Horgen

Swisscard plant Zukunft in Horgen

Die Kreditkartenfirma Swisscard bleibt Horgen erhalten, obwohl der Kampf um die guten Talente härter wird. Insbesondere gegenüber der Stadt Zürich hat der Standort am Zürichsee schlechtere Karten. Swisscard tut einiges, um die Nachteile auszugleichen.

Schöne Aussichten:  Die Kreditkartenherausgeberin Swisscard hofft auf eine bauliche Aufwertung von Horgen Oberdorf als ein durchmischtes Wohn- und Arbeitsquartier.

Schöne Aussichten: Die Kreditkartenherausgeberin Swisscard hofft auf eine bauliche Aufwertung von Horgen Oberdorf als ein durchmischtes Wohn- und Arbeitsquartier. Bild: Manuela Matt

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Mit den Kreditkarten von Swisscard wird im Schnitt alle fünf Sekunde ein Bezahlvorgang durchgeführt – insgesamt 150 Millionen im Jahr. Vor 20 Jahren war Swisscard mit 200 Angestellten im Zürcher Seefeld gestartet. Heute zählt die Kreditkartenfirma rund 700 Mitarbeitende und gehört zu den grössten Arbeitgebern am linken Seeufer.

Der heimliche Riese vom Zürichsee, der zu den umsatzstärksten der verschwiegenen Branche zählt und 1,5 Millionen Kreditkarten betreut, mischt im Schweizer Kartengeschäft kräftig mit: In den 20 Jahren ihres Bestehens hat Swisscard den Marktanteil mehr als verdoppelt, von 13 auf rund 28 Prozent. Von den 91 Millionen Autorisierungsanfragen jährlich stellten sich im letzten Jahr rund 16 000 als Betrug oder Betrugsversuch heraus – ein nach Swisscard-Angaben im Quervergleich «äusserst kleiner Wert». Den Schaden tragen meist die Kreditkartenherausgeber.

Hoffen auf Überbauung

Der grüne Glaspalast oberhalb des Bahnhofs Oberdorf in Horgen ist zum Markenzeichen für das Gemeinschaftsprojekt von Credit Suisse und American Express geworden. Der Service aus der Schweiz sei ein wichtiger Bestandteil der eigenen Unternehmensphilosophie und eine Verlagerung nicht geplant, sagt Barbara Allemann, Geschäftsleitungs-Mitglied und Personalchefin von Swisscard. Für die nächsten Jahre wird daher am status quo nicht gerüttelt, obwohl es – trotz bester Lage – nicht einfach sei, gute Leute nach Horgen zu holen. Der Standort steht in Konkurrenz zur Stadt Zürich, «und junge Leute arbeiten lieber in der Stadt, mit vielfältigen Verlockungen ausserhalb der Büros». Swisscard suche für alle Positionen «einfallsreiche und leistungsorientierte Mitarbeitende mit Flexibilität und Teamgeist». Solche Personen seien auf dem Arbeitsmarkt begehrt, erklärt Allemann.

Heute zählt die Kreditkartenfirma rund 700 Mitarbeitende und gehört zu den grössten Arbeitgebern am linken Seeufer.

Weit oben auf der Wunschliste des Unternehmens steht eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Diesbezüglich Hoffnung macht ein Grossprojekt auf dem benachbarten Schweiter-Areal, wo eine Überbauung mit Wohnungen und Gewerbe geplant ist. Davon verspricht sich Swisscard eine Aufwertung des Gebiets bergseits der Gleise mit einer Mischung aus Wohn- und Arbeitsquartier. Für die Kundenberater im Call Center hat Swisscard Home Office eingeführt und sieht sich damit laut Allemann in einer Vorreiterrolle für die Branche. So könnten sich die Mitarbeitenden den Arbeitsweg sparen und zuhause statt im belebten Grossraumbüro arbeiten. Derzeit nehmen 50 Mitarbeitende – von den 120 in diesem Bereich – am Programm teil. Lediglich an Tagen mit wichtigen Arbeitssitzungen müssen sie noch in Horgen vor Ort sein.

Viele Wechsel im Call Center

Allerdings: Ein weiteres Personalwachstum ist hier nicht geplant. Dafür entstehen neue Anforderungsprofile: «Die Aufgaben werden komplexer, digitaler und automatisierter», sagt Allemann. Im grössten Bereich, dem Customer Service, der von den Kreditkartenanträgen, über die Betrugsbekämpfung, bis hin zur Kundenberatung geht, arbeiten über 300 Mitarbeitende. Gerade im darin integrierten Call Center, mit vielen jungen Leuten und Quereinsteigern, ist der personelle Wechsel hoch.

Swisscard verfügt auch über eine eigene Abteilung für Innovation, welche sich mit allen Aspekten des Bezahlens in der Zukunft beschäftigt. Trotz neuer Konkurrenz im Bezahlbusiness sieht das Unternehmen aber nicht die mobilen Bezahlformen wie Apple Pay oder Twint als grösste Herausforderung, sondern – eher überraschend – das Bargeld, das in der Schweiz immer noch eine hohe Bedeutung geniesst. Das wollen die Anbieter von bargeldlosen Zahlungsmitteln ändern. Als Vorbild dienen die nordischen Staaten, in denen das Bargeld im Alltag nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Mehr als nur Gebühren

Anfangs November wurde bekannt, dass Swisscard und Coop bei den «Supercard Plus»-Kreditkarten künftig getrennte Wege gehen. Swisscard verliere aber keinen Kunden, heisst es in Horgen. Coop sei zwar ein Partner gewesen. Die Inhaber der Supercardplus-Kreditkarte mit dem Logo Coop blieben aber die Kunden von Swisscard und nicht von Coop. Die Supercardplus-Kreditkarte sei bis zum Ablaufdatum, spätestens bis am 31. Oktober 2020, gültig. Swisscard will vor Ablauf der Gültigkeit allen Supercardplus-Kunden eine neue Cashback-Kreditkarte senden. Diese sei dann ab sofort und ohne Formalitäten nutzbar. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Cashback-Kreditkarte die erste Gratiskreditkarte der Schweiz sei mit «Geld zurück»-Funktion sowie Apple Pay und Samsung Pay.

Neuerdings drängen zudem Fintech-Firmen, wie Revolut, in den Markt, die die bisherigen Kreditkartenherausgeber dort angreifen, wo es ihnen weh tut – bei den Gebühren. Die Prepaid-Debitkarte von Revolut wird bereits von rund 50 000 Schweizern benutzt. Swisscard gibt sich – nach aussen – gelassen: Der Preis einer Kreditkarte lasse sich nicht auf einzelne Gebühren reduzieren, heisst es. Entscheidend sei das Gesamtangebot. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.12.2018, 16:09 Uhr

Weko nimmt Finanzanbieter unter die Lupe

Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) hat Mitte November eine Untersuchung wegen des mutmasslichen Boykotts von Apple und Samsung Pay, respektive der Bevorzugung der Schweizer Bezahl-App Twint eingeleitet. Die Untersuchung betrifft die Grossbanken UBS und Credit Suisse, die Postfinance sowie die Kreditkartenherausgeber Swisscard und Aduno. Bei den Adressaten wurden laut Weko Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Swisscard zeigte sich überrascht, in die Untersuchung einbezogen zu werden. Ihre Kunden könnten seit November 2016 Apple Pay nutzen und seit August 2017 auch Samsung Pay. Swisscard sei zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen würden.

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