Schönenberg

«Trotz aller Unstimmigkeiten trete ich mit etwas Wehmut zurück»

Während knapp vier Jahren amtete Lukas Matt als Gemeindepräsident von Schönenberg. Ein halbes Jahr vor Ende seiner Amtszeit gibt er seinen Rücktritt und blickt auf eine turbulente Zeit zurück.

Gerne hätte Lukas Matt die Gemeinde Schönenberg per 31. Dezember 2017 an Wädenswil übergeben. Nun tritt er nach 3,5 Jahren von seinem Amt als Gemeindepräsident zurück.

Gerne hätte Lukas Matt die Gemeinde Schönenberg per 31. Dezember 2017 an Wädenswil übergeben. Nun tritt er nach 3,5 Jahren von seinem Amt als Gemeindepräsident zurück. Bild: Manuela Matt

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Fast vier Jahre lang hatten Sie das Amt als Gemeindepräsident von Schönenberg inne. Dabei kommen Sie ursprünglich von Thalwil. Was hat Sie auf den Berg verschlagen?
Lukas Matt: Mich zog es in ein ländlicheres Gebiet. Schönenberg und die Umgebung der Gemeinde mit der Nähe zur Natur gefallen mir nach wie vor.

Fünf Jahre nach ihrem Zuzug wurden Sie Gemeindepräsident von Schönenberg. Was motivierte Sie, dieses Amt zu bekleiden?
Politisch war ich schon immer sehr interessiert. Motiviert hat mich insbesondere zu erfahren, wie eine Gemeinde funktioniert. Vor meiner Kandidatur habe ich viele Gespräche geführt und bin der FDP beigetreten. Zunächst wollte ich für den Gemeinderat kandidieren. Schliesslich konnte ich mir auch das Amt als Gemeindepräsident vorstellen.

Die Ausgangslage bei Ihrem Amtsantritt war nicht einfach. Der Schönenberger Gemeinderat war vorgängig oft in der Kritik. Der Bezirksrat sprach im Herbst 2011 von Strukturproblemen in der Gemeinde. Hat Sie das nicht abgeschreckt?
Die Kritik habe ich mitbekommen. Abgeschreckt hat mich diese jedoch nicht. Aber der Wahlkampf ist mir noch sehr gut in Erinnerung. Damals sagte eine Schönenbergerin zu mir: Sie werden es nicht leicht haben, aber ich finde es gut, dass Sie kandidieren. Die Anfangsphase im Gemeinderat war geprägt davon, dass Entscheide der Vorgängerbehörde rückgängig gemacht wurden. Bereits im alten Gemeinderat war auch die Fusion mit Wädenswil ein viel diskutiertes Thema. Ich stand einer Prüfung eines Zusammenschlusses offen gegenüber. Bereits in der ersten Woche meiner Amtszeit standen jedoch einige Gemeinderäte - drei waren ebenfalls neu im Amt - einer Fusion skeptisch gegenüber.

Welche Schwierigkeit brachte diese Meinungsverschiedenheit im Gemeinderat mit sich?
Die Diskussionen waren politisch schnell aufgeladen. An einer ersten Klausur haben wir uns ausgetauscht. Doch ich merkte schnell, dass wir nicht auf einen Nenner kommen und der Gemeinderat sagte die erste Abstimmung zur Fusion ab. Eine Grundsatzabstimmung fand erst im November statt. Ich war vom Start der neuen Behörde enttäuscht, denn das Verhalten innerhalb des Gemeinderates war nicht immer konstruktiv und lösungsorientiert.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Nach wenigen Monaten war das Verhältnis unter den Gemeinderäten bereits derart belastet, dass ich eine Mediation vorschlug. Ich wollte, dass wir die Probleme beheben. Doch mein Vorschlag wurde abgeschmettert. Die Bereitschaft war nicht da. Aus meiner Sicht war das eine verpasste Chance.

