Thalwil

Thalwils erste Landsgemeinde

Mit einer Landsgemeinde sollte in Thalwil die Lust an der politischen Debatte geweckt werden. Diskutiert wurde am Mittwochabend zwar wenig, es kamen aber viele.

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Die Thalwiler wissen, was sie wollen. Keinen Aufwand hatten die Behörden und die Verwaltung gescheut, um den Plattenpark neben der reformierten Kirche in ein Areal zu verwandeln, das für eine Gemeindeversammlung taugt. Bänke für die Stimmberechtigten standen bereit, ein Podium für den Gemeinderat, Stromkabel waren verlegt, Samariter standen bereit.

Und was machten die Thalwiler? Sie nahmen die Bänke und trugen sie unter die schattenspendenden Bäume. Denn am Mittwochabend, als die Rechnungsgemeindeversammlung zum ersten Mal in der Geschichte Thalwils als Landsgemeinde durchgeführt werden sollte, herrschten kurz vor 19 Uhr noch deutlich mehr als 30 Grad.

Die Idee, einmal eine Gemeindeversammlung als Landsgemeinde durchzuführen, stammt von Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP). Er hat sich schon länger mit der Idee getragen, eine Gemeindeversammlung «ohne Schwellen und Türen» zu veranstalten, also der Bevölkerung einen niederschwelligen Zugang zur Politik zu bieten. «Um das Interesse zu wecken und zu zeigen, wie das oberste Organ der Gemeinde, eben die Gemeindeversammlung, debattiert.»

Die Debattierfreude wecken

Und die Leute kamen in Scharen: 400 Stimmberechtigte nahmen im «Ring» auf der Platte Platz, mehrere Dutzend Zuschauer – darunter auch aus Nachbargemeinden – in den darum herum installierten Zuschauersektoren. An einer normalen Rechnungsversammlung sind es vielleicht 120 Stimmberechtigte und vereinzelte Zuschauer.

Debattiert wurde allerdings kaum am Mittwochabend. Denn das Haupttraktandum war die Jahresrechnung 2018. Diese schliesst mit einem Plus von 7,4 Millionen Franken, bei einem Aufwand von 130,4 Millionen und einem Ertrag von 137,8 Millionen Franken. Das Ergebnis fällt rund 8 Millionen besser aus als budgetiert. Wie Finanzvorstand Hansruedi Kölliker (FDP) sagte, ist dies insbesondere auf reichlicher sprudelnde Steuereinnahmen zurückzuführen. Mangels Projektsionsfläche war er bei seinen Ausführungen peinlich darauf bedacht, immer auf die entsprechende Seite in der Weisung zu verweisen.

Die gemeinderätliche Beantwortung zweier Anfragen nahm das Publikum ebenfalls ohne Anmerkungen zur Kenntnis.

Thalwil – «i eim Schnuz»

Gemeindepräsident Märk Fankhauser zog im Anschluss an die Versammlung eine positive Bilanz. Der Gemeinderat habe für den Probelauf extra Traktanden mit wenig Zündstoff ausgesucht: «Wir wussten ja nicht, wie sich die Stimmbürger verhalten würden. Zwar haben sie die Bänke verschoben, aber danach haben sie sich diszipliniert verhalten, sind an ihren Plätzen geblieben.» Der Gemeindepräsident kann sich sehr gut vorstellen, wieder einmal eine Landsgemeinde durchzuführen. «Auch zu Themen, die lebhafter debattiert werden.»

Mit zur guten Stimmung beigetragen haben auch die Jungmusik KRT – Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil – mit ihrem Ständchen sowie die beiden Thalwilerinnen Julia Schiwowa und Simone Baumann. Sie haben mit ihrem Thalwil Song «Halfway up halfway down» eine richtiggehende Liebeserklärung ans «Härz vo de Pfnüselküschte» dargebracht.

So klingt der Thalwil-Song. Video: Patrick Gutenberg

Einzige Unterlassungssünde: In der Hitze des Gefechts hat Märk Fankhauser vergessen, die Antwort auf die in dieser Zeitung lancierte Frage zu liefern, wie man «Thalwil» richtig ausspricht. Er hat dies im Anschluss an die Versammlung nachgeholt: «Man sagt Thalwil ‹i eim Schnuz›, und betont weder das A noch das I. Ganz wichtig ist aber, und das sage ich als Ur-Thalwiler, das H nicht auszusprechen.»

Gemeindepräsident Märk Fankhauser erklärt, wie Thalwil korrekt ausgesprochen wird. Video: Patrick Gutenberg

Erstellt: 26.06.2019, 23:22 Uhr

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