Horgen

Tanzen für mehr Akzeptanz

Shonach Mirk Robles glaubt an die Macht des Tanzes: Die ehemalige Primaballerina will durch Ballett Vorurteile abbauen und benachteiligten Kindern zu einem besseren Leben verhelfen.

In ihrer Schule will Shonach Mirk Robles ihre Schüler nicht nur in die Kunst des Tanzes einführen.

In ihrer Schule will Shonach Mirk Robles ihre Schüler nicht nur in die Kunst des Tanzes einführen. Bild: Patrik Gutenberg

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Ballet ist für Vieles bekannt: Anmut, Perfektion, Emotion, aber auch Schmerz und Entbehrung werden oft mit dem klassischen Tanz in Verbindung gebracht. Oft wird Ballett auch als etwas rigide und verstaubt angesehen. Nicht jedoch wenn es nach Shonach Mirk Robles geht. Die Amerikanerin, die seit über zwanzig Jahren eine eigene Tanzschule in Horgen leitet, ist der Meinung, dass Ballett Raum bietet für Individualität, Kreativität und Akzeptanz — gegenüber sich selbst und seinen Mitmenschen.

In ihrer Schule will Mirk Robles, die über 15 Jahre lang als Profitänzerin in der Kompanie des berühmten Choreographen Maurice Béjart tanzte und auch zwei Jahre als Primaballerina im Zürcher Opernhaus auf der Bühne stand, ihre Schüler nicht nur in die Kunst des Tanzes einführen. «Es ist mir viel wichtiger, dass ich meinen Schülern beibringen kann, bessere Menschen zu werden, als sie zu Profitänzern auszubilden», sagt die 65-Jährige.

Dazu gehört ihrer Meinung nach auch, über politische Themen zu sprechen und den Solidaritätsgedanken zu fördern. Aus diesem Grund stellte Mirk Robles eine zweiteilige Choreographie zusammen, welche am Samstag, 1. Juni, im reformierten Kirchgemeindehaus aufgeführt wird. Der Erlös der Aufführung wird zugunsten von Projekten, welche benachteiligte Kindern im Tschad und in Venezuela unterstützen, gespendet.

Seinen Beitrag leisten

Shonach Mirk Robles, die schon als Jugendliche politisch aktiv war und zu ihrer Zeit als Schülerin der Royal Ballet School in London mehrmals mit ihren Lehrern aneinander geriet, da sie an öffentlichen Demonstrationen teilnahm, hat sich entschieden, zwei Projekte in Venezuela zu unterstützen, welche die medizinische Versorgung von Kindern sicherstellen. Diese ist seit den Tumulten im Land nicht mehr gewährleistet. Mirk Robles, die mit einem Chilenen verheiratet ist, der in den 80-er Jahren als Flüchtling in die Schweiz kam, spürt eine tiefe Verbindung zu Lateinamerika. «Meine zwei Kinder sehen sich schliesslich in erster Linie als Latinos», sagt sie.

Die Entscheidung, das Projekt Dakouna Espoir in Tschad zu unterstützen, fiel aufgrund einer persönlichen Begegnung mit Aleva Ndavogo Jude. Dieser hat das Projekt, welches Kinder von der Strasse holt, sie ausbildet und ihren Alltag durch Tanzen und andere Aktivitäten fröhlicher macht, ins Leben gerufen. «Aleva hat mich zu dieser Benefizveranstaltung inspiriert», sagt Mirk Robles. «Ich habe mir gedacht, wenn ein junger Mann es schafft, ohne finanzielle Unterstützung so vielen Kindern zu helfen, sollte es doch auch für uns möglich sein, einen Beitrag zu leisten, damit diese Welt etwas besser wird.» Sie hofft daher, dass viele Leute an ihre Aufführung kommen, um einen kleinen Beitrag für die ärmsten Kinder dieser Welt zu leisten.

So arbeitet Shonach Mirk Robles mit Schülerinnen. Quelle: Youtube

Ursprünglich plante Mirk Robles, auch Flüchtlingskinder in ihre Aufführung einzubinden. «Ich habe mit dem Sozialamt vereinbart, dass alle Flüchtlingskinder kostenlos bei mir in den Unterricht kommen können», sagt Mirk Robles. Sie unterrichtet seit jeher mehrere Schüler aus sozial benachteiligten Schichten.

Die Flüchtlingskinder jedoch kamen nicht. Daher hat sich auch der Fokus der Aufführung leicht verändert. Neben klassischen Stücken wird ein von Shonach Mirk Robles selbst choreografiertes Stück mit dem Namen «My Frieda» präsentiert. «Frieda Kahlo war eine Frau, die stets für ihre Ideale kämpfte. Dies soll sich im Tanz widerspiegeln.» Insgesamt werden an der Aufführung 62 Tänzer — Kinder und Erwachsene mit ganz unterschiedlichen Hintergründen — auf der Bühne stehen. Einige von ihnen tanzen bereits seit vielen Jahren im Horgner Studio.

Tanzen neu kennenlernen

Die Tanzschule in Horgen sei — neben ihren Kindern, Stiefkindern und Enkeln — ihr Leben, sagt Mirk Robles. Dies, obwohl sie, nachdem ihre Profikarriere durch eine Verletzung am Fuss frühzeitig beendet wurde, nicht im Entferntesten daran dachte, dereinst als Lehrerin tätig zu sein. «Ich hatte selbst genug Erfahrungen mit alten, verbitterten Lehrern gemacht, die ihren Frust darüber, dass es mit ihrer Karriere nicht klappte, an den Schülern ausliessen. Das wollte ich nicht.»

Doch als sie als Aushilfe bei einer Kollegin einsprang, realisierte sie, wie gerne sie ihr Wissen an andere weitergab. Und sich selbst weiterbildete. «Erst als ich mit dem Unterrichten begann, fing ich an, meinen Körper wirklich zu verstehen», sagt die ehemalige Profitänzerin. Da sie mehr über Anatomie und Bewegungslehre erfahren wollte, startete sie eine Ausbildung in Spiraldynamik, einem anatomisch begründeten Bewegungs- und Therapiekonzept, das von Schweizer Forschern entwickelt wurde. Die Methode überzeugte Mirk Robles so sehr, dass sie sich als Dozentin ausbilden liess und das Konzept sogar nach Amerika exportierte.

«Die Methode erlaubt es, seinen Körper zu hinterfragen und sich individuell zu verbessern ohne die anspruchsvollen Bewegungsabläufe und Positionen zu forcieren.» Neugierde und Skepsis seien Qualitäten, die ihren Schülern auch in anderen Bereichen zugute kommen würden, ist sich Mirk Robles sicher. «Nur wer es wagt, scheinbar gegebene Tatsachen zu hinterfragen, sei es im Tanzen oder anderswo, kann eine Veränderung für sich und seine Umwelt bewirken.»

Samstag, 1. Juni, von 15 Uhr und 17 Uhr, reformiertes Kirchgemeindehaus, Kelliweg 21, Horgen.

Erstellt: 28.05.2019, 15:37 Uhr

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