den Ausbau trage vollumfänglich die Swisscom. Dennoch werde das Netz auch von anderen Anbietern genutzt werden können wie beispielsweise von Sunrise oder der Swisscom-eigenen Marke Wingo. Für deren Kunden entstehen laut Hüsler keine Mehrkosten, womit sie der Argumentation des Rüeschliker Gemeinderats widerspricht.

Erstellt: 19.07.2019, 17:33 Uhr

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Diese Glasfasertechnologien verwendet die Swisscom

Glasfasern sind, wie der Name sagt, lange, dünne Fasern aus Glas. Ihre Verwendung ist vielfältig. Neben der Datenübertragung werden sie beispielsweise zur Wärme- und Schalldämmung oder für glasverstärkte Kunststoffe genutzt. Letztere zählen heute zu den wichtigsten Konstruktionswerkstoffen. Für die Datenkommunikation nutzt die Swisscom folgende Technologien:


  • Fibre to the Curb (FTTC): Die Glasfaserleitung wird bis auf 550 Meter zu den Liegenschaften verlegt. Für die sogenannte «letzte Meile» werden Kupferkabel genutzt. Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt laut Swisscom bei bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s).


  • Fibre to the Street (FTTS): Die Glasfaserleitung endet 200 Meter vor den Liegenschaften. Für die «letzte Meile» werden Kupferkabel genutzt. Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt bis zu 500 Mbit/s.


  • Fibre to the Building (FTTB): Die Glasfaserleitung geht bis in den Keller.Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt bei bis zu 500 Mbit/s.


  • Fibre to the Home (FTTH): Die Glasfaserleitung wird bis in die Wohnung gezogen. So wird laut Swisscom eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 1000 Mbit/s erreicht.


  • Neben den von der Swisscom genutzten gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Glasfasern in der Datenübertragung verwendet werden können: Beispielsweise die «Fibre to the Distribution Point»-Technologie (FTTdp). Die Glasfaserleitung führt in diesem Fall bis zum Kabelschacht der Strasse.

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