Thalwil

Streiten will gelernt sein

Ein Wort ergibt das andere und plötzlich fliegen die Fetzen. Kinder können ihre Eltern in Rage bringen. Eine Beratungsstelle bietet Lösungsansätze.

Streiten mit den Kindern soll gelernt sein. Gewalt sei oft eine Machtdemonstration und nicht zielführend, heisst es im Kurs.

Streiten mit den Kindern soll gelernt sein. Gewalt sei oft eine Machtdemonstration und nicht zielführend, heisst es im Kurs. Bild: Herbert Zimmermann

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«Kinder fordern ihre Eltern immer wieder heraus, manch Erwachsener stösst dabei an seine Grenzen», erklärt Fabian Bächli. Zusammen mit der Psychologin Bua Bucher leitet er die zweiteiligen Kurse «Streiten ja, aber wie?!» Der Präventionsfachmann hat das Elternbildungsangebot mitentwickelt, welches die Jugendberatungs- und Suchtpräventionsstelle samowar in Thalwil anbietet. Geschaffen ist es für Eltern von Kindern im Kindergarten- und Unterstufenalter. An den zwei Abenden drehe sich viel darum, sich selbst besser kennenzulernen. «Die eigene Konfliktfähigkeit wächst daran, sich selbst besser zu spüren und die destruktiven Gefühle besser regulieren zu können», fügt Bächli an.

«Wenn sich die Eltern jedoch einen konstruktiven Umgang beim Streiten aneignen, lernt auch das Kind, mit schwierigen Gefühlen umzugehen»Fabian Bächli, Kursleiter

Wut gebe es immer wieder, essentiell sei es deshalb, den Umgang damit zu lernen. Regulation ist das Stichwort: «Wir arbeiten mit einer Wuttreppe, damit die Teilnehmenden überdenken können, wie im Konflikt eine Eskalation vermieden werden kann», erklärt der Fachmann. «So können sich alle einen Notausstieg zurechtlegen, eine Möglichkeit, aus dem Konflikt auszusteigen, bevor die Fetzen fliegen.» Über das eigene Verhalten nachzudenken, dafür fehle im Alltag oft die Zeit. «Wenn sich die Eltern jedoch einen konstruktiven Umgang beim Streiten aneignen, lernt auch das Kind, mit schwierigen Gefühlen umzugehen», führt Bächli aus.

Kinder lernen am Vorbild der Eltern

«Unser Nachwuchs nimmt sehr viel auf, ohne dass wir Erwachsenen das wirklich wahrnehmen», sagt Bächli, er ist selbst Vater von zwei Töchtern. Fänden Eltern einen adäquaten Umgang mit ihrer Wut, würden das auch ihre Kinder nachahmen. Eine Tatsache, die vielen nicht bewusst sei. «Das Lernen am Modell, also am Vorbild der Bezugspersonen, wird immer wieder unterschätzt», ist Bächli überzeugt. Es sei wichtig, dass sich Eltern und andere wichtige Bezugspersonen ihrer Vorbildsfunktion bewusst seien.

«Die Bandbreite der Teilnehmenden ist aber gross. Sinn macht es immer, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen»Fabian Bächli, Kursleiter

Das Interesse daran, sich mit dem eigenen Streitverhalten auseinanderzusetzen, ist seit der Lancierung des Kurses gross. Im Startjahr 2015 meldeten sich auf Anhieb 80 Personen an. Grund für samowar, den Kurs fortan regelmässig anzubieten. «Die grosse Nachfrage spricht dafür, dass viele froh sind um Unterstützung in diesem Thema», sagt der Präventionsfachmann.

Auch der Austausch mit anderen Eltern sei hier wie in vielen anderen Erziehungsthemen sehr wertvoll. Zu sehen, dass man mit einem Problem nicht alleine stehe, könne schon viel helfen. «Die Bandbreite der Teilnehmenden ist aber gross. Sinn macht es immer, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen», so Bächli. Im Kurs arbeiten er und Bua Bucher mit einer Gruppe von 24 Personen.

Beziehung statt Strafe

Was Bächli in den bisherigen Kursen oft beobachtet habe, sei die Angst der Erwachsenen, ihr Ansehen zu verlieren. «In Konfliktsituationen greifen viele auf Bestrafungen zurück», führt er aus. Diese seien aber häufig eine Machtdemonstration.

Es sei wichtig, Auseinandersetzungen mit dem Kind auszutragen, dabei müsse aber unbedingt die Würde des Kindes gewahrt werden. «Das ist für die Bindung zum Sohn oder zur Tochter unglaublich wichtig, nur so kann Vertrauen entstehen», erklärt Bächli. Das Kind müsse das tragende Gefühl entwickeln, die Eltern hinter sich zu wissen, «auch wenn es selbst total neben den Schuhen steht.» Wie sonst solle es nachher durch die Pubertät gehen?

Das bedeute natürlich nicht, keine Grenzen zu setzen, stellt der Fachmann klar. «Grenzen geben dem Kind Orientierung und sollen auch eingefordert werden.» Es gebe aber auch Alternativen, zum Ziel zu kommen, diese würden im Kurs diskutiert. Wichtig sei, auf die eigene Kommunikation zu achten. «Schliesslich gibt es keine Patentlösung», der Fachmann zuckt mit den Schultern. Er weiss, dass sich das viele wünschen würden. «Erziehung ist ein laufender Prozess», ergänzt Fabian Bächli. «Wir wollen Impulse zu geben, mit denen unsere Kursbesucher weiterarbeiten können.»

Für: Eltern von Kindern im Alter von 5 bis 9 Jahren. 1. Kurs: Dienstag 28. Mai und Dienstag 4. Juni 2019. Anmeldeschluss: Montag 20. Mai. 2. Kurs: Donnerstag 19. September und Dienstag 24. September 2019. Anmeldeschluss: Dienstag 10. September. Zeit: 19.30 - 21.45 Uhr. Ort: samowar, Bahnhofstrasse 24, Thalwil. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.05.2019, 16:16 Uhr

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