Horgen / Zürich

Teile des Horgner Seerose-Zauns glänzen neu in Zürich

Der Zaun der Villa Seerose gilt als Jugendstil-Kunstwerk. In den Fünfziger-Jahren war Jugendstil nicht gefragt und der Zaun wurde abgebrochen. Heute schätzt man den eisernen Blütenhag.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die 1904 erbaute Villa Seerose hatte einst einen viel grösseren Garten als heute. Es war ein weitläufiger Park im Stile englischer Landschaftsgärten mit zahlreichen exotischen Bäumen. Dementsprechend lang war auch der Zaun, ganz in Jugendstil gehalten. 1954 kaufte die Gemeinde Horgen die Villa Seerose. Ein Teil des Parks fiel der Erweiterung des Bahnareals zum Opfer. Das heutige Strandbad Seerose war einst auch Seerose-Park. Eine Verlegung des Seerose-Zauns rund um die Villa war der Gemeinde Horgen damals zu teuer. In den Fünfziger-Jahren hielt man ausserdem nicht mehr viel vom Jugendstil, befand ihn als kitschig. Der kunstvoll handgeschmiedete Eisenhag fand die verschiedensten Besitzer.

Seit diesem Sommer glänzt der kunstvoll geschmiedete Seerose-Zaun auch in Zürich, vor dem Neubau der Hotelfachschule Belvoirpark an der Seestrasse 141. «Er ist ein Denkmalschutzobjekt von überkommunaler Bedeutung. Die Zaunteile stammen aus dem Depot der kantonalen Denkmalpflege», sagt Landschaftsarchitekt Ralf G. Voss. Deshalb seien die aufwendige Restaurierung und das Aufstellen des Zauns in Begleitung der kantonalen Denkmalpflege erfolgt, erklärt Voss. Aufgrund der hohen Bedeutung der Schmiedeeisenkunst des Jugendstils habe man einen Ort für den Zaun gesucht, der von adäquater Bedeutung ist. «Mit dem überkommunalen Schutzobjekt Belvoirgut ist dies gegeben und mit der Platzierung direkt an der Seestrasse kann der Zaun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden», sagt Voss. Gleichzeitig wollte man den Charakter der repräsentativen Vorgärten der Seestrasse fortführen.

Zaun schweizweit verstreut

Teile des in den Fünfziger-Jahren abgebrochenen Seerose-Hags sind schweizweit verstreut. Der Seidenindustrielle Robert Schwarzenbach kaufte sie in den Fünfziger-Jahren. Sie sind heute an der Gattikonerstrasse in Thalwil zu sehen. Der Bezug zum Kauf war insofern gegeben, als Jacques Huber, der Bauherr der Villa Seerose, zusammen mit der Firma Robert Schwarzenbach von Thalwil aus das internationale Seidenimperium «Schwarzenbach, Huber & Co» in New York aufgebaut hatte. Teile des Seerose-Zauns finden sich an weiteren Orten, zum Beispiel im Tessin oder Torflügel an einer Villa in Rafz. Das Horgner Ortsmuseum Sust besitzt ebenfalls Zaun-Teile.

Der berühmte Hag stellt nicht, wie man meinen könnte, Seerosen dar, sondern Blüten von Passionsblumen und Ginkgoblätter. «Für einen Kunstschlosser wäre es wohl sehr schwierig gewesen, selbst eine stilisierte Seerose aus hartem Eisen zu schmieden. Die Passionsblume eignete sich dafür bedeutend besser», schrieb der Horgner Lokalhistoriker Heiri Brunner (1893 bis 1960) in seinem Büchlein über die Villa Seerose.

Der Entwerfer des berühmten Zauns war der Architekt, Maler und Kunstgewerbler Hans Eduard von Berlepsch-Valendas (1849 bis 1920). Es waren vier Schlossereien, die an den Toren und Zäunen gearbeitet haben, liest man im «Horgner Jahrheft 2004». Zum 100-Jahr-Jubiläum der Villa Seerose liess die Gemeinde Horgen den Garten neu gestalten und den Zaun restaurieren.

Der renovierte Zaun stand bald nach dem 100-Jahr-Jubiläum der Villa wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Diebe hatten 2007 einen Torflügel sowie zwei kunstvoll geschmiedete Hagteile gestohlen. Die Gemeinde Horgen schrieb einen Finderlohn von 10 000 Franken aus. Dank eines Hinweises fand man Teile des Zauns, aber nicht alle. Torflügel und ein Hagteil blieben weiterhin verschollen, weshalb die Gemeinde den Auftrag gab, die fehlenden Teile zu ersetzen. Angeklagt, diese Teile entwendet zu haben war 2010 ein Horgner Landwirt. Vorgeworfen wurde ihm ausserdem, Hydranten manipuliert zu haben. Wegen der Sabotage an 13 Hydranten wurde er verurteilt, vom Vorwurf des Zaun-Diebstahls freigesprochen.

Erstellt: 07.01.2016, 15:59 Uhr

Die Geschichte der Villa Seerose

An prominenter Lage am See steht die Villa Seerose. 1902 bis 1908 liess der aus den USA zurückgekehrte Seidenindustrielle Jacques Huber die Villa mit zahlreichen Nebengebäuden erbauen. Entworfen hat die 1904 fertiggestellte Villa Seerose Konrad von Muralt.

Von aussen wirkt die Villa am See wie eine Mischung aus Burg und Palazzo. In ihrer Fassade zeigt sich die Villa weniger fortschrittlich als im Innern, wo sie ganz im damals modernen Jugendstil eingerichtet war. Heute ist das Jugendstil-Interieur noch unverändert zu bewundern, wenn Ausstellungen im Erdgeschoss stattfinden, auch Trauungen sind in der Villa Seerose möglich.?(gs)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.