Die Gemeindeschreiber in der Verwaltung waren ebenfalls ein Dauerthema.
Ja, der damalige Gemeindeschreiber kam im neuen Gemeinderat rasch massiv unter Druck. Eine Mehrheit des Gemeinderats wollte ihn loswerden. Nach monatelang andauernden Konflikten trennte man sich von ihm, was aufgrund der arbeitsrechlichen Situation leider mit hohen Kosten verbunden war. Es war äusserst schwierig, einen neuen geeigneten Schreiber zu finden in dieser anspruchsvollen Situation. Dies war bereits vorher absehbar, hatten sich doch schon zuvor viele Bewerber die Klinke in die Hand gegeben und nach kurzer Zeit wieder das Handtuch geworfen. Wir hatten meistens Übergangslösungen, was stets eine sehr schwierige Situation für die Verwaltung, aber auch für die Behörde war.

«Ich erachte das Amt als Gemeindepräsident als grosses Privileg.»Lukas Matt, ehemaliger Gemeindepräsident Schönenberg

Was waren die negativen Seiten Ihres Amtes?
Die Querelen im Gemeinderat empfand ich als mühsam und sehr negativ. Viele Verfahren waren mit persönlichen Angriffen verbunden. Als Gemeindepräsident ist man exponiert. Das gehört bis zu einem gewissem Grad dazu. Aber die Belastung durch das Amt war zeitweise doch sehr hoch.

Sie haben aber auch positive Erfahrungen gemacht.
Ja, und diese überwiegen. Ich erachte das Amt als Gemeindepräsident als grosses Privileg. Christine Burgener, ehemalige Gemeindepräsidentin von Thalwil, hat das Amt einst als gratis Weiterbildung beschrieben. Das ist es sicher. Man lernt die Gemeinde kennen und die Arbeit, die dahinter steckt. Man kommt mit sehr vielen Leuten in Kontakt. Geschätzt habe ich in der Gemeinde - nebst der alltäglichen politischen Arbeit natürlich - insbesondere die Begegnungen und Gespräche, die ich mit Gratulanten haben durfte - generell der Austausch mit der Bevölkerung, auch wenn man nicht immer jeden Wunsch erfüllen konnte. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeindepräsidenten auf der Suche nach Lösungen für bezirksweite Projekte oder die fruchtbare und kollegiale Zusammenarbeit in der Steuerungsgruppe im Zusammenschluss-Projekt bleiben mir in guter Erinnerung. .

Was verbuchen Sie als Erfolge während Ihrer Zeit als Gemeindepräsident?
Letztlich basiert vieles auf Entscheiden des Gremiums - und vor allem des Stimvolks. Deshalb habe ich mich auch mit voller Kraft dafür eingesetzt, dass der Volkswille umgesetzt wird und eine Abstimmung über einen Zusammenschluss stattfindet. Dazu konnte ich meiner Meinung nach massgeblich beitragen. Der volksauftrag- und auch mein Wählerauftrag sind erfüllt. Zu den Höhepunkten zähle ich auch die Informationsabende in diesem historischen Projekt, ganz besonders die Veranstaltung in der reformierten Kirche in Wädenswil und diejenige der Gemeinde Schönenberg bei uns im Dorfhuus. Diese waren sehr unterschiedlich und fanden doch beide in einer sehr bedeutungsvollen Atmosphäre statt. Man spürte richtig, dass es um etwas ging. Dies waren sehr spezielle Momente.

Die Fusion findet voraussichtlich erst im nächsten Jahr statt. Sie treten aber bereits jetzt zurück. Warum?
Ich bringe Dinge gerne zu Ende und hätte die Gemeinde gerne per 31. Dezember 2017 an Wädenswil übergeben. Allerdings ist das Amt als Gemeindepräsident sehr zeitintensiv und es war mit meiner Berufstätigkeit je länger je weniger vereinbar. Auch der Sport und meine gesundheit sind zu kurz gekommen und mit meiner Familie steht jetzt eine neue Lebensphase an. Es kam alles zusammen. Deshalb die Entscheidung, die für mcih stimmt, auch wenn mir dieser Schritt nicht leicht gefallen ist.

Werden Sie sich auch an ihrem neuen Wohnort politisch engagieren?
Ich werde ein politischer Mensch bleiben. Trotz aller Unstimmigkeiten trete ich mit etwas Wehmut zurück. Die letzte Zeit in meinem Amt war mit schönen Anlässen bestückt. Für mich ein stimmiger Rahmen für einen Abschluss. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.01.2018, 16:06 Uhr

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