Thalwil

Thalwil im Kampf gegen Neophyten

Die Gemeinde hat den Neophyten den Kampf angesagt. Eine Tauschaktion soll eingeschleppte Pflanzen verdrängen. Für jedes ausgerissene fremde Gewächs erhielten die Thalwiler einen einheimischen Strauch.

Für einen ausgerissenen Neophyten erhielt Sibylle Christen vom leitenden Gemeindegärtner Toni Kryenbühl auf dem Chilbiplatz in Thalwil eine einheimische Pflanze.

Für einen ausgerissenen Neophyten erhielt Sibylle Christen vom leitenden Gemeindegärtner Toni Kryenbühl auf dem Chilbiplatz in Thalwil eine einheimische Pflanze. Bild: David Baer

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Dem Kirschlorbeer ging es an den Kragen. Sibylle Christen riss ihn samt Wurzeln aus der Erde. Er musste weichen, weil er ein invasiver Neophyt ist. Eine gebietsfremde Pflanze, die sich schnell ausbreitet und Schäden anrichten kann. Der Kirschlorbeer kommt ursprünglich aus Asien, hat sich aber auch in Europa rasend verbreitet. Dies zum Leid von einheimischen Pflanzen, die durch den Kirschlorbeer verdrängt werden, und Tieren, die von den giftigen Beeren Schaden nehmen können.

Nicht alle Neophyten sind invasiv. In der Schweiz wachsen etwa 550 gebietsfremde Pflanzen, rund 45 davon werden als gefährlich eingestuft. Die Gemeinde Thalwil möchte dem Kirschlorbeer und anderen invasiven Neophyten den Garaus machen. Dafür organisierte das Dienstleistungszen­trum Gesellschaft der Gemeinde eine Tauschaktion.

Biodiversität fördern

Diesen Sommer konnten Gartenbesitzer aus Thalwil Neophyten ausreissen und ein Foto des Gewächses an die Gemeinde schicken. Für jedes Bild einer samt Wurzeln gejäteten Pflanze überreichte der leitende Gemeindegärtner Toni Kryenbühl am Donnerstagnachmittag auf dem Chilbiplatz kostenlos einen einheimischen Strauch. Thalwil will mit dieser Tauschaktion die Zahl von Neophyten reduzieren und gleichzeitig heimische Pflanzen im Siedlungsgebiet fördern. Das soll die Biodiversität steigern.

Auch Sibylle Christen holte für ihre ausgerissenen Kirschlorbeeren zwei Ersatzpflanzen: einheimischen Schwarzen Holunder. «Ich finde die Tauschaktion wichtig, um die Bevölkerung für die Gefahren von Neophyten zu sensibilisieren.» Man müsse etwas unternehmen, damit die invasiven Pflanzen nicht die Artenvielfalt stören.

Bei der Tauschaktion sind rund 140 Sträucher aus 31 Gärten entfernt worden. Bei den meisten handelte es sich um Kirschlorbeer, Goldrute und Sommerflieder. Als Ersatzpflanze schenkte Toni Kryenbühl unter anderem Pfaffenhütchen, Weissdorn, Holunder, Haselsträucher oder Kornelkirschen. Während Sibylle Christen ihre Bäume auf dem Fahrrad nach Hause transportierte, nahmen einige Hobbygärtner gleich einen ganzen Kofferraum voll Sträucher mit. So auch Beatrix Mandl. Sie hat über ein halbes Dutzend invasive Neophyten ausgerissen. Ihr Garten habe nun einige tiefe Löcher, die sie mit den neuen Pflanzen wieder auffüllen muss. «Ich kann nicht verstehen, warum nicht alle Gartenbesitzer in Thalwil an dieser Tauschaktion mitmachen», sagte sie.

Läden verkaufen Neophyten

Kryenbühl gibt den Unkraut­jätern gleich Tipps für den richtigen Umgang mit den neuen Pflanzen mit. «Der Holunder sollte im Halbschatten gepflanzt werden. Wenn er zu trocken wird, befallen ihn schnell die Läuse.» Mit der Anzahl an Teilnehmern an der Aktion ist Kryenbühl zufrieden. Trotzdem sieht er noch Probleme, was das Bekämpfen der invasiven Neophyten betrifft. «Pflanzen wie den Kirschlorbeer kann man in vielen Geschäften kaufen. Das erschwert das Eindämmen der Verbreitung.»

Manchmal erscheint der Kampf gegen Neophyten wie der gegen Windmühlen. Kryenbühl habe schon stundenlang ganze Felder von Neophyten befreit und am Abend beim Heimfahren gesehen, wie in einem Privatgarten gerade eine neue Lorbeerhecke gepflanzt wurde.

Thalwil hat die Aktion zum ­ersten Mal durchgeführt. Ob die Gemeinde noch einen weiteren Pflanzentausch organisieren wird, ist noch unklar. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.10.2018, 21:17 Uhr

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