Tierversuche

Tierschützer rufen zu Demo gegen Wädenswiler Pharma-Firma auf

Tierschützer fordern von Inthera Bioscience volle Transparenz zu den Tierversuchen. Derweil skizziert die Start-Up-Stiftung Grow mögliche Konsequenzen.

Die Firma Inthera hat ihren Sitz im Grow-Start-up-Center an der Einsiedlerstrasse in Wädenswil.

Die Firma Inthera hat ihren Sitz im Grow-Start-up-Center an der Einsiedlerstrasse in Wädenswil. Bild: ckn

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Bereits über 7500 Personen haben im Internet eine Tierschutzpetition unterzeichnet. Sie fordern die Wädenswiler Pharma-Firma Inthera Bioscience auf, zukünftig auf Tierversuche zu verzichten. Inthera ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie Tierversuche in einem umstrittenen Labor in Deutschland durchführen liess. Bei diesen Versuchen starben laut der deutschen Organisation Soko Tierschutz mehrere Hunde qualvoll.

Nach den Medienberichten zu den Vorfällen ruft nun die Schweizer Tierschutzorganisation Animal Rights Switzerland gar zu einer Demonstration gegen Inthera in Wädenswil auf. Vor dem Firmensitz auf dem Tuwag-Areal an der Einsiedlerstrasse will Animal Rights heute Freitagmittag eine Mahnwache halten, wie es in einem Aufruf heisst. «Der Druck auf die Firma muss hoch bleiben», sagt Sprecher Pablo Labhardt. Inthera solle merken, dass die Bevölkerung in Sachen Tierschutz nicht wegschaue. In einem ersten Schritt fordert Animal Rights von Inthera vollständige Transparenz über die Tierversuche. «Es ist aber aus unserer Sicht unumgänglich, dass die Firma ganz von Tierversuchen wegkommt.»

Wenig Platz auf Trottoir

Die Demonstration vom Freitag wurde von der Stadt Wädenswil bewilligt. «Zusammen mit der Polizei haben wir geprüft, ob wir die Sicherheit der Demonstranten, aber natürlich auch der Nichtbeteiligten gewährleisten können», sagt Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP). Dabei spielen die Platzverhältnisse auf dem Trottoir an der Einsiedlerstrasse eine Rolle, denn die Demonstration darf nur auf öffentlichem Grund stattfinden. Nehmen mehr als 50 Personen an der Kundgebung teil, muss diese aus Sicherheitsgründen auf dem Seeplatz stattfinden. Dort treffen sich die Demonstranten um 12.30 Uhr, um danach zu Fuss zur Pharma-Firma zu gelangen.

«Zusammen mit der Polizei haben wir geprüft, ob wir die Sicherheit der Demonstranten, aber natürlich auch der Nicht-Beteiligten gewährleisten können»Philipp Kutter, Stadtpräsident Wädenswil

Inthera hat ihren Sitz in Wädenswil bei der Organisation Grow, welche Start-ups fördern will. Die Stiftung wird auch von der Stadt Wädenswil jährlich mit einem Betriebsbeitrag finanziert, im Grow-Stiftungsrat sitzt auch Philipp Kutter. «Wir erwarten von den Firmen, die bei Grow angeschlossen sind, dass sie sich ethisch korrekt und professionell verhalten.» Man werde zeitnah prüfen, dass man diese Erwartungen auch verschriftlichen könne. Mit Richtlinien hätte man auch eine offizielle Handhabe, wie man mit Firmen umgehen könnte, die sich nicht an ethische Grundsätze hielten.

Der Stadtpräsident hat sich auch auf Facebook geäussert.

Aber auch so werde Grow jetzt handeln, sagt Kutter: «Wir werden zügig abklären, ob Inthera ihre Sorgfaltspflicht verletzt hat oder unverschuldet zum Opfer der mangelhaften Tierversuche wurde.» Diese Abklärungen wurden schon in Angriff genommen. Sie sollen zeigen, ob die Stiftung Grow weiter mit Inthera zusammenarbeiten möchte. Findet die Stiftung laut Kutter triftige Gründe dagegen, könnte sie der Firma die Grow-Mitgliedschaft kündigen und müsste sie allenfalls sogar versuchen, darauf einzuwirken, dass der Mietvertrag mit der Pharma-Firma aufgelöst wird.

Warten auf Antworten

Konsequenzen gezogen hat bereits die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Sie hat in einem Forschungsprojekt mit Inthera zusammengearbeitet. Obwohl das gemeinsame Projekt nuranalytische Laborarbeiten und keine Tierversuche beinhaltete, hat die ZHAW die Kooperation per sofort gestoppt. «Tierversuche sollen nur durchgeführt werden, wenn sie unabdingbar sind», sagt ZHAW-Sprecher Manuel Martin. Bei gewissen Arzneimitteln sind Tierversuche nach wie vor gesetzlich vorgeschrieben.

Wie Inthera auf den Rauswurf der ZHAW reagiert, ist nicht bekannt. Die von der kritisierten Firma beauftragte PR-Agentur liess am Donnerstag ausrichten, man wolle keine «Einzel- oder Nachfolgefragen zu diesem Themenkomplex kommentieren». Wie Inthera bereits in einem Statement dargelegt habe, werde das Unternehmen alle Vorwürfe «nach den rechtlich vorgeschriebenen und vertraglich vorgesehenen Verfahren prüfen, statt weitergehend öffentlich Stellung zu nehmen».

Erstellt: 17.10.2019, 18:04 Uhr

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