Wädenswil/Richterswil

Touristentafel verwischt die Kantonsgrenzen

Mittels einer Tafel an der A3 werden die Autofahrer im Kanton Schwyz willkommen geheissen. Die Tafel steht jedoch nicht auf der Kantonsgrenze, sondern rund 3,5 Kilometer davor.

Zwei neue Tafeln wurden kürzlich entlang der Autobahn A3 aufgestellt. Eine davon heisst die Autofahrer im Kanton Schwyz willkommen - obwohl sich das Schild zwischen Wädenswil und  Richterswil befindet, also noch deutlich auf Zürcher Boden.

Zwei neue Tafeln wurden kürzlich entlang der Autobahn A3 aufgestellt. Eine davon heisst die Autofahrer im Kanton Schwyz willkommen - obwohl sich das Schild zwischen Wädenswil und Richterswil befindet, also noch deutlich auf Zürcher Boden. Bild: Moritz Hager

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«Oha, hab ich die Ausfahrt Richterswil verpasst?», wird sich der eine oder andere Autofahrer denken, der auf der A 3 in Richtung Chur unterwegs ist. «Willkommen im Kanton Schwyz» ist in weissen Lettern auf braunem Grund auf einer nagelneuen Tafel auf Höhe des Wädenswiler Rastplatzes Gerenau zu lesen.

Ein paar Hundert Meter weiter befindet sich eine zweite Tafel, die ebenfalls vermuten lässt, dass man sich bereits auf dem Boden des Kantons Schwyz befindet: «Hoch-Ybrig, Kloster Einsiedeln» ist darauf zu lesen – illustriert mit einem Skifahrer und der Silhouette des Klosters im Hintergrund. Tatsächlich befinden sich die Tafeln aber vor der Ausfahrt Richterswil und damit noch im Gebiet des Kantons Zürich. Wissen die Schwyzer etwa nicht, wo sich ihre Kantonsgrenze befindet?

Auf direkten Weg verweisen

«Nur die wenigsten wissen, wo genau die Kantonsgrenze verläuft», sagt Vendelin Coray, Geschäftsleiter von Schwyz Tourismus, und fügt hinzu, «ausser die Ortskundigen natürlich.» Dass die touristische Signalisation auf den Autobahnen nicht genau auf der Kantonsgrenze erfolge, sei aber keine Ausnahme. «In diesem Fall haben wir die Tafel, die auf den Hoch-Ybrig und das Kloster Einsiedeln aufmerksam macht, vor der Ausfahrt Richterswil platziert», sagt Coray, denn von da aus sei es der direkte Weg zu den beiden touristischen Zielen. Die Willkommenstafel habe dementsprechend weiter vorne platziert werden müssen.

Auch Jérôme Jacky, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), das die Tafeln bewilligt hat, gibt zu bedenken: «Es macht mehr Sinn, eine solche Willkommenstafel vor der Kantonsgrenze aufzustellen.»

Tafel mit visuellem Gag

Das Konzept für solche Tafeln muss der jeweilige Kanton oder, wie in Zürich, die Region erstellen. Dabei seien lediglich die Vorgaben des Astra zu beachten, die in einer Weisung festgelegt sind. So dürfen die touristischen Signaltafeln bestimmte Masse nicht überschreiten, haben eine vorgegebene Schriftgrösse und müssen ein Drittel an Brauntönen aufweisen. Auch die Sujets müssen vom Astra bewilligt werden. «In erster Linie darf die Sicherheit der Autofahrer durch die Tafeln nicht beeinträchtigt werden, indem sie zum Beispiel die ordentliche Signalisation verdecken», sagt Jacky. Für die Kosten müssen die Kantone aufkommen. Der Bund leiste hierzu keinen Beitrag.

Die zwanzig Tafeln, die den Kanton Schwyz bewerben und bis Ende Oktober alle installiert sein sollen, überraschen zudem mit einem visuellen Gag. Dank einer partiell reflektierenden Oberfläche verändert sich das Bild in der Nacht, wenn es von den Scheinwerfern der vorbeifahrenden Fahrzeuge beleuchtet wird. Auch wenn die Tafeln die Touristen in den Kanton Schwyz locken sollen, ein kurzer Blick lohnt sich – für mehr bleibt beim Vorbeirasen ohnehin keine Zeit. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 16:35 Uhr

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