Wädenswil

Tierschützer nehmen den Stadtpräsidenten ins Visier

Tierschutzorganisationen lassen nicht locker. Nach dem Skandal in einem deutschen Labor, in den eine Wädenswiler Firma involviert war, veröffentlichen sie einen offenen Brief an Stadtpräsident Philipp Kutter.

Vergangenen Herbst demonstrierten Tierschützer gegen die Wädenswiler Firma. Nun haben sie dem Stadtpräsidenten Philipp Kutter einen offenen Brief geschrieben.

Vergangenen Herbst demonstrierten Tierschützer gegen die Wädenswiler Firma. Nun haben sie dem Stadtpräsidenten Philipp Kutter einen offenen Brief geschrieben. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schockierende Bilder aus einem deutschen Tierversuchslabor schreckten im Oktober Tierschützer auf. Auftraggeber war auch die Wädenswiler Firma Inthera Biosciences, die in der Krebsforschung tätig ist. Deutsche Behörden haben den Betrieb inzwischen untersagt. Die Bilder haben hiesige Tierschützer ebenfalls aufgeschreckt. Die Organisation Animal Rights demonstrierte in Wädenswil und sammelte online 18'000 Unterschriften gegen den Schweizer Auftraggeber Inthera Bioscience.

Letzte Woche hat die Start-up-Stiftung Grow, welcher Inthera Bioscience angehört, erklärt, dass sie auf Ethik-Regeln verzichtet. Man habe das Thema ausführlich diskutiert und sei zum Schluss gekommen, keine schriftlichen ethischen Grundsätze und Anforderungen an die Partnerfirmen zu formulieren, sagte Grow-Stiftungsratspräsident Matthias Kaiserswerth gegenüber dieser Zeitung. Es erscheine selbstverständlich, dass die Firmen sich an geltendes Schweizer Recht hielten. Sollten Firmen im Ausland Versuche durchführen lassen, wo schwächere Gesetze gelten, so erwarte Grow, dass die in der Schweiz gültigen ethischen Normen eingehalten werden.

Alternative Versuchsmethoden fördern

Das genügt den Tierschützern aber nicht. Am Sonntagabend haben sie einen offenen Brief an den Stadtpräsidenten Philipp Kutter (CVP) online gestellt. Philipp Kutter haben sie ins Visier genommen, weil er Vizepräsident der Grow-Stiftung ist und die Stadt die Stiftung finanziell unterstützt.

Der offene Brief, der bis Montagabend von 2500 Personen unterzeichnet wurde, wird auch von den Tierschutzorganisationen Animalfree Research und der Stiftung Pro Tier unterschrieben. Konkret fordern sie Philipp Kutter auf, Unternehmen zu unterstützen, die ohne Tierversuche auskommen. Weiter soll er die Forschung nach Alternativen zu Tierversuchen fördern und Grow soll nicht mit Firmen arbeiten, die Tierquälerei im Ausland beauftragen.

Krebsforschung braucht Tierversuche

Philipp Kutter sagt, er sei dafür, dass so wenig Tierversuche wie möglich durchgeführt und nach Alternativen gesucht werde. «Es gibt aber gewisse Bereiche, in denen Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben und auch angemessen sind.» Selbstverständlich erwarte er, dass sich die Firmen gesetzeskonform und ethisch korrekt verhalten.

Einige der Life Science Firmen in Wädenswil forschten nach Krebsmedikamenten, erinnert Kutter. Würde man Tierversuche generell verbieten, wie das die Tierschützer verlangten, könnte in Wädenswil nicht mehr wie heute an diesen lebensrettenden Medikamenten geforscht werden.

Tierversuche beschäftigen Parlament

Die Tierversuche seien kein reines Wädenswiler Thema, hält der Stadtpräsident weiter fest. Er verweist auf die hängige Tierversuchsverbot-Initiative. Diese wird von National- und Ständerat demnächst behandelt. Der Bundesrat lehnt sie ab. Er kommt zum Schluss, dass Tierversuche in gewissen Bereichen notwendig sind.

Auch der Schweizer Tierschutz (STS) weist die Volksinitiative zurück. Ebenso Swissuniversities, die Rektorenkonferenz der Schweizerischen Hochschulen. Sie bezeichnet diese Initiative als extrem und schädlich. Swissuniversities setze sich für einen rücksichtsvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren und Menschen ein, schreibt sie auf der Webseite.





Erstellt: 20.01.2020, 17:35 Uhr

Artikel zum Thema

Nach Skandal um Tierversuche: Stiftung drückt sich vor Ethikregeln

Wädenswil Schockierende Bilder aus einem deutschen Labor haben Tierschützer aufgeschreckt und für Proteste gesorgt. Auftraggeber war unter anderem eine Wädenswiler Firma. Die Start-up-Stiftung Grow will trotzdem keine neuen Regeln. Mehr...

Wädenswiler Firma steht wegen qualvoller Tierversuche in der Kritik

Wädenswil Das norddeutsche Labor LPT macht grausame Versuche mit Tieren. Auftraggeber ist unter anderem die Schweizer Biotechfirma Inthera. Mehr...

Deutsches Tierlabor LPT muss schliessen – Direktor kritisiert Hetze

Mienenbüttel/Wädenswil Auch eine Wädenswiler Firma hat im umstrittenen Labor Versuche durchgeführt. LPT-Direktor Jost Leuschner spricht von einer Hetzkampagne. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!